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Reisebericht: Australien - Die Kimberley im Nordwesten

November 2006 | Gudrun Schwab (Text und Fotos)

Einleitung

Süßwasser-Krokodil

1980 verbrachten mein Mann Herbert und ich zum ersten Mal unseren Urlaub in Australien. Australien ist fast so groß wie ganz Europa und mit 20 Flugstunden von Frankfurt nach Sydney, eigentlich zu weit entfernt für zwei Behinderte wie wir, Herbert durch eine Polio-Erkrankung, ich durch Parkinson, dessen erste Symptome etwa 1981 auftraten. Mit entsprechenden Medikamenten konnte man sie jedoch gut behandeln, so dass ich kaum beeinträchtigt war. Wir reisen beide immer noch gerne, wobei jede Reise für mich eine neue Herausforderung ist. Vor allem Australien hat es uns angetan. Das Bearbeiten und öffentliche Vorführen meiner bei den Reisen entstandenen Video-Aufnahmen trainiert nicht nur den Geist, sondern macht auch viel Spaß.

 

Die Kimberleys

Ich möchte in diesem Reisebericht nun den menschenarmen Nordwesten Australiens mit dem riesigen Sandsteinplateau der Kimberleys vorstellen. Typisch sind die meist zu Tafelbergen abgeflachten Gipfel mit ihren Rändern aus rotem Fels.
Nach wie vor gilt die Region mit ihrer schroffen Küstenlinie und steilen Klippen als unzugänglich. Nur wenige Touristen wählen daher diesen Teil Australiens als Reiseziel.

Herbert und ich wollen jedoch die Kimberleys näher erkunden. Und so packen wir 1995 unsere Koffer und fliegen nach Darwin. Hier beginnt unsere erste Reise durch die Kimberleys mit einem Bus. Wir schließen uns einer international gemischten Reisegruppe an. Unsere Reise führt uns auf dem Great Northern Highway von Darwin nach Broome. Eine zweite Reise wird uns 2003 mit einem Katamaran rund um die Nordwestküste führen.

Los geht’s! Von Darwin fahren wir Richtung Westen. Zwei Wochen werden wir unterwegs sein, um die Felsenlandschaft der Kimberleys näher kennen zu lernen. An der Grenze zu Westaustralien angekommen, kramen wir in unserem Reiseproviant und befördern einiges an frischem Obst in eine bereitgestellte Tonne. Es ist strengstens verboten, pflanzliche oder tierische Produkte mit über die Grenze zu nehmen.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich meine Parkinson-Erkrankung noch gut im Griff. Längere Wanderungen bei großer Hitze machen mir nicht mehr zu schaffen als den anderen Reiseteilnehmern. Der Anreiz, neue, interessante Gegenden kennen zu lernen, lässt mich öfter meine Krankheit für Stunden vergessen. Nur die Einnahme der Tabletten erinnert mich daran.

Der Ord-River

Ord-River

Vor uns liegt der Argyle-See, Australiens größter Stausee. Er wird während der Regenzeit von den Wassermassen des Ord-Rivers gespeist. Mit seiner Wassermenge sollte der Anbau von Obst und Gemüse in großem Stil ermöglicht und ganz Westaustralien damit versorgt werden. Das Projekt misslang, schon wegen der riesigen Entfernungen zu den Abnehmermärkten Perth und Brisbane. Eine Bootsfahrt auf dem Ord-River steht am Nachmittag auf unserem Programm. Endziel ist das kleine Städtchen Kununurra. Vor uns liegt eine Strecke von 50 km. Flott geht es voran.

In den nächsten Stunden werden wir nicht nur eine eindrucksvolle Landschaft erleben, wir hoffen auch etwas von der Vielfalt an Tieren dieser tropischen Gegend zu sehen. An Tieren herrscht hier wirklich kein Mangel. Wir sehen schwarze Flughunde, jede Menge Vögel und eins der hier häufigen Süßwasserkrokodile. Süßwasserkrokodile sind für Menschen relativ ungefährlich, man sollte aber eine enge Begegnung besser vermeiden.

Was außerdem unseren Blick fesselt, sind wunderschöne Spiegelungen im Wasser und eine Landschaft, deren bizarre, rote Sandsteinfelsen in der Sonne leuchten.

Die Bungle Bungles

Bei strahlend blauem Himmel starten wir und acht Mitreisende mit einem Kleinflugzeug zu einem Ausflug in die Bungle Bungles, etwa 250 km südlich von Kununurra. Es ist sicher einer der Höhepunkte der gesamten Reise.

Wir überfliegen den Argyle-Stausee und sehen unter uns den Lauf des Ord-Rivers, bevor wir uns dem Ziel unseres Fluges, den Bungle Bungles, nähern. Wir überfliegen nicht nur die Felsenlandschaft, sondern werden sie auch mit einem Allradfahrzeug erkunden und einen Spaziergang machen.

Bungle

Getrennt durch steile Schluchten ragen Türme und Kuppeln aus Fels bis zu 300 m aus den umgebenden Ebenen auf. Auffallend ist ihre Oberflächenstruktur. Die Felsen, Überreste einer etwa 350 Mio. Jahre alten mächtigen Schicht von Meeressedimenten sind ein empfindliches Gebilde. Überzogen sind die Felskegel mit einer Art „Haut“, gebildet aus orangefarbenen Silikaten und schwarz-silbrigen Flechten.
Nach der Landung unseres Kleinflugzeuges begrüßt uns der Ranger mit der Bemerkung, heute sei ein angenehmer Tag, letzte Woche seien die Temperaturen bis auf 43° geklettert. Für uns sind aber auch 38° im Schatten nicht gerade kühl, vor allem für die geplante Wanderung.

Aborigine

Die kommende Nacht verbringen wir in einem Hotel am Rande von Fitzroy Crossing. 90% der Einwohner sind Aborigines – australische Ureinwohner. Um Probleme mit ihnen zu vermeiden, rät uns der Hotelmanager, das mit einem hohen Zaun und Stacheldraht gesicherte Hotelgelände möglichst nicht zu verlassen.
Um die Ureinwohner vom Hotel fernzuhalten, gibt es für Männer eine Bekleidungsvorschrift: Hemden mit Kragen und Schuhe.

Die Geikie-Gorge

Ein weiterer Höhepunkt ist eine Bootsfahrt in der Geikie-Gorge. Mit einem Flachboot sind wir zwei Stunden in der 14 km langen Wasserschlucht unterwegs. Ihre Felswände erreichen Höhen bis zu 30 Metern. Sie bestehen aus Kalkstein, der durch Wasser und Sonne gebleicht ist. Die Schlucht wurde durch den Fitzroy River geformt, der sich im Laufe von Jahrmillionen durch das Gestein gefressen hat. Da die Geikie-Gorge ständig Wasser hat, gibt es hier eine reichhaltige Flora und Fauna.
Es geht auf zum Endspurt. Heute Abend wollen wir am Indischen Ozean sein. Zunächst fahren wir jedoch durch eine felsige Landschaft, Oskar Range genannt.

Die ersten Flaschenbäume, boab trees genannt, kommen in unser Blickfeld. Es sind Laubbäume, verwandt mit den afrikanischen Baobabs. Der boab tree wächst auf den sandigen Ebenen der Kimberleys. Sein bauchiger Stamm kann einen Durchmesser von 20 m erreichen und eine Höhe von 25 m. Seine wurzelgleichen Äste heben sich wie wild gespreizte Finger gegen den Himmel ab. Die ältesten der Flaschenbäume sind vermutlich bis zu 1000 Jahre alt. Der Boab Prison Tree ist der bekannteste Australiens. Es wird erzählt, dass der hohle Stamm in früheren Zeiten einzelnen Sträflingen als Gefängnis diente.

Auch die interessanteste Reise ist einmal zu Ende. War es auch oft staubig und heiß, so sind wir doch begeistert von dem was wir in diesen zwei Wochen erlebt und gesehen haben. Fazit: Auch die bizarre Felsenwelt im Nordwesten Australiens ist eine Reise wert.
Ein positiver Effekt: Auch gesundheitlich fühlte ich mich gut. Es war einfach keine Zeit für Krankheit.

Haben Sie ebenfalls interessante Alltagserfahrungen mit Morbus Parkinson gemacht, über die Sie berichten möchten? Dann nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf.

November 2006 | Gudrun Schwab (Text und Fotos)

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