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Fluktuationen

Stand Januar 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Im Verlauf der Parkinson-Krankheit treten parallel mit der fortschreitenden Zelldegeneration der Schwarzen Substanz Fluktuationen in der Wirkung der dopaminergen Medikation auf. Wahrscheinliche Ursache dieses Phänomens ist der Verlust der Speichermöglichkeit von Dopamin durch den Zellschwund, weil das Dopamin in den Zellen gespeichert und bei Bedarf freigesetzt wird. Ohne die Speicherung ist die Wirkdauer einer Tablette auf 2-3 Stunden reduziert. Bei der Fluktuation der Wirkung spielt auch die Veränderung der Dopamin-Rezeptoren eine maßgebliche Rolle.

Folgende Wirkungsfluktuationen kennen wir:

Fluktuationen
 

End-of-Dose-Akinese (wird auch als „Wearing-off“ aus dem englischen Wort „auswaschen“ bezeichnet). Die Wirkung eine Tablette klingt ca. nach 2-3 Stunden ab und der Patient kommt in eine „Off“-Phase. Typische „End-of-dose“-Erscheinungen sind auch die Nacht-Akinese, die frühmorgendliche Akinese und die Nachmittagsakinese. Diese Fluktuationen sind einzeldosisabhängig. Spätestens bei Auftreten von Fluktuationen wird die Einhaltung der Einnahmezeitpunkte enorm wichtig! Therapie:

  • Abkürzung der Einnahme-Intervalle, bei Erhöhung der Zahl der Einzeldosen und gleichzeitiger Reduzierung der Höhe der Einzeldosen (Dosisfraktionierung)
  • L-Dopa-Retard-Zusatz oder Umstellung auf L-Dopa-Retard mit initialem Standard-L-Dopa
  • MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer
  • Gabe oder Erhöhung von Dopamin-Agonisten (insbesondere der langwirksamen Agonisten
  • Lösliches L-Dopa oder Apomorphin s.c. in der "Off"-Phase
  • In extremen Fällen: tiefe Hirnstimulation

Nachtakinese

  • L-Dopa-Retard vor dem Einschlafen
  • langwirksame Agonisten abends

Frühmorgendliche Akinese

  • L-Dopa-Retard abends
  • Langwirksamer Agonist abends
  • Initialdosis L-Dopa morgens noch im Bett
  • Lösliches L-Dopa morgens im Bett

Nachmittagsakinese

  • Therapie wie bei der Eiweißakinese
  • Dopaminagonisten
  • MAO-B- und COMT-Hemmer
  • Lösliches L-Dopa oder Apomorphin s.c.

Eiweißakinese

  • Zeitabstand zwischen eiweißhaltiger Mahlzeit und L-Dopa-Einnahme (1/2 - 1 Stunde)
  • Eiweißhaltige Mahlzeit erst am Abend, tagsüber eiweißarm
  • Domperidon zur Beschleunigung der Magenentleerung
  • Lösliches L-Dopa

"On-off", "Random-off“, „Paroxysmales off“: Diese Art von Fluktutionen tritt unabhängig von der Einnahme auf und ist nicht vorhersehbar. Der sehr rasche Wechsel der „On“- und „Off“-Phasen wird als „Yo-yoing“ bezeichnet. Therapie:

  • langwirksame Agonisten
  • L-Dopa-Dosisreduktion
  • COMT-Hemmer, MAO-B-Hemmer
  • Apomorphin s.c.
  • Apomorphin- oder Duodopa-Pumpe
  • Wenn die „Off“-s auf L-Dopa ansprechen: tiefe Hirnstimulation

Stand Januar 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen