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Die am häufigsten von Parkinson-Patienten gestellten Fragen

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Fragezeichen
 

1. Ist die Parkinson-Krankheit erblich?

Die meisten Parkinson-Erkrankungen sind nicht erblich. Einige seltene erbliche Formen sind bekannt, sie zeigen aber Besonderheiten und einen typischen Erbgang. Über dieses Thema können Sie ausführlich auf unseren Seiten unter Zur Frage der Erblichkeit des idiopathischen Parkinson-Syndroms (IPS) nachlesen.

2. Verursachen die Medikamente Spielsucht?

Leider können Parkinson-Medikamente, in erster Linie bestimmte Dopamin-Agonisten, wahrscheinlich bei entsprechender Veranlagung Spiel-, Kauf- oder Sexsucht auslösen oder verstärken. Die auftretenden Probleme können verheerend sein. Dabei ist unbedingt ärztliche Hilfe notwendig, im Allgemeinen in Form einer medikamentösen Umstellung. Lesen Sie mehr dazu unter Begleiterscheinungen (Impulskontrollstörungen).

3. Kann bei der Parkinson-Krankheit eine Hypersexualität auftreten?

Die häufigsten sexuellen Probleme bei der Parkinson-Krankheit sind die Erektionsstörungen und andere Störungen der Sexualfunktion, die teilweise krankheitsbedingt und teilweise Folge der Medikation sind. Über diese Probleme der Sexualität können Sie ausführlich nachlesen auf unseren Seiten unter Sexualität und Parkinson.

Die Antiparkinson-Mittel, insbesondere die Dopamin-Agonisten, können aber auch eine Libido-Steigerung mit entsprechender Hypersexualität verursachen. Die Libido-Steigerung bei evtl. gleichzeitig verminderter Potenz kann im psychischen Bereich für die Patienten aber auch in der Partnerschaft erhebliche Probleme verursachen. Diese Probleme sollten offen mit dem behandelnden Arzt diskutiert werden, der durch entsprechende Änderung der Medikation Hilfe leisten kann. Siehe auch unter Begleiterscheinungen (Impulskontrollstörungen).

4. Gibt es Besonderheiten bei einer Narkose bei der Parkinson-Krankheit?

Eine Vollnarkose ist für die Parkinson-Patienten auch bei der richtigen Narkoseführung und Betreuung vor und nach der Operation immer eine Belastung, die die Symptome mindestens vorübergehend verschlechtern kann. Auch die Möglichkeit eines sog. Durchgangssyndroms besteht. Über diese Probleme können Sie ausführlich nachlesen auf unseren Seiten unter Parkinson und Anästhesie.

5. Gibt es "geheilte" Parkinson-Patienten?

„Geheilte“ Parkinson-Patienten, bei denen die Diagnose als idiopathisches Parkinson-Syndrom gesichert wurde, sind in der Literatur nicht bekannt. Die so genannte medikamentöse Parkinson-Krankheit (Parkinsonoid) kann nach dem Absetzen des auslösenden Mittels (Neuroleptika, Durchblutungs-, Hypertonie- und Magenmittel usw.) verschwinden. Auch die sehr seltene „psychogene“ Parkinson-Krankheit kann nach Lösung der im Hintergrund stehenden Konfliktsituation „geheilt“ werden. Deswegen ist äußerste Vorsicht geboten, wenn heutzutage bei einem Therapieverfahren die Heilung versprochen wird.

6. Was ist der Unterschied zwischen Parkinson und MSA?

Die Parkinson-Krankheit ist eine Erkrankung zumindest eines wichtigen Systems im Gehirn und auch im Körper, des dopaminproduzierenden Systems, in erster Linie der Nervenzellen in der Schwarzen Substanz. Dadurch wird zu wenig Dopamin produziert. Das Dopamin wirkt an den so genannten Dopamin-Rezeptoren des Streifenkörpers im Gehirn.
Die Multisystematrophie (kurz: MSA) betrifft nicht nur die Dopamin-Produktion, sondern auch die genannten Dopamin-Rezeptoren des Streifenkörpers. Infolge dessen kann das vorhandene oder das therapeutisch zugefügte Dopamin nicht oder nicht ausreichend wirken. Hier sind mehrere Systeme (= multi) betroffen. Dementsprechend sind bei der MSA neben den parkinson-typischen Symptomen auch andere Symptome vorhanden. Folglich ist das Ansprechen auf die Antiparkinson-Mittel hier deutlich schlechter und der Verlauf ungünstiger als bei der „einfachen“ Parkinson-Krankheit.
Über dieses Thema können Sie ausführlich nachlesen auf unseren Seiten unter Differenzialdiagnose: Multisystematrophien.

7. Kann die Kernspintomographie die Diagnose Parkinson bestätigen?

Die Kernspintomographie kann andere Ursachen einer Parkinson-Symptomatik ausschließen, z.B. Gefäßveränderungen oder Tumore im Gehirn, Störungen der Zirkulation der Gehirnflüssigkeit. Sie kann auch Hinweise auf das Vorliegen einer Multisystematrophie (MSA) geben. Die Diagnose der Parkinson-Krankheit kann - wenn die klinische Symptomatik und das Ansprechen auf L-Dopa nicht eindeutig sind - durch eine Isotop-Untersuchung des Gehirns (DAT-Scan) bewiesen werden.

8. Gibt es eine Blutuntersuchung, die die Diagnose Parkinson beweisen kann?

Leider gibt es bis heute keine Blutuntersuchung, die die Diagnose Parkinson bestätigen könnte. In der Forschung gibt es aber vielversprechende Hinweise, dass in Kürze so ein Bluttest möglich sein wird. Neben der klinischen Symptomatik und dem Ansprechen auf die dopaminerge Medikation gibt es weitere Möglichkeiten, um die Diagnose zu untermauern. Ultraschalluntersuchungen des Gehirns, die Untersuchung des Riechvermögens können die Diagnose unterstützen und die DAT-Scan- oder die Fluoro-Dopa-PET-Untersuchungen das Vorliegen des Dopamin-Mangels bestätigen.

9. Wann ist ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll?

Diese Frage kann man nur im Zusammenhang mit dem aktuellen Krankheitszustand beantworten.
Am Anfang der Erkrankung, wenn die Symptome eindeutig sind und der Patient auf die Medikation gut reagiert, ist im Allgemeinen eine ambulante medikamentöse und physikalische Behandlung völlig ausreichend. In dieser Phase kommt eine stationäre Behandlung nur dann in Frage, wenn die Diagnose nicht eindeutig ist oder der Patient auf die Medikation nicht oder mit nicht beherrschbaren Nebenwirkungen reagiert.

In späteren Krankheitsstadien, insbesondere wenn Fluktuationen der Medikamentenwirkung oder Überschussbewegungen vorhanden sind, wird die ambulante Einstellung der Medikation immer schwieriger. Wenn die ambulanten Maßnahmen nicht mehr erfolgreich sind, kann nur eine stationäre Neueinstellung der Medikation helfen. Eine stationäre Behandlung kann auch zum Zwecke der Intensivierung der physikalischen und Begleittherapie notwendig werden. (Multimodale Komplex-Behandlung). Bei Auftreten von psychischen Komplikationen (Halluzinationen, Psychose) ist eine dringende stationäre Behandlung notwendig.

10. In welchem Alter kann Parkinson auftreten?

Nach der allgemeinen Meinung ist die Parkinson-Krankheit eine Alterserkrankung, obwohl der Anteil der Parkinson-Patienten, die die ersten Symptome vor dem Alter von 40 Jahren zeigen, bei ca. 8-10 % liegt. Die Spitze der Erkrankungskurve liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Enorm selten tritt die Krankheit im Kindesalter auf, unsere jüngste Patientin war bei dem Krankheitsbeginn erst 13 Jahre alt.

Die deutsche Parkinson-Vereinigung hat auch eine so genannte U40-Gruppe gegründet, bei den Mitgliedern dieser Untergruppe lag das Erkrankungsalter vor dem 40. Lebensjahr (Club U 40 (Junge Parkinson-Kranke)).

11. Was tun gegen Schlafstörungen?

Die Krankheitssymptome, die Medikation oder eine begleitende Erkrankung wie z.B. die Depression können für die nächtlichen Schlafstörungen verantwortlich sein. Über die möglichen Ursachen und über die Behandlungsmöglichkeiten können Sie ausführlich nachlesen auf unseren Seiten unter Schlafstörungen bei Morbus Parkinson.

12. Gibt es eine besondere Parkinson-Diät?

Obwohl in den USA Parkinson-Nahrung in Dosen angeboten wird, müssen wir vorausschicken, dass es eine so genannte Parkinson-Diät nicht gibt. Es ist auch nicht bewiesen, dass irgendeine Ernährungsgewohnheit das Risiko der Parkinson-Krankheit verringern könnte. Wichtig ist die ausgewogene, ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung und die Aufnahme von genügender Menge Flüssigkeit. Auch die Einhaltung ausreichender Abstände zwischen der Nahrungsaufnahme und der Einnahme von L-Dopa-haltigen Mitteln ist wichtig. Über dieses Thema können Sie auf unseren Seiten ausführlich nachlesen unter Ernährung bei der Parkinson-Krankheit.

13. Was ist der Unterschied zwischen L-Dopa und Dopamin-Agonisten

L-Dopa oder Levodopa ist die Vorstufe des Überträgerstoffes Dopamin, der bei der Parkinson-Krankheit in der Substantia nigra vermindert oder gar nicht mehr produziert wird. Seit mehr als 40 Jahren besteht die Möglichkeit, das fehlende Dopamin durch die Vorstufe des Dopamins zu ersetzen. (Dopamin kann nicht ins Gehirn eintreten), L-Dopa muss im Gehirn ins Dopamin umgebaut werden. Das so gewonnene Dopamin wirkt auf den Dopamin-Rezeptoren im Streifenkörper. Die Dopamin-Agonisten sind Medikamente, die direkt an den Rezeptoren dopamin-ähnlich wirken.

14. Warum werden die Anticholinergika heute selten verwendet?

Anticholinergika sind die ältesten Parkinson-Mittel. Bei der Parkinson-Krankheit besteht neben dem Dopamin-Mangel ein Überschuss an dem Überträgerstoff Acetylcholin. Anticholinergika wirken gegen diesen Überschuss. Die Wirkung dieser Medikamente ist in erster Linie gegen Rigor, Tremor, Speichelfluss und Schwitzen gerichtet, die Wirkung auf die Motorik ist gering. Wegen zahlreicher vegetativer Nebenwirkungen und aufgrund neuer Erkenntnisse, dass diese Medikamente die Demenz verstärken können, wird diese Medikation selten und bei älteren Patienten gar nicht mehr verwendet.

15. Was ist der Unterschied zwischen essenziellem Tremor und Parkinson?

Der essentielle Tremor ist im Allgemeinen eine erbliche Erkrankung. Die Symptomatik beschränkt sich auf das Zittern, motorische Symptome und Rigor wie bei der Parkinson-Krankheit treten nicht auf. Auch das Zittern ist unterschiedlich: bei der Parkinson-Krankheit dominiert das Ruhe-Zittern, bei dem essenziellen Tremor das Halte- und Aktionszittern (Tremor bei Bewegungen). Das Zittern bei dem essenziellen Tremor wird durch Alkoholgenuss typischerweise gedämpft. Bei dem essenziellen Tremor besteht kein Dopamin-Mangel, L-Dopa ist infolgedessen nicht wirksam. Das Zittern kann durch Betablocker und bestimmte Antiepileptika beeinflusst werden. In Zweifelsfällen können die beiden Krankheiten durch eine DAT-Scan Untersuchung differenziert werden.

16. Warum werden nicht alle Parkinson-Patienten sofort nach der Diagnosestellung operiert?

Die heutige Gehirnoperation, die Tiefe Hirnstimulation (THS) wird im Allgemeinen bei fortgeschrittenen Krankheitsbildern der Parkinson-Krankheit durchgeführt, die starke Fluktuationen der Medikamentenwirkung und nicht beherrschbare Überbewegungen zeigen. Eine weitere Indikation ist das medikamentös nicht beeinflussbare Zittern. Die Operation kann selbstverständlich auch unerwünschte Nebenwirkungen haben, selten sind auch Todesfälle vorgekommen. Auch fehlt noch ausreichend Erfahrung im Langzeitverlauf. Lesen Sie hier weiter zur Operation.

17. Was sind die DAT-Scan-, IBZM-SPECT- und MIBG-SPECT-Untersuchungen?

Diese Isotop-Untersuchungen werden in der Diagnostik und Differenzialdiagnostik der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Die DAT-Scan-Untersuchung stellt die sogenannten Dopamin-Transporter im Gehirn dar. Die Verringerung der Dopamin-Transporter-Darstellung weist auf den bestehenden Dopamin-Mangel hin. In Zweifelsfällen wird diese Untersuchung zur Bestätigung oder Ausschluss eines Parkinson-Syndroms eingesetzt. Die anderen beiden Untersuchungen dienen differenzialdiagnostischen Zwecken. Die IBZM-SPECT stellt die Dopamin-Rezeptoren im Streifenkörper dar, die mangelnde Rezeptorendichte spricht für atypische Parkinson-Syndrome, z.B. für eine Multisystematrophie (MSA). Die MIBG-Herzszintigraphie kann auch zwischen Parkinson und MSA unterscheiden, diese Untersuchung ist bei der Parkinson-Krankheit pathologisch.

18. Was ist ein L-Dopa-Spätsyndrom?

In den ersten 5-10 Jahren der L-Dopa-Therapie ist die Wirkung der Medikamente gleichmäßig, die Symptome sind zufriedenstellend unterdrückt. Nach dieser Zeit können infolge der fortschreitenden Erkrankung Wirkungsfluktuationen und unwillkürliche Überbewegungen (Dyskinesien) auftreten. Die Fluktuationen sind unterschiedlich, es sind z.B. die „end-of-dose“-Akinesien und die „on-off“-Symptomatik. In den Phasen der guten Wirkung („on“-Phase) ist der Patient fast symptomfrei, in der „off“-Phase zeigen sich ausgeprägte Symptome. Die gute Phase kann durch die genannten Überbewegungen gestört sein. Ursache dieser Erscheinungen sind die verlorengegangene Speicherung des Dopamins und die Veränderung der Dopamin-Rezeptoren. Nach der Erfahrung kann das Spätsyndrom um einige Jahre hinausgeschoben werden, wenn die Therapie am Anfang mit Dopamin-Agonisten durchgeführt und L-Dopa später hinzugegeben wird. Bei jüngeren Patienten wird dementsprechend empfohlen, die Therapie mit Dopamin-Agonisten einzuleiten.

19. Gibt es neue Medikamente gegen Parkinson?

Die Forschung neuer Medikamente gegen Parkinson läuft sehr intensiv. Allerdings dauert es ziemlich lange bis aus neuen Wirkstoffen brauchbare und sichere Medikamente werden. Lesen Sie hier ausführlich über den aktuellen Stand der Medikamentenforschung: Kongressbericht 7. Deutscher Parkinson-Kongress

20. Gibt es Medikamente, die den Verlauf der Krankheit stoppen oder verlangsamen können?

Leider ist es heute noch nicht möglich, den Zellschwund in der Schwarzen Substanz zu stoppen. Dies wird vielleicht in der Zukunft durch die Gentechnik möglich sein. Es gibt aber auch heute schon Medikamente, die den Verlauf mindestens leicht verlangsamen können. Studien sprechen dafür, dass dies bei den MAO-B-Hemmern und bei einigen Dopamin-Agonisten der Fall ist. Aufgrund dieser Studien wird empfohlen, die Medikation frühzeitig mit den genannten Mitteln einzuleiten. Lesen Sie hier ausführlich über diese so genannte Neuroprotektion.

21. Warum treten Halluzinationen bei der Parkinson-Krankheit auf?

Halluzinationen gehören nicht zu den üblichen Grundsymptomen der Parkinson-Krankheit, sie treten als Nebenwirkung der Parkinson-Medikation auf. Bestimmte Begleitkrankheiten wie Hirndurchblutungsstörungen oder Demenz begünstigen die Entstehung von Halluzinationen. Bei den verschiedenen Medikamentengruppen ist die Nebenwirkung Halluzination unterschiedlich stark. Beim Auftreten von Halluzinationen ist zu empfehlen, dringend fachärztliche Hilfe zu suchen. Lesen Sie hier ausführlich über dieses Thema.

22. Gehört die Demenz immer zur Parkinson-Krankheit?

Nein, ein großer Teil der Patienten bleibt von der Demenz verschont. Das Problem ist, dass bei der fast normalen Lebenserwartung der Parkinson-Patienten viele das Alter erreichen, wo das Auftreten einer Demenz immer häufiger wird. Eine besondere Form der Demenz beim Parkinson ist die Parkinson-Demenz. Lesen Sie hier ausführlich über dieses Thema.

23. Was sind „Pumpenbehandlungen“?

Für fortgeschrittene Krankheitsbilder, bei denen mit der oralen Medikation, also mit den Tabletten keine zufriedenstellende Einstellung mehr möglich ist, gibt es zwei Formen der Behandlung mit der Pumpe: die Apomorphin- und die Duodopa-Pumpe. Bei der Pumpenbehandlung mit dem Dopamin-Agonisten Apomorphin wird eine Dauerkanüle unter die Haut gesetzt und der Wirkstoff wird durch eine fein einstellbare Medikamentenpumpe (wie die Insulin-Pumpe) verabreicht. Bei der Duodopa-Pumpe wird durch die Bauchwand eine so genannte PEG-Sonde in den oberen Dünndarmbereich gesetzt und durch diese Sonde wird kontinuierlich flüssiges L-Dopa mit Hilfe der Medikamentenpumpe verabreicht. Beide Pumpen werden ständig getragen, sie ermöglichen eine gleichmäßigere und bessere Medikamentenwirkung. Lesen Sie ausführlich hier weiter.

24. Gehört Depression zu den Parkinson-Symptomen?

Bei vielen Patienten beginnt die Krankheit noch vor dem Auftreten der ersten körperlichen Symptome mit einer Depression, die auf die übliche Behandlung mit Antidepressiva nicht ausreichend reagiert. Diese Depression ist schon Zeichen des gestörten Gleichgewichts der Überträgerstoffe im Gehirn. Diese Art von Depression bessert sich im Allgemeinen nach Einführung der adäquaten Parkinson-Therapie. Eine andere Form der Depression kann als reaktive Depression auftreten, z.B. als Folge der Unsicherheit bis zur Diagnosestellung oder infolge der seelischen Belastung der Diagnose einer unheilbaren Krankheit.

25. Gibt es Alternativen zur medikamentösen Behandlung?

Nach den heutigen Erfahrungen gibt es keine Alternative zur medikamentösen oder in fortgeschrittenen Fällen zur neurochirurgischen Behandlung. Alternative Therapien können als Ergänzung dieser Therapien eingesetzt werden, unter Beachtung, dass die Wirksamkeit der meisten dieser Therapieformen wissenschaftlich nicht belegt werden konnte. Neben der medikamentösen Therapie ist die Rolle der sog. Begleittherapien (Krankengymnastik, Sprechtherapie, Ergotherapie) in der optimalen Parkinson-Behandlung nicht zu vernachlässigen. Einige alternative Möglichkeiten können im Rahmen dieser Komplexbehandlung eingesetzt werden. Lesen Sie hier ausführlich über die alternativen Therapiemöglichkeiten.

26. Was ist eine „Eiweiß-Akinese“?

L-Dopa ist eine Aminosäure. Beim Abbau von Eiweiß im Magen-Darm-Trakt entstehen Aminosäuren. Diese Aminosäuren verhindern die Aufnahme von L-Dopa aus dem Dünndarm und auch das Eindringen von L-Dopa ins Gehirn. Dadurch kann das L-Dopa bei gleichzeitiger Aufnahme von eiweißhaltiger Nahrung nicht wirken und es entsteht eine akinetische „off“-Phase. Bei der Medikation mit L-Dopa-haltigen Mitteln wird deshalb empfohlen, die Tablette mindestens eine halbe Stunde vor der Nahrungsaufnahme oder mindestens 1 Stunde nach Beendigung des Essens einzunehmen.

27. Was bedeutet „Parkinson-Plus“?

Nach der ursprünglichen Definition werden die Parkinson-Syndrome als Parkinson-Plus bezeichnet, bei denen atypische Zusatzsymptome und/oder Zusatzbefunde vorhanden sind. Die Bezeichnung wird heute auf die atypischen Parkinson-Syndrome (Multisystematrophie (MSA), Progressive Supranukleäre Lähmung (PSP), Corticobasale Degeneration (CBD), Lewy-Körperchen-Demenz) verwendet.

28. Kann eine Kopfverletzung Parkinson auslösen?

Schwere Kopfverletzungen mit Schädigung der Basalganglien können Parkinson-Symptome auslösen (posttraumatisches Parkinson-Syndrom). In diesen Fällen treten die Symptome sofort oder nach kurzer Zeit nach der Verletzung, in den meisten Fällen sofort nach dem Aufwachen aus dem Koma auf. Ständig wiederkehrende Kopfverletzungen bei den Boxern können ein Parkinson-ähnliches Krankheitsbild auslösen: die Boxer-Enzephalopathie. Wie die lateinische Bezeichnung der Krankheit (dementia pugilistica) zeigt, dominieren die Symptome der Demenz das Krankheitsbild.

29. Verursachen Parkinson-Medikamente eine Gewichtszunahme?

Bei der Behandlung mit einigen Dopamin-Agonisten berichten Patienten über eine ständige Zunahme des Körpergewichts. Diese Nebenwirkung wird auch objektiv beobachtet. Eine weitere Nebenwirkung dieser Agonisten kann ebenfalls eine Gewichtszunahme verursachen, nämlich die Wasserablagerung im Körper. Bei diesen Nebenwirkungen wird der Arzt den Agonisten wechseln.

30. Was ist eine akinetische Krise?

Wenn die Parkinson-Medikation plötzlich abgebrochen wird, kann eine so genannte akinetische Krise auftreten. Auch schwere akute Erkrankungen können zu einer solchen Krise führen. Der Zustand ist lebensbedrohlich, es besteht totale Unbeweglichkeit, der Patient kann nicht schlucken und sprechen, bekommt hohes Fieber. Wenn die Krise richtig erkannt wird, kann der Patient mit Amantadin-Infusionen gerettet werden. Wegen der Möglichkeit dieser Krise werden die Patienten immer darauf aufmerksam gemacht, die Medikation ohne ärztliche Kontrolle nicht abzusetzen. Auch bei einer Vollnarkose muss die Unterbrechung der Medikation auf das unbedingt notwendige Minimum beschränkt werden.

31. Verursacht Parkinson auch Schmerzen?

Viele Patienten werden wegen resistenter Rückenschmerzen lange Zeit orthopädisch behandelt, bis dann die Diagnose Parkinson gestellt wird. Der Schmerz kann also auch ein Frühsymptom der Krankheit sein. Diese Schmerzen reagieren auf die Parkinson-Medikation. In fortgeschrittenen Stadien können die Unbeweglichkeit und der Rigor starke Schmerzen verursachen. Auch Muskelkrämpfe insbesondere die so genannten Dystonien sind schmerzhaft. Es ist aber wichtig, dass andere Ursachen der Schmerzen ausgeschlossen werden, bevor man die Schmerzsymptomatik der Parkinson-Krankheit anlastet (Arthrose, Frakturen, Entzündungen, Tumor).

32. Wie wird Parkinson diagnostiziert?

Zunächst wird eine ausführliche Anamnese aufgenommen und der Patient neurologisch untersucht. Wenn von den Grundsymptomen (Tremor, Rigor, Akinese und Störungen des Gleichgewichtes) die Akinese und noch ein Grundsymptom vorhanden sind und der Patient auf L-Dopa reagiert, wird die Diagnose aufgrund dieser Daten klinisch gestellt. In typischen Fällen wird noch eine Computertomographie gemacht, um andere Krankheiten, die Parkinson-Symptome verursachen können, auszuschließen. Bei jungen Patienten wird durch eine Blutuntersuchung die Wilson-Krankheit ausgeschlossen. Weitere Untersuchungen sind im Allgemeinen nicht notwendig. Für die Diagnostik von atypischen Fällen oder wenn der Patient auf L-Dopa nicht reagiert, gibt es weiterführende Untersuchungen.

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen