zur Startseite

Neufassung der von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) herausgegebenen „Leitlinien: Parkinson-Syndrom – Diagnostik und Therapie“

Stand Oktober 2013 | Für Sie gelesen: Dr. Ferenc Fornadi – Gertrudis-Klinik Biskirchen

Verkehrsschild 'Diagnose

Die von Experten der deutschen und österreichischen Parkinson-Fachgesellschaften zusammengestellten Leitlinien, die seit Anfang des Jahres 2013 im Internet unter www.awmf.org (PDF) zu lesen sind, spiegeln den Stand vom September 2012 wider. Sie behalten ihre Gültigkeit für die nächsten 2 Jahre. Die Leitlinien wurden in erster Linie für Ärzte geschrieben, die sich mit der Diagnose und Therapie von Parkinson-Patienten beschäftigen, diese Zusammenstellung kann aber auch für interessierte Patienten und Angehörige von Bedeutung sein.

Das PDF-Dokument beschäftigt sich mit den verschiedenen Formen des Parkinson-Syndroms, also mit der idiopathischen Parkinson-Krankheit (IPS), mit den erblichen Formen, mit den medikamentösen, toxischen, tumorbedingten, posttraumatischen, entzündlichen und metabolischen Parkinson-Syndromen. Die Leitlinien beinhalten auch die ausführliche Beschreibung der atypischen Formen: wie die Multisystematrophie (MSA), die progressive supranukleäre Blickparese (PSP), die kortikobasale Degeneration (CBG) und die Demenz vom Lewy-Körper-Typ (DLK).

Im Rahmen der weiteren Differenzialdiagnostik werden die gefäßbedingte subcorticale vaskuläre Enzephalopathie, der Normaldruckhydrozephalus und die Depression diskutiert. Besondere Bedeutung hat in der Differenzierung der Tremorformen die Unterscheidung des familiären essenziellen Tremors.

Ausführliche Beschreibung finden wir bezüglich der Therapie des IPS in allen Krankheitsphasen und auch im Bezug auf die Behandlung der Therapiekomplikationen. Auch die Therapie der atypischen Syndrome wird ausführlich dargestellt.

Die wichtigsten Empfehlungen sind:

  • Die medikamentöse Therapie sollte sofort nach der Diagnosestellung erfolgen. Die frühzeitige Therapie scheint den Verlauf günstig zu beeinflussen. Es gibt auch keine nachgewiesenen Daten, die dafür sprechen, dass der spätere Beginn der Medikation die Therapiekomplikationen hinauszögern könnte.
  • Die Therapieeinleitung von älteren Patienten (>70 J) sollte mit einer L-Dopa Monotherapie erfolgen. Diese Patientengruppe entwickelt seltener motorische Komplikationen und reagiert auf Dopamin-Agonisten – insbesondere bei Multimorbidität – mit starken Nebenwirkungen.
  • Die Therapie von jüngeren Patienten (<70 J) ohne Komorbidität sollte mit einem Non-Ergot-Dopamin-Agonisten eingeleitet werden. Bei diesen Patienten ist die Gefahr der Entwicklung von Überbewegungen (Dyskinesien) größer. Der Therapiebeginn mit Dopamin-Agonisten scheint das Auftreten von Dyskinesien hinauszuzögern. Bei nicht ausreichender Wirkung oder Unverträglichkeit sollte mit L-Dopa kombiniert werden. Die Dopamin-Agonisten können, insbesondere bei höherer Dosierung, Impulskontrollstörungen, Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf als Nebenwirkung verursachen, worüber die Patienten aufgeklärt werden müssen.
  • Es besteht keine Indikation, bei der Ersteinstellung oder bei stabiler L-Dopa-Wirkung ohne motorische Fluktuation das L-Dopa mit einem COMT-Hemmer zu kombinieren.
  • Patienten mit medikamentös nicht mehr beherrschbaren motorischen Fluktuationen und Dyskinesien erleben von der Tiefen Hirnstimulation eine signifikante Besserung der Mobilität und der Lebensqualität.

Was ist neu in den aktuellen Richtlinien?

  • Die Behandlung des idiopathischen Parkinson-Syndroms ist eine effektive, aber nur symptomatische Behandlung. Eine Heilung ist noch nicht möglich. Auch fehlen Medikamente, die nachgewiesener Weise den Verlauf nachhaltig günstig beeinflussen können. Obwohl einige Studien für die den Verlauf modifizierende Wirkung von Rasagilin sprechen könnten, fehlt der endgültige Beweis der klinischen Bedeutung.
  • Die Initialtherapie mit einem Non-Ergot-Dopamin-Agonisten gegenüber einer L-Dopa-Monotherapie führte in Studien zu seltenem Auftreten von Dyskinesien zumindest im Laufe von 3-5 Jahren. Eine verminderte Intensität der Dyskinesien bei einer Initialbehandlung mit Dopamin-Agonisten und späterer Kombination mit L-Dopa konnte nicht nachgewiesen werden. Neuere Langzeituntersuchungen sprechen dafür, dass der Vorteil einer Initialtherapie mit Dopamin-Agonisten bezüglich der Dyskinesien im späteren Verlauf mindestens teilweise verloren geht. Die symptomatische Wirkung von L-Dopa ist stärker und seine nicht-motorischen Nebenwirkungen sind geringer.
  • Die Tiefe Hirnstimulation ist bewährtes Instrument für die Therapie des fortgeschrittenen Parkinson-Syndroms mit L-Dopa-responsiven motorischen Fluktuationen und Dyskinesien geworden. Langzeitstudien beweisen, dass die Stimulierung des sog. Nucleus subthalamicus in der Therapie von medikamentös schwer einstellbaren fluktuierenden IPS-Patienten der medikamentösen Therapie überlegen ist. Erste 8-Jahresstudien sprechen für die Nachhaltigkeit dieser Therapie. Für den Einsatz in frühen oder mittleren Stadien der Krankheit fehlen noch auswertbare Daten.
  • Das LSVT-BIG-Training zeigte in einer 16-wöchigen Studie eine signifikante Verbesserung der motorischen UPDRS-Skala gegenüber Nordic walking oder den nichtkontrollierten häuslichen Übungen.

Stand Oktober 2013 | Für Sie gelesen: Dr. Ferenc Fornadi – Gertrudis-Klinik Biskirchen