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Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Stand Juni 2012 | Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, Geschäftsführer Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.

Wie erhält man Sicherheit in Krisensituationen oder kann kurzfristige Versorgungsengpässe besser überbrücken?

Seniorin mit Pflegerin

Wie schnell ist es im häuslichen Alltag geschehen, dass der pflegende Angehörige krankheits- oder unfallbedingt plötzlich ausfällt. Meist ist dies mit einem stationären oder stationären Reha-Aufenthalt verbunden, so dass sich für den Pflegenden und dessen Verwandte die Frage stellt, wie wird kurzfristig die Pflege neu organisiert.

Für diese Situation bietet die Pflegeversicherung zwei Möglichkeiten an, die so genannte „Kurzzeitpflege“ bei Verhinderung der Pflegeperson und die „Verhinderungspflege“, wenn die häusliche Versorgung vorübergehend nicht gewährleistet oder unzureichend ist.

Verhinderungspflege:

Ist die Pflegeperson wegen Krankheit, Urlaub oder sonstigen Gründen an der Versorgung des Pflegebedürftigen gehindert, übernimmt die zuständige Pflegekasse die Kosten für eine Verhinderungspflege für max. 4 Wochen im Kalenderjahr. Dabei sind die Aufwendungen der Pflegekasse auf 1.550 Euro begrenzt.

Dieser Anspruch ist jedoch an die Voraussetzung geknüpft, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen vor der erstmaligen Verhinderung mind. 6 Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat (Wartezeit). Diese Wartezeit ist auch dann erfüllt, wenn die Pflege sowohl in einer vollstationären Einrichtung der Behindertenhilfe wie auch z.B. an den Wochenenden oder in Ferien im elterlichen Haushalt stattfindet. Dies gilt zumindest dann, wenn die häusliche Pflege nicht nur sporadisch, sondern regelmäßig in erheblichem Umfang stattfindet. Dabei kann die 6 Monatsfrist auch von verschiedenen Pflegepersonen erfüllt werden.

Die Verhinderungspflege kann dabei wahlweise sowohl stunden-, tage- als auch wochenweise in Anspruch genommen werden.

Die Höhe des Betrages von 1.550 Euro ist dabei unabhängig von der Pflegestufe und kann für die Finanzierung entweder einer selbstbesorgten (nicht direkt verwandten) Laienpflegekraft oder eines ambulanten Pflegedienstes genutzt werden. Ergänzend besteht sicherlich darüber hinaus die Möglichkeit, den Pflegebedürftigen für diese Zeit in einer voll- oder teilstationären Einrichtung unterzubringen. Erfolgt die Unterbringung in einer stationären Einrichtung, übernimmt die Pflegekasse die anfallenden Kosten bis zu einem Gesamtbetrag in Höhe von 1.550 Euro/Kalenderjahr. Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung müssen vom Pflegebedürftigen selbst erbracht werden.

TIPP: Angebote verschiedener Einrichtungen vergleichen und entsprechend aufschlüsseln lassen.

Wie sieht die Situation aus, wenn die Verhinderungspflege durch Angehörige erbracht wird, die bis zum 2. Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandt (Kinder, Eltern, Großeltern) oder verschwägert sind, oder aber von einer Person, die mit dem Pflegebedürftigen in einem Haushalt lebt?
Dann ist die Leistung der Pflegeversicherung auf das dem Pflegebedürftigen zustehende Pflegegeld beschränkt (Pflegestufe I 235 Euro, Pflegestufe II 440 Euro, Pflegestufe III 700 Euro).

Sollten dieser verwandten Pflegeperson allerdings Aufwendungen entstehen, wie z.B. Fahrtkosten, Verdienstausfall etc., können diese Kosten bis zur Höhe von 1.550 Euro gegenüber der Pflegekasse geltend gemacht werden.

TIPP: Belege als Nachweis sammeln.

Kosten, die der Pflegeperson durch den Arbeitsausfall im eigenen Haushalt entstehen, sind jedoch nicht erstattungsfähig.

Kurzzeitpflege:

Neben dieser Form der Verhinderungspflege gibt es noch die Kurzzeitpflege.
Kurzzeitpflege bedeutet die zeitlich befristete, also nur vorübergehende vollstationäre Versorgung und Betreuung schwerpflegebedürftiger Menschen in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung.

In diesem Falle übernimmt die zuständige Pflegekasse die Pflegekosten für max. 4 Wochen/Kalenderjahr und die Kosten der sozialen Betreuung. Hierfür steht ebenfalls ein Betrag in Höhe von 1.550 Euro/Kalenderjahr zur Verfügung. Auch dieser Betrag ist unabhängig davon, in welcher Pflegestufe der Pflegebedürftige eingestuft ist.
Sogenannte „Hotelkosten“ (Kosten für Unterkunft und Verpflegung) sowie etwaige Zusatzleistungen hat der Pflegebedürftige jedoch selbst zu zahlen.

Diese Möglichkeit der Kurzzeitpflege ist für pflegende Angehörige geschaffen worden, um sie von der pflegerischen Belastung zu entlasten (z.B. vorübergehender Krankenhausaufenthalt, seelische Überforderung, körperliche Überbelastung). Auch eine vorübergehende erhöhte Pflegebedürftigkeit oder ein benötigter Zeitraum für die Klärung der Pflegesituation im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt können als Gründe in Betracht kommen.

HINWEIS: Da die Kurzzeitpflege hinsichtlich der teilstationären Pflege nachrangig ist, kann die Pflegekasse im Einzelfall durch den MDK prüfen lassen, ob eine teilstationäre Pflege ausreicht, um den Pflegebedarf zu decken.

Anders als bei der Verhinderungspflege besteht jedoch keine Wartezeit, d.h., es besteht ein Anspruch auf Kurzzeitpflege bereits ab dem Zeitpunkt der Zuerkennung einer Pflegestufe. Sofern die Pflegeeinstufung nicht erfolgt ist, sollte spätestens innerhalb 1 Woche nach Eingang des Antrages seitens des MDK eine Einstufung durchgeführt werden.

Wichtig ist, dass in einem Kalenderjahr sowohl vier Wochen Verhinderungspflege als auch Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden können. Damit besteht für pflegende Angehörige die Möglichkeit, insgesamt für bis zu 8 Wochen Kurzzeitpflegeleistungen der Pflegekasse zu beziehen.

Beide Formen der Leistungsbeziehung (Verhinderungs- und Kurzzeitpflege) können auch kombiniert werden. Der Pflegebedürftige kann etwa zunächst Kurzzeitpflege erhalten und nach Ablauf der vier Wochen oder schon durch das vorherige Erreichen der finanziellen Leistungsgrenze in der Kurzzeitpflegeeinrichtung verbleiben. Es werden dann von der Pflegekasse jedoch nur noch die Kosten für die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung übernommen. Nicht dagegen übernommen werden die Kosten für die medizinische Behandlungspflege und die soziale Betreuung.

Wichtig ist, dass der Anspruch auf Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege jedes Kalenderjahr wieder neu entsteht.

Insgesamt gesehen sieht damit die Pflegeversicherung eine Möglichkeit, vorübergehende Engpässe in der Pflege zu überbrücken und sowohl die Situation des zu Pflegenden wie des Gepflegten zu stabilisieren.

Stand Juni 2012 | Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, Geschäftsführer Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.