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Alternative Behandlungsformen bei der Parkinson-Krankheit

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Parkinsonpatientin beim Yoga

Die Parkinson-Krankheit ist eine chronisch fortschreitende und in der heutigen Zeit noch nicht heilbare Krankheit. Schulmedizinische Behandlungsformen können das Fortschreiten vielleicht etwas verlangsamen.

Die tatsächliche Wirksamkeit der Therapien ist derzeit ausschließlich bei der von der Schulmedizin angebotenen Parkinson-Therapie bewiesen. Daher ist es notwendig, alternative Therapieangebote einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Einige Alternativtherapien können die Parkinson-Therapie sinnvoll ergänzen, indem sie die Lebensqualität der Patienten verbessern. Andere aber dienen ausschließlich den finanziellen Interessen der Anbieter.

In diesem Kapitel möchten wir Ihnen die wichtigsten Angebote – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – kurz darstellen.

 

Einführung

Die schulmedizinischen Möglichkeiten der medikamentösen Kombinationstherapie, insbesondere die Einführung der dopaminergen Therapien und der bewährten Begleittherapie als symptomatische Behandlung haben die Lebenserwartung der Patienten normalisiert und die Lebensqualität weitgehend verbessert. Wenn diese Maßnahmen infolge der Krankheitsprogression nicht mehr zufriedenstellend wirken, steht die neurochirurgische Therapie (die tiefe Hirnstimulation) als Ausweg zur Verfügung.

Trotz der großen Fortschritte der Therapie in den letzten Jahrzehnten ist die Krankheit heute noch unheilbar und das Fortschreiten kann höchstens etwas verlangsamt werden.

Unter diesen Umständen ist es durchaus verständlich, wenn die betroffenen Patienten und Angehörigen nach Behandlungsalternativen suchen. Die kritische Betrachtung dieser therapeutischen Alternativen ist aber unbedingt notwendig, weil diese einerseits häufig mit erheblichen kommerziellen Interessen der Anbieter verbunden sind, andererseits ist es Tatsache, dass bis heute die Wirksamkeit der Behandlungsmaßnahmen nur bei der von der Schulmedizin angebotenen Parkinson-Therapie bewiesen ist. Vorsicht ist auch dann geboten, wenn diese alternativen Therapieangebote als Ersatz zur bewährten Parkinson-Therapie angepriesen werden oder sogar die Heilung versprechen. In diesen Fällen wird den Patienten die sicher wirksame Therapie vorenthalten. Verdächtig ist auch, wenn die Alternativangebote eine deutliche Reduzierung der notwendigen Medikamentendosis versprechen. Diese letztere (Verkaufs-)Strategie nutzt übrigens die natürliche Abneigung etlicher Patienten gegenüber der in den Körper aufzunehmenden „Chemie".

Es ist auch wichtig zu wissen, dass theoretische Überlegungen oder begeisterte Erfolgsmeldungen und Meinungen noch nicht bedeuten, dass eine Therapie wirksam ist. Die auf die Parkinson-Krankheit spezialisierten Ärzte können die Patienten auch in diesem Zusammenhang adäquat beraten und so die Patienten vor unnötigen Enttäuschungen oder finanziellen Belastungen bewahren.

Einige der alternativen Therapien können aber die Parkinson-Therapie sinnvoll ergänzen, andere wiederum werden zur Zeit auf Wirksamkeit getestet. Viele wirken harmonisierend auf Körper und Seele, bessern das Allgemeinbefinden und so die Lebensqualität der Patienten, auch ohne erkennbare Wirkung auf die Grundsymptome der Krankheit. Bei der Beurteilung der alternativen Therapien ist noch zu berücksichtigen, ob schädliche Wirkungen der Methode zu erwarten sind.

Alternative dopaminerge Therapien

Tetrahydobiopterin (BH4) und Nicotinamidadenindinucleotid (NADH)

Diese Stoffe wurden als verstärkender Faktor der Dopamin-Synthese zur Therapie empfohlen. Sie sollten die Wirkung des Enzyms Tyrosinhydroxylase unterstützen (Co-Enzym). Die Wirkung ist schon theoretisch zweifelhaft, weil das Enzym in den erkrankten Zellen fehlt.

BH4 war schon infolge der mangelhaften Aufnahme ins Gehirn nicht wirksam.
NADH wurde von Professor Birkmayer in Wien über 500 Patienten gegeben. Dieses Nahrungsergänzungsmittel konnte seine Wirksamkeit in kontrollierten Studien nicht beweisen, in Kenntnis der pathologischen Vorgänge in der Schwarzen Substanz muss man die symptomatische Wirksamkeit – wie von Birkmayer beschrieben – eher bezweifeln.

Oxyferriscorbone

Die intravenöse Eisenspritze wurde ebenfalls von Birkmayer empfohlen und verwendet. Eisen sollte die Aktivität der dopaminsynthetisierenden Enzyme stimulieren. Das Präparat kann nicht in ausreichenden Mengen ins Gehirn eindringen, so dass eine zentrale Wirksamkeit praktisch ausgeschlossen ist. Andererseits wäre die Eisenzufuhr ungünstig, würde den oxidativen Stress noch verstärken.

Dopa-Bohne (Vicia faba)

Im Jahr 2000 wurde über die Wirkung der L-Dopa-haltigen so genannten dicken Bohnen (Saubohnen) berichtet. Bei 8 Patienten wurde in einer nicht kontrollierten Studie die Wirkung von dreimal 250 g gekochter Bohnen geprüft. Es wurde über eine Verlängerung der „on"-Zeiten berichtet. Diese Daten bedürfen aber einer Überprüfung in kontrollierten Studien.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Bohne nur L-Dopa beinhaltet, den notwendigen Zusatzstoff (Benserazid oder Carbidopa) nicht. Dementsprechend wird ein großer Teil in der Blutbahn verstoffwechselt, deutliche Nebenwirkungen seitens des Magen-Darm-Traktes und des Herzens verursachen. Man müsste außerdem viermal so viel L-Dopa aus der Bohne geben, wie in den heutigen L-Dopa+Decarboxylase-Hemmer-Präparaten.

Schon vor ca. 35 Jahren wurde die Behandlung mit reinem L-Dopa aufgrund der Nebenwirkungen zugunsten der heutigen Kombipräparate eingestellt.

Juckbohne (Mucuna pruriens)

Die ca. fünf Prozent L-Dopa-haltige Bohnensorte Mucuna ist in der indischen Medizin seit Jahrtausenden bekannt. Als pflanzliche Alternative wird sie in der Parkinson-Behandlung empfohlen. Die L-Dopa-Menge in den Bohnen ist wahrscheinlich zu niedrig.

Die Probleme sind identisch mit denen der Dopa-Bohne.

Weitere chemische Stoffe

Ecstasy

Aufgrund theoretischer Überlegungen und sensationeller Fernsehmeldungen wurde die therapeutische Rolle von Ecstasy diskutiert. Die therapeutische Wirkung ist sehr fraglich und die das Gehirn schädigende Wirkung verhindert überhaupt den therapeutischen Einsatz. Es ist in der Zwischenzeit bekannt, dass selbst geringe Dosen der Partydroge zu unheilbaren Hirnschädigungen führen können. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die Einnahme von Ecstasy oder anderen amphetaminähnlichen Drogen den körpereigenen Dopaminhaushalt reduziert. Eine erhebliche Verringerung des Dopaminhaushaltes im Gehirn gehört auch zu den typischen Merkmalen der Parkinson-Erkrankung, so dass Ecstasy bei Parkinson-Patienten kontraindiziert ist. Es wird auch diskutiert, inwieweit der Drogenkonsum von Ecstasy zur Entstehung der Parkinson-Krankheit von jungen Drogenabhängigen beiträgt.

Nikotin

Aufgrund von statistischen Erkenntnissen, wonach Nichtraucher häufiger an Parkinson erkranken, wurde auch die therapeutische Rolle von Nikotin in Erwägung gezogen. Die schädlichen Wirkungen machen aber eine dauerhafte Therapie mit Nikotin unmöglich. Eine kontrollierte Studie mit Nikotin-Hautpflastern erwies sich als wirkungslos.

Antioxidanzien mit neuroprotektiver Wirkung

Aufgrund der Theorie von oxidativem Stress in der Entstehung der Parkinson- Krankheit könnten Antioxidanzien neuroprotektiv wirken, das heißt das Absterben der Nigra-Zellen verlangsamen. Wir wissen, dass beim Auftreten der ersten Parkinson-Symptome ca. 50 Prozent der Nigra-Zellen nicht mehr funktionieren und dass das weitere Absterben dazu führt, dass im Endeffekt diese Nervenzellen fehlen. Die Antioxidanzien könnten also höchstens in der Anfangsphase der Krankheit durch Verlangsamung des Fortschreitens wirken und keine spektakuläre Besserung der Symptomatik herbeiführen, wie es in Fernsehmeldungen über die deutliche Besserung des verstorbenen Papstes, Johannes Paul II., durch Papaya-Extrakte der Fall gewesen sein sollte.

Vitamin E

Aus der Gruppe der Antioxidanzien (Radikalenfängern) wurde Vitamin E am häufigsten geprüft. In der gut kontrollierten DATATOP-Studie konnte auch bei hoher Dosierung (Dosen bis 2000 Einheiten/Tag) keine Wirkung auf die Symptome bzw. auf das Fortschreiten der Krankheit nachgewiesen werden. Höhere Dosen können erhebliche Nebenwirkungen verursachen (Hypervitaminose).

Vitamin C

Aufgrund theoretischer Überlegungen wurde die Einnahme von zwei bis drei Gramm/Tag empfohlen. Die Wirkung auf das Fortschreiten der Krankheit oder auf die Symptome ist nicht bewiesen.

Coenzym Q10

Dieses Nahrungsergänzungsmittel ist in präklinischen Tiermodellen der Parkinson-Krankheit durch seine Wirkung auf die Mitochondrienfunktion (Energiezentren der Nervenzellen) neuroprotektiv wirksam, was selbstverständlich noch nicht bedeutet, dass Q10 auch bei Menschen dieselbe Wirkung hat. Die bisherigen Daten in unkontrollierten Studien sind widersprüchlich, niedrige Dosen waren sicher unwirksam, höhere fraglich. Die unter Federführung der Uniklinik Dresden durchgeführte kontrollierte Studie der Deutschen Parkinson-Vereinigung konnte die Wirksamkeit auf die Symptome nicht nachweisen. In einer amerikanischen, nicht kontrollierten Studie, war die Wirkung auf das Fortschreiten der Krankheit nicht überzeugend.

Papaya-Extrakt

Der französische Virologe Montagnier (Entdecker des AIDS-Virus) empfahl, Parkinson-Patienten und so auch dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. Papaya-Extrakte als Antioxidanzien zu geben. Danach erfolgten zahlreiche Zeitungs- und Fernsehmeldungen, die die sichtbare Zustandsbesserung des Papstes auf die Papaya-Gabe zurückgeführt haben. Nach Mitteilung von Prof. Gianni Pezzoli auf den Internet-Seiten der italienischen Parkinson-Gesellschaft war die Besserung des Heiligen Vaters auf eine Levodopa-Gabe zurückzuführen.

Grüner Tee

Grüner Tee ist zurzeit als Radikalenfänger und dadurch Mittel gegen Alterung und Krebs im Blickfeld der Alternativmedizin. In Zellkulturen und bei Ratten konnte auch eine neuroprotektive Wirkung festgestellt werden, die wahrscheinlich auf die antioxidative Wirkung zurückzuführen ist. Größere Studien bei Menschen und bei Parkinson-Patienten sind noch nicht bekannt.

Apparative Therapieformen

Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)

Bei dieser in der Psychiatrie bei der Behandlung der Depression erfolgreich eingesetzten Methode werden mit einem Spezialgerät in einer Magnetspule wechselnde Magnetfelder erzeugt, die auf verschiedene Hirnregionen einwirken. Die Stärke des Magnetfeldes ist ausreichend, die Schädelknochen zu überwinden. Die Wirkung auf die Depression ist nachgewiesen. Die Methode wird bei Parkinson-Patienten mit Starthemmungen, Dystonien, Tremor und Rigor in einigen Zentren in Deutschland erprobt. Die Methode ist nicht schmerzhaft, kann aber bei Patienten die eine erhöhte Krampfbereitschaft oder Metallteile im Kopf haben, nicht angewendet werden. Eine vor Kurzem publizierte Analyse der bisherigen Erfahrungen konnte eine leichte Wirksamkeit bei der hochfrequenten Stimulation nachweisen.

Magnetpuls-Therapie

Bei dieser Therapieform werden schwache Magnetfelder erzeugt, die die Schädelknochen nicht durchdringen, infolgedessen ist die zentrale Wirksamkeit fraglich.

Magnetmatten, Magnetbänder, Magnetsohlen

Die Wirksamkeit dieser Angebote ist nicht bewiesen und theoretisch schwer vorstellbar.

Zeptor® – Stochastische Resonanz Therapie

Ein am Sportinstitut der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main entwickeltes Schwingungsgerät für die Verbesserung des Abfahrtsverhaltens von Hochleistungssportlern im alpinen Skibereich wird jetzt auch in der Parkinson-Therapie erprobt. Neben der Universität haben jetzt auch einige Regionalgruppen der deutschen Parkinson-Vereinigung die Möglichkeit, das Gerät zu testen. Der Patient stellt sich auf das Gerät, welches Schwingungen erzeugt. Rigor, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Gehfähigkeit sind aus Erfahrung nach der Behandlung besser. Die Besserung hält aber nicht lange an, so dass häufige Wiederholungen notwendig sind. Die Verwendung des Gerätes könnte in die Begleittherapie integriert werden.

Weitere Therapieangebote

Vitalpilze

Neuerdings werden Vitalpilz-Extrakte auch für die Therapie der Parkinson-Krankheit angeboten. Die theoretischen Grundlagen sind unklar. Eine direkte Wirkung auf die Symptome scheint nicht vorhanden zu sein. Es wird über die Besserung der Stimmung und des Allgemeinbefindens berichtet. Die Wirkung wird bei Parkinson auf die L-Tryptophan-Wirkung zurückgeführt. L-Tryptophan ist eine Vorstufe des Serotonins. L-Tryptophan wurde früher gegen Schlafstörungen und Halluzinationen bei der Parkinson-Krankheit – leider mit geringer Wirksamkeit – eingesetzt.

Homöopathia

Der Beweis einer objektiven Wirksamkeit der homöopathischen Behandlungs­methoden konnte bis heute nicht erbracht werden.

Intravenöse Stammzellentherapie

Das große öffentliche Interesse bezüglich der eventuellen zukünftigen Möglichkeiten der Stammzellentherapie bei der Parkinson-Krankheit ausnutzend, wird eine Art „Stammzellentherapie“ schon heute angeboten. Bis vor Kurzem nur in fernöstlichen Ländern, heute auch schon in Deutschland. Diese Therapie hat nichts Gemeinsames mit der wissenschaftlichen Stammzellenforschung, die vielversprechend, aber heute noch nicht möglich ist.

Begleittherapien

Feldenkrais-Training

Die Feldenkrais-Methode ist benannt nach ihrem Begründer, dem israelischen Physiker Moshe Feldenkrais. Sie ist ein spezielles Verfahren zur Gestaltung von Lernprozessen. Angestrebt wird, Menschen zu befähigen, über achtsam wahrgenommene Bewegungsabläufe ihr eigenes Lernen zu lenken. Die Methode schafft Lernbedingungen, in denen Menschen sich über die Sensomotorik darin schulen können, ihr Unterscheidungsvermögen auszubilden. Diese Fähigkeit trägt wesentlich dazu bei, dass die Person besser erkennt und versteht, wie sie sich selbst sieht und sich diesem Bild entsprechend im täglichen Leben organisiert. Denn solange sie nicht wahrnimmt, wie sie sich zum Beispiel beim Gehen organisiert, kann sie daran auch nichts verändern. In dem Bewusstsein über das eigene Tun entsteht neue Beweglichkeit (in körperlicher, geistiger und seelischer Hinsicht) wie von selbst. Es findet ein Abbau selbst auferlegter Grenzen statt. Neue Denk- und Handlungsalternativen eröffnen sich und geben Gelegenheit zu mehr Eigenständigkeit und Verantwortung. Die Methode wird als Begleittherapie auch bei bewegungsgestörten Patienten, also auch bei Parkinson-Patienten eingesetzt.

Konduktive Förderung nach Petö

Die Petö-Therapie wurde nach dem ungarischen Neurologen Dr. András Petö benannt. Konduktive (= zusammenführende) Förderung wird seit mehr als 40 Jahren erfolgreich praktiziert. Die Therapeuten werden Konduktoren genannt und haben ein vierjähriges Hochschulstudium an dem staatlichen Petö-Institut in Budapest absolviert. Die Konduktoren vereinen die Aufgaben des Physio- und Bewegungstherapeuten, sowie Logopäden, Motopäden, Sonderpädagogen, Erziehers, Pflegers und des Lehrers. Durch diese breit gefächerte Ausbildung können die Konduktoren die bewegungsgestörten Kinder und auch die Erwachsenen optimal fördern. In dem Budapester Petö-Institut werden seit ca. 15 Jahren auch Parkinson-Patienten erfolgreich mit dieser umfangreichen Begleittherapie behandelt. In Deutschland werden in erster Linie Kinder nach dieser Methode betreut.

Hora-Methode

Peter Hornung, medizinisch geprüfter Fitnesstrainer stellte für die Parkinson-Kranken ein individuelles Trainingsprogramm nach einer eigens von ihm entwickelten Methode zusammen. Er betreut etwa 50 Patienten in Baden-Württemberg. Eine Wissenschaftlerin der Universität Tübingen hat im vergangenen Jahr eine kleine Gruppe von Parkinson-Patienten vor und nach einer Trainingseinheit untersucht und konnte die Verbesserung der Beweglichkeit feststellen. Dementsprechend kann die Methode eine der erfolgreichen Begleittherapien der Parkinson-Krankheit werden.

Trampolin-Springen

Einige Therapeuten setzen als Parkinson-Begleittherapie das Trampolinspringen (rundes Minitrampolin) ein. Nach den Übungen wird über eine Besserung der Geh- und Bewegungsfähigkeit berichtet. Allerdings hält die Verbesserung meist nur wenige Stunden bis ein bis zwei Tage an.

Fernöstliche Methoden

Reiki

Reiki ist eine fernöstliche Heilmethode, bei der durch sanftes Auflegen der Hände Energie übertragen wird. Das japanische Wort "rei" bedeutet die universale Energie, "ki" die persönliche Lebensenergie. "Rei-ki" bezeichnet also das Zusammenfließen der universalen Energie mit der persönlichen Lebenskraft. Nach Aussage der Reiki-Therapeuten übertragen sie im Reiki nicht die eigene Lebensenergie auf den Behandelten, sondern Energie aus dem Universum. Damit jemand als Reiki-Therapeut arbeiten kann, muss er von Reiki-Meistern in die entsprechenden Grundlagen eingeweiht werden. In der vierstufigen Einweihung lernen die neuen Reiki-Therapeuten die zur Heilung notwendigen Symbole kennen. Gleichzeitig werden ihnen bei der Einweihung die sieben "Hauptchakren" geöffnet. Chakren sind der indischen Heilkunde entnommene Vorstellungen von Energiefeldern, die auf der Körpervorderseite zwischen Damm und Scheitel verteilt sind. Bei geöffneten Chakren sollen die universale Energie und die Lebensenergie frei fließen können. Die ursprünglichen Indikationen von Reiki sind chronische Schmerzen, Verdauungsbeschwerden, Muskelverspannungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Nervosität und Angstzustände. Neuerdings wird Reiki auch bei Parkinson-Patienten eingesetzt. Die Wirkung auf die Parkinson-Symptome ist nicht bewiesen.

Qigong

Gemeinsam ist allen Qigong-Richtungen, dass sie Atmung mit Körperhaltung und Bewusstsein verknüpfen. Diese Techniken können insbesondere bei der Körpererfahrung und der Entspannung helfen. Nach der Lehrmeinung hat derjenige, der Qigong täglich durchführt, eine gute Chance, gesund zu bleiben oder gesund zu werden. Bei regelmäßigem Üben wird der Übende auch eine Aufhellung der Stimmung bemerken und mehr Ruhe und Gelassenheit im Alltag gewinnen. Die Methode wird von einigen Parkinson-Patienten als Begleittherapie praktiziert. Eine Wirkung auf die spezifischen Symptome ist nicht bewiesen.

Tai Chi (Chuan)

Tai Chi verbindet auf harmonische Weise Körper, Geist und Seele. Es reguliert die Atmung, stärkt Herz, Kreislauf und Nervensystem und führt rasch zu einer heiteren, gelassenen Stimmung, mehr Wohlbefinden, Entspannung und Konzentration. Tai Chi ist ein Weg zu mehr Klarheit und Stille und ein Ausgleich zu Alltagsstress und Leistungsdruck. Die innere Lebenskraft wird entscheidend gestärkt, verfügbar gemacht und durch den gesamten Körper geleitet. Wie Qigong wird auch Tai Chi von einigen Parkinson-Patienten als Zusatztherapie verwendet, ohne exakt nachgewiesene Wirkung auf die Grundsymptome.

Akupunktur

Diese altchinesische Behandlungsmethode wird z.B. erfolgreich in der Schmerzbehandlung eingesetzt. Frühere Studien konnten keine Wirksamkeit auf die Parkinson-Symptome nachweisen. Gegen Schmerzen und Speichelfluss oder Schwitzen wird die Methode auch bei Parkinson-Patienten eingesetzt.

Ohr-Dauer-Akupunktur (Implantationsakupunktur)

In der Schweiz und in Deutschland wird bei einigen Patienten „die ewige Nadel" als Therapie verwendet. Diese nicht ganz billige Behandlung beruht auf der Ohrakupunktur aus dem alten China. Die nur knapp zwei Millimeter langen Akupunktur-Nadeln werden dauerhaft ins Ohr implantiert. Dort üben sie einen ständigen Reiz aus.

Die Theorie der Therapeuten bezüglich der Wirksamkeit bei Parkinson ist ziemlich unklar, die Methode ist nicht ganz ungefährlich, wie es durch die Notwendigkeit der späteren Nadelentfernung bei einigen Patienten bekannt wurde. Abgesehen von positiven Einzelmeldungen (Placebo-Effekt nicht ausgeschlossen!) gibt es bis heute keinen Beweis der Wirksamkeit. Die durch die Deutsche Parkinson-Vereinigung gesponserte Studie zur Überprüfung der Methode konnte keine objektive Wirkung nachweisen.

Diese Behandlung bedeutete eine ziemlich hohe finanzielle Belastung für die vielen enttäuschten Patienten, denen sogar die Heilung versprochen wurde. Dem Arzt, der diese Therapie im großen Stil ausübte, wurde laut Zeitungsmeldung in der Zwischenzeit die Approbation entzogen und er wurde aus der Gesellschaft der Ohrakupunkteure (Inauris) ausgeschlossen. Die Chefärzte der Parkinson-Kliniken, das Kompetenznetz Parkinson und die Deutsche Parkinson-Vereinigung warnten die Parkinson-Patienten vor dieser Art der Ohrakupunktur.

Handakupressur

Es konnte keine objektive Wirksamkeit bewiesen werden.

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen