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Stand Dezember 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Psychotherapie

Parkinsonpatient mit Psychotherapeutin

Die psychotherapeutischen Maßnahmen bilden neben der medikamentösen und den körperlichen Begleittherapien den dritten Grundpfeiler der Parkinson-Therapie. Die Behandlung wird im Allgemeinen aufgrund verhaltenstherapeutischer Ansätze durchgeführt.

Die Verhaltenstherapie will den Patienten die „Hilfe zur Selbsthilfe“ ermöglichen, ihm nach Aufklärung und Analyse seiner Probleme Lösungen an die Hand geben, mit denen er in der Zukunft besser zurechtkommt.

Das primäre Ziel der Psychotherapie bei der Parkinson-Krankheit ist, dass die krankheitsbedingten Einschränkungen die Lebensqualität und die soziale Integration der Patienten möglichst wenig beeinflussen. Bei unvermeidlichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität und der Integration kann die Psychotherapie durch Aufzeichnen von Alternativen die psychische Akzeptanz der Krankheit fördern und das vernünftige Zusammenleben mit der Krankheit ermöglichen. Sie kann auch der durch Scham, Angst, Depression verursachten Verstärkung der körperlichen Krankheitssymptome entgegenwirken.

Das Therapieziel ist also die Minimierung des durch die Krankheit verursachten Belastungserlebens bei dem Patienten selbst, bei den Angehörigen und auch bei den Betreuungspersonen.

Bei den Patienten geht es um den besseren Umgang mit den krankheitsbedingten, in erster Linie sozialen Belastungen des Alltags. Die verbesserte Alltagskompetenz kann die Stresssituationen des Tages, die auf die Krankheit und auf ihre soziale Folgeerscheinungen zurückzuführen sind, minimieren, was wiederum die symptomverschlechternde Wirkung dieser Stressoren herabsetzen kann.

Für die Angehörigen und Betreuer ist das Erlernen des richtigen Umgangs mit der Krankheit und mit dem Patienten wichtig. Sie müssen den Mittelweg zwischen notwendiger Hilfeleistung und Überversorgung (überprotektives Verhalten) finden. Auch der Rollenwechsel in der Familie infolge der Krankheit führt häufig zu Konfliktsituationen, die zu lösen sind. Eine psychische und körperliche Überforderung der Angehörigen ist ebenfalls frühzeitig zu erkennen und für sie Lösungsansätze zu erarbeiten.

Von grundsätzlicher Bedeutung ist die richtige Information, die Aufklärung des Patienten. Die Diagnose ist im Allgemeinen ein tiefer Einschnitt in das Leben, in die Lebensplanung des Betroffenen und auch der Angehörigen. Sie führt verständlicherweise zu schweren Zukunftsängsten, zu einer reaktiv-depressiven Phase, verursacht Schamgefühle und auch häufig Rückzugstendenzen.

In dieser Situation kann die stützende Psychotherapie dem Patienten mit der richtigen Aufklärung, mit der objektiven Analyse der Situation und mit dem Aufzeichnen der Möglichkeiten, nämlich, dass ein lebenswertes Zusammenleben mit der Krankheit möglich ist, den schweren Vorgang der Krankheitsakzeptanz und der Krankheitsbewältigung erleichtern.

Der Krankheitsbewältigung dienen weitere Ansätze der psychischen Begleitung. Die Förderung der krankheitsbezogenen Kommunikation, des emotionalen Ausdrucks, die Entwicklung von Problemlösungs- und Stressbewältigungsstrategien, die Lösung sexueller und familiärer Probleme, das Erlernen von Entspannungstechniken und das kognitive Training gehören zu diesen Ansätzen.

Entspannungsübungen

Die komplexe Begleittherapie der Parkinson-Krankheit beinhaltet auch die Verwendungen von Entspannungstechniken. Ziel dieser Techniken ist die Herbeiführung einer Entspannungsreaktion, die auf neuronaler Ebene die Aktivierung des parasympathischen und die Hemmung des sympathischen Nervensystems bedeutet. Im körperlichen Bereich wird der Muskeltonus herabgesetzt, die Reflextätigkeit vermindert, das Gefäßsystem erweitert, die Herzfrequenz verlangsamt, der Blutdruck gesenkt und der Sauerstoffverbrauch reduziert. Im psychischen Bereich wird Gelassenheit, Zufriedenheit und Wohlbefinden erlebt und die Konzentrationsfähigkeit und die Körperwahrnehmung verbessert.

Das autogene Training und die progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind die beiden klinisch am häufigsten verwendeten Entspannungstechniken. Beide sind relativ einfach und für Patienten ohne kognitive Beeinträchtigung unter fachlicher Anleitung leicht zu erlernen. Es sind auch entsprechende Bücher und Audio-CD-s zum Selbststudium erhältlich.

Autogenes Training

Das autogene Training wurde von Schultz entwickelt als autosuggestives Entspannungsverfahren. Der Übende konzentriert sich auf kurze vorgegebene Situationen, die eine Zeit lang langsam wiederholt werden, wie zum Beispiel „die Arme und Beine sind schwer“ oder „die Atmung geht ruhig und gleichmäßig.“

Progressive Muskelentspannung

Jacobson entwickelte mit ähnlichen Zielen die progressive Muskelentspannung (progressive Muskelrelaxation). Bei dieser Entspannungstechnik spannt der Übende einzelne Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Wesentlicher Bestandteil der Übung ist, dass der Übende auf die empfundenen Unterschiede zwischen Anspannung und Entspannung achtet.

Durch die gelernten Übungen, die dann von den Patienten immer wieder wiederholt werden, kann der krankheitsbedingte Stress reduziert werden und können Stress-Situationen wie z.B. die Off-Phasen besser bewältigt werden.

Eine Besonderheit der Entspannungstechniken bei der Parkinson-Krankheit ist, dass am Anfang der Ruhetremor verstärkt werden kann. Körperteile mit starkem Rigor sollten im Allgemeinen nicht in die Übungen einbezogen werden.

Für die Behandlung psychotischer oder schwer depressiver Patienten sind diese Verfahren nicht geeignet. Eine Demenz verhindert im Allgemeinen das Erlernen dieser Techniken. Zahlreiche andere Verfahren wie z.B. QiGong, Meditation, Yoga usw. beinhalten auch entspannungstechnische Elemente.

Kognitives Training

Parkinson-Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und Gedächtnisstörungen können von verschiedenen Trainingsprogrammen profitieren, obwohl die Wirksamkeit dieser Methoden bisher nicht eindeutig bewiesen werden konnte. Es existieren einige computergestützte Programme aber auch „Papier-Bleistift“-Übungen. Spielerische Übungen können auch hilfreich sein, des weiteren das Erlernen verschiedener Gedächtnisstrategien und das Kennenlernen geeigneter Hilfsmittel.

Wichtig ist auch die Heranführung der Patienten auf das Eigentraining, im Allgemeinen mit Hilfe der Angehörigen, die in die Therapie immer mit einbezogen werden sollten.

Geeignete Übungen sind für das Eigentraining z.B. das Reproduzieren des Tagesgeschehens, die Führung eines Gedächtniskalenders, das Erzählen der Inhalte eines Fernsehprogramms. Kartenspiele, Schach und andere Gesellschaftsspiele sind förderlich.

Die Überforderung der Patienten ist zu vermeiden, infolge dessen ist auch eine zeitliche Begrenzung der Übungen notwendig. Auch unrealistische Zielsetzungen würden den Patienten überfordern.

Stand Dezember 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen