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Therapie vegetativer Störungen

Stand April 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Zwei ältere Damen gehen durch einen Park spazieren

Sowohl Komplikationen der Erkrankung als auch Therapiekomplikationen bedürfen mitunter einer gesonderten eigenständigen Behandlung.

Als Symptome oder Komplikationen der Erkrankung können vegetative Störungen auftreten, aber auch bei den Bewegungsstörungen kann es im Krankheitsverlauf zu Komplikationen kommen, wie z.B. unkontrollierten Überbewegungen oder Bewegungsblockierungen. Die Bewegungskomplikationen zeigen den Übergang zwischen krankheitsbedingten und therapiebedingten Problemen an. Dieser Bereich findet seine Fortsetzung in den psychischen Störungen, wie sie in Form von Depressionen und Psychosen auftreten können.





Folgende Probleme und deren Behandlung werden hier beschrieben:

  • überschießende Talgproduktion der Haut: (Salbengesicht, Seborrhoe, Dermatitis): Hautpräparate vom Dermatologen
  • verstärkter Speichelfluss infolge verminderter Schluckfähigkeit: Anticholinergika, (wenn keine Kontraindikation besteht!) Absetzen von Medikamenten, die als Nebenwirkung einen vermehrten Speichelfluss verursachen können (z. B. Clozapin). In extremen Fällen Botulinum-Toxin-Injektion in die Speicheldrüse.
  • Vermehrtes Schwitzen: Anticholinergika, Beta-Blocker, Dopaminagonisten, L-Dopa
  • Schluckstörungen (Schlucken verzögert und unzureichend, Gefahr des Eindringens von Flüssigkeit in die Luftröhre, Verschlucken): L-Dopa, Anticholinergika, Amantadin. Schlucktraining, entsprechende Zubereitung der Mahlzeiten, Auflösen oder Zerbröseln der Medikamente, Sondenernährung (PEG-Sonde).
  • Verdauungsstörungen (Übelkeit, Brechreiz, Blähungen, Durchfall): Domperidon, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Ernährungsumstellung. Bei anhaltendem Durchfall an Nebenwirkungen der Medikamente denken (Entacapon, Tolcapon, selten benserazid-haltige L-Dopa-Präparate).
  • Chronische Verstopfung: Kann sogar noch vor dem Auftreten der motorischen Erscheinugen ein Frühsymptom der Krankheit sein. Einige Parkinson-Mittel können die Obstipation noch verstärken. Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffreiche Ernährung, körperliche Aktivität, Naturmittel, Macrogol-Präparate (z. B. Movicol).
  • Blasenentleerungsstörungen: Mangelndes Zusammenspiel von Schließmuskeln und Blasenentleerungsmuskulatur („Detrusor-Hyperaktivität“), starker Harndrang, „Reizblase“, Restharnbildung, Überlaufblase. Urologische Untersuchung empfohlen! Medikamentös: bei Detrusor-Hyperaktivität: Trospiumchlorid, Tolterodin, Oxybutinin. Bei Restharnbildung: Cholinesterasehemmer. Die bei den Multisystemerkrankungen vorkommende schwere Blasenentleerungsstörung kommt bei der Parkinson-Krankheit sehr selten vor, demzufolge ist ein Bauchwandkatheter nur in Ausnahmefällen notwendig.
  • Kreislaufstörungen: Hypotonie, orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen) verursacht im Allgemeinen Schwindel, seltener Kollapsneigung. Diese Symptome sind bei der Parkinson-Krankheit weniger ausgeprägt, als bei den Multisystematrophien. Therapie: Flüssigkeitszufuhr, Kochsalzzufuhr, Stützstrümpfe, Schlafen mit angehobenem Oberkörper, Midodrin, Fludrocortison, DOPS.
  • Störung der männlichen Sexualfunktion: Die Erektionsstörungen, die spontan oder als Nebenwirkung von Medikamenten vorkommen, bedeuten häufig en großes Problem, umso mehr, weil die dopaminerge Therapie oft zu einer Libido-Steigerung führt. Therapie: Urologische und internistische Untersuchung, Absetzen von Medikamenten, die als Nebenwirkung Erektionsstörungen auslösen. Wenn keine Kontraindikation besteht: Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil. In schweren Situationen Alprostadil-Salbe in die Harnröhre oder Alprostadil-Spritze in den Penis.
  • Schlafstörungen: siehe unter www.parkinson-web.de/content/was_ist_parkinson/symptome/schlafstoerungen/index_ger.html

Stand April 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen