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Medikamentöse Therapie der Parkinson-Krankheit

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Einleitung

Medikamentenbox

Die Therapie der Parkinson-Krankheit ruht im Allgemeinen auf vier tragenden Säulen. Die erste und grundlegende Säule ist die medikamentöse Kombinationstherapie der Krankheit. Der zweite, nicht weniger wichtige Stützpfeiler ist die Begleittherapie, das heißt die gezielte Krankengymnastik, Sprachtherapie, Ergotherapie und ähnliche ergänzende Maßnahmen. Die psychische Begleitung, die Hilfe bei der Krankheitsbewältigung und eine eventuell notwendig werdende Psychotherapie bilden die dritte Säule. Ergänzt werden im optimalen Fall diese therapeutischen Bemühungen durch den vierten Pfeiler: die Familien- und Angehörigentherapie.

Für fortgeschrittene Fälle, in denen mit medikamentösen Maßnahmen keine zufriedenstellende Besserung zu erreichen ist, steht heutzutage die neurochirurgische Behandlung mit der Tiefenhirnstimulation (THS) zur Verfügung.

Diese Maßnahmen haben die Lebensqualität der Patienten in den letzten 40 Jahren grundlegend verbessert und die Lebenserwartung weitgehend normalisiert.

Leider kann die heutige Behandlung das Fortschreiten der Krankheit noch nicht verlangsamen oder sogar stoppen, obwohl einige Untersuchungen auf die neuroprotektive Wirkung einzelner Wirkstoffe (Dopamin-Agonisten, MAO-B-Hemmer, Amantadin) hinweisen. Die neuroprotektiven und neurorestaurativen Behandlungsmethoden (z.B. die Zelltransplantation) und die Einbeziehung der Gentechnik sind heute noch wichtige Aufgaben der Forschung und somit Zukunftsmusik.

Historischer Überblick – L-Dopa-Therapie

Obwohl die Parkinson-Krankheit, bzw. eine Erkrankung mit Zittern und Bewegungsstörungen schon in der Antike bekannt war, wurde die erste medikamentöse Behandlung, die bis Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts die einzige Therapiemöglichkeit blieb, Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris eingeführt. In der Klinik des berühmten Professor Charcot wurde Parkinson-Patienten ein Beruhigungsmittel, ein Belladonna-Präparat, verabreicht. Die Vorstellung, dass die Parkinson-Krankheit eine „nervöse“ Erkrankung ist, war falsch, die Wahl des Medikaments aber – wie es sich später herausstellte – gar nicht so verkehrt. Der Belladonna-Wirkstoff Atropin ist ein Gegenspieler des Acetylcholin. Wie wir wissen, ist dieser Überträgerstoff bei der Parkinson-Krankheit im Gehirn in Übermaß vorhanden.

100 Jahre später wurden dann weitere Gegenspieler des Acetylcholin, die so genannten Anticholinergika, synthetisch hergestellt und in der Behandlung eingesetzt. Diese Medikamente konnten aber das quälendste Symptom der Erkrankung, die Einschränkung der Beweglichkeit, die Akinese, leider nicht beeinflussen. 1960 erkannte man dann, dass die Symptome der Parkinson-Krankheit eine Folge des Absterbens Dopamin produzierender Zellen und damit ein Dopamin-Mangel im Gehirn ist. Nachdem der Dopamin-Mangel als Ursache der Störungen einmal ausgemacht war, schien es plausibel, dem Körper das fehlende Dopamin von außen zuzuführen.

Die ersten Behandlungsversuche mit Dopamin haben aber keine Wirkung gezeigt, weil Dopamin die so genannte „Blut-Hirn-Schranke“ nicht passieren und so nicht ins Gehirn eindringen kann. 1961 wurde dann zum ersten Mal Levo-Dopa oder kurz L-Dopa zur Behandlung eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe von Dopamin. L-Dopa ist in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und kann so ins Gehirn eindringen. Dort wird sie zum eigentlich wirksamen Dopamin umgewandelt.

Zunächst wurde L-Dopa als Spritze verabreicht, 1969 gab es dann die ersten Tabletten mit L-Dopa. Seitdem wurde die L-Dopa-Therapie ständig verfeinert. Ihre anfänglichen Nebenwirkungen, die auf die vorzeitige Umwandlung ins Dopamin noch in der Blutbahn zurückzuführen sind, konnten durch die Gabe von zusätzlichen Wirkstoffen weitgehend beseitigt werden.

L-Dopa zeigte von Anfang an eine hervorragende therapeutische Wirkung. Doch schon bald lernte man auch die Schattenseiten dieser hochwirksamen Behandlung kennen: das so genannte L-Dopa-Spätsyndrom oder mit anderem Namen das L-Dopa-Langzeitsyndrom.

L-Dopa-Spätsyndrom

Als vor 40 Jahren die L-Dopa-Therapie der Parkinson-Krankheit allgemein eingeführt wurde, dachten die damals tätigen Ärzte und so auch der Verfasser dieser Zeilen, dass nach der wundersamen Besserung der Symptome die Krankheit besiegt würde. Man zog Vergleiche mit der Insulin-Behandlung der Zuckerkrankheit, auch in diesem Falle wird ein fehlender körpereigener Stoff von außen zugeführt, ersetzt, mit anderen Worten substituiert. Nach einigen Jahren dieser leider überzogenen Hoffnung traten aber Probleme in der Langzeitbehandlung auf: die Schwankungen der Wirkung (motorische Fluktuationen) und die unwillkürlichen Überbewegungen (Dyskinesien).

Die gute symptomatische Wirkung der L-Dopa-Substitution, aber auch die Entstehung dieser die Langzeittherapie erschwerenden „Nebenwirkungen“, die besser als Spätkomplikationen bezeichnet werden sollten, können wir in einem fesselnden Film („Zeit des Erwachens“ mit Robert de Niro) nachvollziehen.

Die ersten 3-7 Jahre der L-Dopa-Substitution verlaufen im Allgemeinen sehr positiv. In dieser ersten „kompensierten“ Krankheitsphase, die auch als „Honeymoon-Periode“ (honeymoon = Flitterwochen) genannt wird, werden die Symptome weitgehend unterdrückt.

Leider kann aber auch die moderne Kombinationstherapie der Parkinson-Krankheit das Fortschreiten der Degeneration (Absterben) der Dopamin-Zellen in der Schwarzen Substanz nicht aufhalten. Wir wissen inzwischen, dass beim Auftreten der ersten körperlichen Symptome schon ca. die Hälfte dieser Zellen nicht mehr funktioniert.

Bei weiterem Zellschwund in der Schwarzen Substanz erreichen viele Patienten nach einem sehr individuellen Zeitraum die so genannte „dekompensierte“ Krankheitsphase, wo die genannten Spätkomplikationen auftreten. Ursache dieser Komplikationen ist nach aller Wahrscheinlichkeit die fehlende Dopamin-Speicherung der Nervenzellen der Schwarzen Substanz. Die Dopamin-Pro­duk­tion aus L-Dopa kann auch in anderen Zellen (sog. Stützzellen) weiterlaufen, diese können aber das Dopamin nicht speichern.

Unter normalen Umständen wird das Dopamin in den Zellen der Schwarzen Substanz produziert, in den Speicherbläschen dieser Zellen gespeichert, bei Bedarf freigesetzt und wieder aufgenommen. Die Schwarze Substanz hat also eine ausgleichende, sog. Pufferfunktion. Beim Ausfall dieser Funktion ist die Wirkung von L-Dopa seiner Halbwertzeit entsprechend sehr kurz. Nach dem Abklingen der Wirkung (ca. 2 Stunden) entstehen Wirkungslücken (vorhersehbare „end of dose“-Erscheinungen, „wearing-off“).

In der weiteren Folge, vielleicht als Reaktion auf die nicht gleichmäßige, schwankende Stimulierung durch Dopamin, verändern sich auch die Dopamin-Rezeptoren im Streifenkörper (die Dopamin-Aufnehmer). Einerseits reagieren sie auch auf die unbedingt notwendige Dopamin-Menge mit Überreaktion (unwillkürliche Bewegungen), andererseits können sie unerwartet für kurze Zeit die Empfindlichkeit gegenüber Dopamin verlieren (nicht vorhersehbare Fluktuationen: „random-off“).

Diese geschilderten Komplikationen sind genau genommen also keine Nebenwirkungen der L-Dopa-Therapie, sondern Folgeerscheinungen der fortschreitenden Krankheit. In wissenschaftlichen Kreisen wurde aber lebhaft diskutiert, ob eine langfristige L-Dopa-Behandlung den Untergang der Dopamin-Zellen begünstigt und dadurch das Fortschreiten der Erkrankung beschleunigt. Obwohl dafür bis heute kein Beweis erbracht wurde, hat diese Diskussion leider auch zur Verunsicherung einiger Parkinson-Patienten geführt. Diese lehnen dann auch die mit der Zeit unbedingt notwendig gewordene L-Dopa-Behandlung aus Furcht vor dem ungünstigeren Verlauf ab und verschenken dadurch Lebensqualität und eventuell auch Lebenserwartung (L-Dopa-Phobie).

Die Befunde, die eventuell für eine Toxizität von L-Dopa sprechen könnten, wurden bisher nur in Zellkulturen bei extrem hoher Dosierung erhoben. Die klinischen Untersuchungen mit üblichen Dosierungen sprechen eher gegen die Toxizität. In Rattengehirnen konnten sogar schützende (neuroprotektive) Effekte von L-Dopa beobachtet werden.

Andererseits wurde in Langzeitstudien beobachtet, dass biologisch jüngere Patienten unter L-Dopa früher als die Älteren motorische Spätkomplikationen entwickeln können. Die Hinauszögerung der L-Dopa-Therapie um einige Jahre unter gleichzeitiger Dopamin-Agonisten-Behandlung kann in dieser Altersgruppe zu einem späteren Auftreten von Dyskinesien führen. Wenn wir auch die in DATSCAN-SPECT- und Fluorodopa-PET-Untersuchungen nachgewiesenen (leider nur geringfügigen) neuroprotektiven Wirkungen von Dopamin-Agonisten berücksichtigen, ist die aktuelle Empfehlung, bei biologisch jüngeren Patienten (unter 65-70 Jahre) die L-Dopa-Gabe mindestens um einige Jahre hinauszuzögern, gut nachvollziehbar.

Diese Empfehlung ist auch Teil unserer aktuellen Behandlungsstrategie: Therapie heute – für die Zukunft. Diese Strategie beinhaltet auch die maßgeschneiderte, individuelle Behandlung der Patienten, die rechtzeitige, individuelle Anfangstherapie, die Vermeidung der Überdosierung und die Verwendung der zur Verfügung stehenden neuroprotektiven Möglichkeiten (Dopamin-Agonisten, MAO-B-Hemmer). Wichtigstes Ziel dieser Strategie ist die möglichst lange Hinauszögerung, im günstigsten Falle die Vorbeugung der Spätkomplikationen der Therapie (Prophylaxe).

Die Forschung arbeitet inzwischen intensiv an Möglichkeiten der Verlangsamung der Krankheitsprogredienz (neuroprotektive Ansätze) und an der Wiederherstellung neuronaler Strukturen (neurorestaurative Therapien),

Die L-Dopa-Langzeitkomplikationen können wir wie folgt einordnen:

Motorische Spätkomplikationen

Wirkungsfluktuationen
Vorhersehbare Fluktuation (einzeldosisabhängig)

  • End-of-dose-Akinese (wearing-off)
  • Frühmorgendliche Akinese
  • Nachmittagsakinese
  • Nächtliche Akinese
  • Eiweiß-Akinese

Unvorhersehbare Fluktuation (einnahmeunabhängig)

  • On-off, Random-off
  • Yoyo-ing
  • Freezing (Starthemmung)

Hyperkinesen, (Dyskinesien)
Peak-dose-Dyskinesie
Biphasische Dyskinesie
Plateau-Dyskinesie

Dystonien
Peak-dose-Dystonie
Off-Dystonie

Nichtmotorische Spätkomplikationen

Halluzinationen
Verwirrtheit
Psychose

Die einzeldosisabhängigen Fluktuationen sind mit der eingeschränkten Speicherung des Dopamins gut zu erklären, die Beeinflussung ist einfacher. Die einnahmeunabhängigen „on-off“-Perioden sind schwer zu behandeln und sind völlig unvorhersehbar, so dass die Lebensqualität der Patienten in hohem Maße leidet. Die Patienten erleben Phasen der guten Beweglichkeit und ganz plötzlich eine hochgradige Akinese (wie an- und ausgeschaltet, englisch: on-off). Besonders schwierig werden die Fluktuationen, wenn der Patient in der „guten“ Phase durch unwillkürliche Überbewegungen gequält wird. In dieser Phase ist der Dopamin-Spiegel hoch (peak-dose-Hyperkinesen), es ist aber auch möglich, dass die Patienten auch bei der Anflutung mit Dopamin und beim abfallenden Dopamin-Spiegel Überbewegungen bekommen (biphasische Dyskinesien). Die ständig vorhandenen Dyskinesien werden als Plateau-Dyskinesien bezeichnet. Die Dystonien (schmerzhafte Verkrampfungen) sind hochgradig beeinträchtigend, können bei hohem Dopamin-Spiegel, aber auch in der „off“-Phase auftreten.

Parkinson-Patienten mit frühem Krankheitsbeginn zeigen besonders schnell schwere Fluktuationen und Hyperkinesen. Eine anfangs zu hochdosierte L-Dopa-Monotherapie scheint das Auftreten der Fluktuationen und Dyskinesien zu begünstigen.

In dieser oben beschriebenen Krankheitsphase wird die medikamentöse Behandlung zunehmend schwieriger und komplizierter, so dass stationäre Neueinstellungen der Medikation im Krankenhaus immer häufiger notwendig werden. Wir sprechen hier von „der Einengung des therapeutischen Fensters“, das heißt, dass der Abstand zwischen der notwendigen Dosis und der Dosis, die Überbewegungen oder andere Komplikationen auslöst, immer kleiner wird und letztlich verschwindet. Für die Patienten aber, bei denen die orale Medikation (oral = mit Tabletten) nicht mehr ausreichende Erfolge mit sich bringt, stehen mit der Apomorphin- oder der duodenalen L-Dopa-Pumpe und schließlich mit der Tiefenhirnstimulation noch Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Therapeutische Strategie

Die verfeinerte therapeutische Strategie der Parkinson-Krankheit besteht aus den folgenden Elementen:

Therapie heute – für die Zukunft
Zufriedenstellende Linderung der Symptome, lange Wirksamkeit und Verträglichkeit, Schutz der Zellen vor dem Absterben

Individuelle Frühtherapie
Berücksichtigung von Alter, Symptomen, Verträglichkeit, Beruf, Situation, Lebensplanung und Wünsche des Patienten bei der Auswahl der zu Beginn eingesetzten Medikamente

Kombinationstherapie
Kombinationstherapien mit L-Dopa sollten zumindest bei jüngeren Patienten so lange wie möglich vermieden werden, da nach neueren Erkenntnissen ab der Hinzunahme von L-Dopa die Gefahr von Dyskinesien deutlich ansteigt. In späteren Stadien der Erkrankung sind Kombinationstherapien dagegen kaum zu vermeiden.

Auskömmliche Minimaldosis
Vermeidung zu hoher Dosierung der Medikamente, „so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“

Physiologische Stimulierung der Rezeptoren
L-Dopa-Medikament mit langsamer Wirkstofffreisetzung (Retard-Präparat), langwirksame und Retard-Dopamin-Agonisten, Aufteilung der Dosis in mehrere Einzeldosen (Dosisfraktionierung)

Stufenweises Steigern der Dosis bzw. langsames Absetzen der Präparate: bessere Verträglichkeit

Dosiskontrolle
Zeitweises Kontrollieren der Dosis zur Vermeidung von Überdosierung (Versuch der Dosisreduktion, „Zurücktitrieren“)

Therapiebeginn

Nachdem die Diagnose gestellt wurde, sind stets zwei Fragen zu klären:

  1. Wann fangen wir an?
  2. Wie fangen wir an?

Diese beiden Fragen sind vor allem unter dem Gesichtspunkt der Langzeitverträglichkeit und Langzeitwirksamkeit von Bedeutung.

Früher war die Meinung, dass eine medikamentöse Therapie erst bei deutlicher Beeinträchtigung eingeführt werden sollte. Die Erkenntnisse der bildgebenden Studien mit verschiedenen Dopamin-Agonisten, die eine neuroprotektive Wirkung (Schutz der Dopamin-Zellen) nahe legen, führten zu der allgemeinen Empfehlung: diese Medikamente oder andere Präparate mit vermutetem neuroprotektivem Effekt schon bei der Diagnosestellung einzusetzen.

Ebenso wichtig wie das „Wann“ am Anfang einer Therapie ist auch das „Wie“.

Aufgrund der bereits erwähnten Komplikationen einer Langzeittherapie mit L-Dopa lohnt es sich zumindest für jüngere Patienten, zu Beginn der Parkinson-Therapie zunächst nach Alternativen für L-Dopa zu suchen.

Bei diesen Entscheidungen spielt das Alter des Patienten eine wichtige Rolle. Es müssen aber auch andere Gesichtspunkte wie das Beschwerdebild, die Verträglichkeit, der Beruf, die Situation, die Lebensplanung und die Meinung des Patienten bei der Auswahl der Anfangstherapie berücksichtigt werden.
Wie schon erwähnt, spielt bei diesen Entscheidungen das Alter des Patienten eine wichtige Rolle. Es müssen aber auch andere Gesichtspunkte wie das Beschwerdebild, die Verträglichkeit, der Beruf, die Situation, die Lebensplanung und die Meinung des Patienten bei der Auswahl der Anfangstherapie berücksichtigt werden.

Kombinationstherapie / Parkinson-Medikamente

Bei der so genannten Kombinationstherapie ergänzen und verstärken sich die eingesetzten Medikamente in ihrer Wirkung. Dadurch kann die Dosierung der einzelnen Wirkstoffgruppen niedriger gehalten werden, der Behandlungseffekt wird gleichzeitig gesteigert.

Besondere Symptome wie z.B. Ruhezittern, „Einfrieren“ der Bewegung, Wirkungsschwankungen und Überbewegungen wird man durch eine Erweiterung der Kombinationsbehandlung um weitere Medikamente behandeln.

Parkinson-Medikamente

  • L-Dopa + DCI (Decarboxylase-Inhibitoren)
  • Dopamin-Agonisten
  • MAO-B-Hemmer (Monoaminooxidase-B-Hemmer)
  • COMT-Hemmer (Catechol-O-Methyl-Transferase-Hemmer)
  • Glutamat-Antagonisten
  • Anticholinergika

Liste der Parkinsonmedikamente:

Eine aktuelle Liste aller Parkinson-Medikamente finden Sie auf den Seiten des Fördervereins Parkinson e.V. im Parkinson-Zentrum Leun-Biskirchen unter
www.parkinson-foerderverein.de/service.htm

und auf den Seiten der Deutschen Parkinson Vereinigung
www.parkinson-vereinigung.de/?pg=medikamente

Therapieleitlinien:

www.dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/LL2008/ll08kap_009.pdf

Bitte besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welches Medikament für Sie geeignet ist!

L-Dopa + Decarboxylasehemmer

Wirkprinzip: L-Dopa wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt, sodass der Dopamin-Mangel ausgeglichen wird. (Substitutionstherapie) Die zusätzlich verabreichten Decarboxylasehemmer verhindern, dass L-Dopa schon außerhalb des Gehirns in Dopamin umgewandelt wird. Dadurch ist nur etwa 20 % der reinen L-Dopa-Dosis notwendig, und es werden Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden und Herzrhythmusstörungen vermieden.

Effekte: Die Behandlung mit L-Dopa gilt trotz des breiten Angebots an unterschiedlichsten Parkinson-Medikamenten, was die Wirksamkeit betrifft, als „Goldstandard“. L-Dopa kann rasch eindosiert werden und ist bis heute das wirksamste Mittel gegen alle Symptome der Parkinson-Krankheit.

Die Behandlung mit L-Dopa führt besonders bei jüngeren Patienten zum frühzeitigen Auftreten von Überbewegungen, sodass die Anwendung in dieser Altersgruppe (unter 70 Jahren biologisches Alter) möglichst lange hinausgezögert werden sollte.

In Fachkreisen wurde darüber häufig diskutiert, ob die Behandlung mit L-Dopa möglicherweise schädigende Wirkung auf die noch vorhandenen Zellen der Schwarzen Substanz hat. Dafür gibt es jedoch bis heute keinen Beweis.

Die L-Dopa Therapie konnte im Laufe der letzten Jahrzehnte durch die zusätzliche Gabe von Medikamenten, die den Dopamin-Stoffwechsel beeinflussen (MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer) verfeinert werden.

Dopamin-Agonisten

Die so genannten Dopamin-Agonisten ahmen die Funktionen des Dopamins im Gehirn nach. Sie sind dem Dopamin chemisch sehr ähnlich und können deshalb an die Dopamin-Rezeptoren andocken. Sie müssen im Gehirn nicht umgewandelt werden und belasten wahrscheinlich nicht das erkrankte Dopamin-produzierende System.

So ersetzen die Dopamin-Agonisten das fehlende Dopamin und mildern die Störungen, die durch den Dopamin-Mangel entstehen, Sie können alle Symptome der Parkinson-Krankheit beeinflussen und Wirkungsschwankungen ausgleichen. In Langzeittherapie treten weniger unwillkürliche Überbewegungen als bei der alleinigen L-Dopa-Therapie auf. Bei einzelnen Dopamin-Agonisten wird außerdem vermutet, dass sie gewisse neuroprotektive Effekte haben, d.h. sie können möglicherweise die Nervenzellen im Gehirn bis zu einem gewissen Grad vor dem Absterben schützen. Auch bildgebende Verfahren (PET, DAT-Scan) sprechen dafür (Ropinirol, Pramipexol, Pergolid).

Fortschritte in der Behandlung mit Dopamin-Agonisten konnten durch die Entwicklung „langwirkender“ (retardierter) Dopamin-Agonisten erreicht werden. Diese stimulieren die Rezeptoren auf eine Art und Weise, die der natürlichen Stimulierung der Rezeptoren sehr nahe kommt.

Es stehen zwei Hauptgruppen von Dopaminagonisten zur Verfügung, die Ergot-Dopaminagonisten (Mutterkornabkömmlinge) und die Non-Ergot-Dopaminagonisten. Ihr Arzt wird Sie beraten, welches Medikament für Sie am besten geeignet ist.

Manche Patienten entwickeln unter Dopamin-Agonisten (seltener unter L-Dopa) sogenannte Impulskontrollstörungen. Dazu gehören z.B. Spiel-, Kauf- und Ess-Sucht, es kann aber auch eine Erhöhung des Sexualtriebes vorkommen. Da diese Nebenwirkungen schwerwiegende Konsequenzen haben können, muss der Patient von seinem Arzt darauf hingewiesen und auch im Therapieverlauf regelmäßig diesbezüglich befragt werden.

MAO-B-Hemmer

Wirkprinzip: Das Enzym MAO-B sorgt im Gehirn dafür, dass das freigesetzte Dopamin wieder abgebaut wird. Wird dieses Enzym gehemmt, wird Dopamin langsamer abgebaut und kann länger wirken. Das gilt für das körpereigene Dopamin, und auch für das aus dem zugeführten L-Dopa gebildete Dopamin.

Effekt: MAO-B-Hemmer haben – ohne L-Dopa verabreicht – eine leichte eigene Wirkung auf die Symptome. Die Wirkung von L-Dopa wird aber verlängert („Dopamin-Expander“), leichte Wirkungsschwankungen von L-Dopa werden ausgeglichen. Möglicherweise können MAO-B-Hemmer auch zum Schutz und Erhalt der Nervenzellen beitragen (Neuroprotektion).

COMT-Hemmer

Wirkprinzip: Die COMT-Hemmer sind Medikamente, die das Enzym COMT hemmen, das einen Teil des zugeführten L-Dopa in der Blutbahn zu einem nicht wirksamen Nebenprodukt abbaut. Durch die Hemmung des Enzyms erreicht mehr L-Dopa das Gehirn. Die jeweils vorhandene Menge an L-Dopa im Gehirn ist gleichmäßiger und die Wirkung länger.

Effekt: Verstärkung und Verlängerung der L-Dopa-Wirkung („L-Dopa-Expander“), deutliche Verminderung von Wirkungsschwankungen, Verlängerung der Zeiten guter Beweglichkeit.

Glutamat-Antagonisten (NMDA-Antagonisten)

Wirkprinzip: Glutamat-Antagonisten sind „Gegenspieler“ des Glutamats, also Medikamente, die die Wirkung des Glutamats im Gehirn reduzieren. Sie hemmen die Wirkung des aktivierenden Glutamats, das bei Parkinson-Patienten oft im Überschuss vorhanden ist und teilweise für die Überbewegungen mitverantwortlich ist. Außerdem können sie die Freisetzung von Dopamin verbessern.

Effekt: Verbesserung der Beweglichkeit, Verminderung von Überbewegungen, kann auch bei der schwerwiegenden sogenannten akinetischen Krise eingesetzt werden. Eine akinetische Krise mit völliger Unbeweglichkeit und lebensbedrohlichem Zustand kann z.B. bei plötzlichem Absetzen der L-Dopa-Therapie auftreten. Auch bei Glutamat-Antagonisten werden gewisse Nervenzellen-schützende Eigenschaften vermutet.

Anticholinergika

Wirkprinzip: Anticholinergika sind die in der Parkinson-Therapie am längsten eingesetzten Wirkstoffe. Sie vermindern die Freisetzung bzw. die Wirkung des Botenstoffes Acetylcholin im Gehirn, der bei Parkinson-Patienten im Überschuss vorhanden ist.

Effekt: Dämpfung des Ruhezitterns, günstige Einflüsse auf die Muskelsteifheit und auf die Symptome des vegetativen Nervenystems (Schwitzen, Speichelfluss).

Nachteil: Neuere Erkenntnisse der Alzheimer-Forschung zeigen jedoch nachteilige Wirkungen der Anticholinergika auf die Gedächtnisleistung und die Denkleistungen, sodass der Gebrauch dieser Medikamente aus diesem Grund, aber auch infolge der zahlreichen Nebenwirkungen immer mehr zurückgeht.

Parkinson-Ausweis

Der Parkinsonausweis identifiziert Sie als Parkinsonpatienten. Wenn Sie darin Ihre Medikation und Ihren behandelnden Arzt eintragen, kann er Ihnen im Notfall eine wichtige Hilfe sein.
Sie können den Parkinsonausweis als Word-Dokument (ausweis.doc in Word 2000 oder ausweis.rtf) oder als PDF-Datei (ausweis.pdf) herunterladen und ausdrucken. ausweis.doc bzw. ausweis.rtf werden in Ihrem Internetbrowser angezeigt. Sie können mit der Menüfunktion „Datei – Speichern unter...“ das Dokument in Word sichern und dann Ihre Daten und Ihre aktuelle Medikation bereits vor dem Ausdrucken eintragen. Das PDF steht nun als PDF-Formular zur Verfügung und kann ebenfalls am Bildschirm ausgefüllt werden.

Drucken Sie zunächst nur die erste Seite aus, legen das Blatt erneut in den Drucker ein und drucken dann den zweiten Teil auf die andere Papierseite. Der Druckvorgang kann unter Umständen etwas Zeit in Anspruch nehmen. Wenn Sie nun den Ausweis an der markierten Linie ausschneiden und entlang der senkrecht gestrichelten Linien falten, erhalten Sie einen Ausweis, den Sie ständig in Ihrer Geldbörse bei sich tragen können.

Parkinson-Ausweis (PDF)
Parkinson-Ausweis (Word-DOC)

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen