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4 Fragen von GSK zur Verordnung von Arzneimitteln

Stand September 2011 | GSK und RA Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, Geschäftsführer der Deutschen Parkinson-Vereinigung

Ärztin berät Parkinsonpatientin

1. Sehr geehrter Herr Mehrhoff,
kann es sein, dass ein Arzt zu einem Patienten sagt: „Dieses Medikament kann ich nicht verordnen, es ist zu teuer“?

Friedrich-Wilhelm Mehrhoff: Gemäß § 12 SGB V müssen die Leistungen der Krankenkassen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, die Ärzte nicht erbringen und Krankenkassen nicht bewilligen. Damit kann die Krankenkasse nicht für jedwede Behandlungsmöglichkeit die Kosten übernehmen. Im Fachjargon nennt man das: das Wirtschaftlichkeitsgebot und dies ist der Maßstab für den medizinischen Behandlungsanspruch des Versicherten gegenüber seiner Krankenkasse. Soweit dieses Gebot alle Beteiligten, also Patienten, Arzt und Krankenkasse bindet, wird es auch ständig überprüft. Dazu haben die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen in jedem Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Maßnahmen zur Einhaltung des Wirtschaftlichkeitsgebotes vereinbart. Daran orientiert sich das Verordnungsverhalten der niedergelassenen Ärzte. Mögliche Verfahren wegen Verstoßes gegen dieses Wirtschaftlichkeitsgebot können zu einer ausführlichen Beratung des niedergelassenen Arztes durch seine zuständige Kassenärztliche Vereinigung oder aber einem Regress, das heißt zu einer Zurückzahlung seines Honorares, beim ambulant tätigen Arzt führen. Daher haben viele Patienten es schon einmal erlebt, dass der behandelnde Arzt bedauernd mit den Schultern zuckte und den Wunsch eines Patienten nach einem bestimmten Medikament negativ beantwortet hat.

2. Heißt das, dass einem Patienten teure, aber dafür besser wirksame Arzneimittel aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebotes vorenthalten bleiben?

Friedrich-Wilhelm Mehrhoff: Grundsätzlich sollte dies nicht der Fall sein. Die Arzneimitteltherapie des Arztes sollte individuell auf den Patienten abgestimmt sein. Dies rechtfertig auch den Einsatz eines teureren Arzneimittels sofern dieses wirksamer – und damit in gewisser Weise auch wirtschaftlicher - ist als eine alternative Therapie. Aber wie bereits dargestellt, müssen die Leistungen der Krankenkasse ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Kommt der Arzt zu der Ansicht, dass es zwar besser wirksame Arzneimittel gibt, diese aber das Maß des Notwendigen überschreiten, ist der Arzt gehalten, dem Patienten das billigere Medikament zu verordnen.

3. Habe ich dann als Parkinson Patient immer Anspruch auf ein bestimmtes Arzneimittel, unabhängig vom Preis?

Friedrich-Wilhelm Mehrhoff: Grundsätzlich hat der Patient keinen Anspruch auf ein bestimmtes Arzneimittel unabhängig vom Preis. Die Notwendigkeit der Verordnung eines bestimmten Medikamentes richtet sich vielmehr danach, ob und inwieweit die Verordnung dieses Medikamentes dem Behandlungserfolg und dem Wirtschaftlichkeitsgebot des Versicherten gegenüber seiner Krankenkasse entspricht. Dieses Gebot bindet alle Beteiligten, also Patient, Arzt und Krankenkasse und wird ständig überprüft.

4. Was kann ich tun, wenn ich aber ein anderes Arzneimittel haben möchte, weil ich dieses vielleicht besser vertrage?

Friedrich-Wilhelm Mehrhoff: Zunächst sollten Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen. Kommen Sie gemeinsam zu der Entscheidung, dass Sie ein bestimmtes Medikament bekommen sollen, kann der Arzt durch eine Markierung auf dem Rezept das Austauschen (zu einem anderen Arzneimittel) in der Apotheke verhindern. Um einen möglichen Regress des Arztes wegen unwirtschaftlichem Verordnen auszuschließen, ist es jedoch notwendig, dass der Arzt in Ihrer Patientendatei genau dokumentiert, warum Sie ausschließlich jenes Arzneimittel bekommen haben.

Stand September 2011 | GSK und RA Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, Geschäftsführer der Deutschen Parkinson-Vereinigung