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Reisebericht: Indien - vom 31.1.07 - 10.2.07

September 2007 | Brigitte Kämpf (Text und Fotos)

Anreise nach Indien

Taj Mahalr

Es begann mit einer Einladung zu einer Hochzeitsfeierlichkeit (wedding) in Indien.

Noch während des Studiums in Australien vor zwei Jahren bekam meine Tochter Vanessa zusammen mit ihrer Freundin Sandra von einer indischen Studienkollegin eine Einladung zu deren bevorstehender Hochzeit. Für Anshita, die Braut, war es eine arrangierte Hochzeit. Die Familien von Braut und Bräutigam lernten sich über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren kennen und ließen den beiden Hauptpersonen Zeit, um zu prüfen, ob eine Verbindung in Frage kommen und von Bestand sein könnte.

 

Los ging es am Flughafen Frankfurt mit der völlig überbuchten Maschine nach Delhi. Aufgrund der Überbuchung wurden wir in die Business Class umgebucht. Bei sieben Stunden Flugzeit eine wirkliche Erleichterung. So macht fliegen Spaß, ist komfortabel und stressfrei. In den letzten zwei Jahren habe ich als Parkinson-Patient wieder Mut gefasst und auf Reisen nach Südamerika, Japan und Korea gelernt, mich mit der Krankheit zu arrangieren. Diagnostiziert wurde Morbus Parkinson bei mir 1999; von da an auch medikamentös behandelt – über fünf Jahre mit der Monotherapie, d.h. den Agonisten und in den letzten Jahren mit geringen Zugaben von L-Dopa.

Mein Flugzeug-Nachbar kommt aus Denver und ist deutschstämmig. Er ist beruflich oft in Indien und bestätigt, dass es eine sehr große Ehre ist, zu einer Hochzeit nach indischer Tradition mit mehreren Hundert Familienangehörigen eingeladen zu sein.

Nachts um 3.30 Uhr Ortszeit kommen wir auf dem Flughafen Delhi an. Die Hitze und Schwüle im Flughafengebäude ist kaum zu ertragen. Ist die Klimaanlage ausgefallen oder gibt es keine? Eine lange Schlage bildet sich bei der Pass- und Visakontrolle. Mein erster Eindruck: nichts für Leute mit schlechtem Kreislauf und Parkinson. Endlich kommt irgendwoher „Frischluft“.

Weiterreise nach Darjeeling

Am 2.2.07 geht es morgens vom nationalen Flughafen weiter. Dieser kurze Kontakt mit Delhis Autoverkehr reicht schon, um sich ein Bild vom Chaos auf den Straßen zu machen. Gute zwei Stunden braucht die Maschine dann nach Bagdogra/West Bengalen. Am Flughafen erwarten uns Fahrer und Guide. Vier Stunden dauert die Fahrt mit dem Jeep hinauf bis nach Darjeeling. Die Betonung liegt auf Darjeeling, wie bei darling. Das Shangri-La Regency-Hotel klebt förmlich am Hang in 1.900 Metern Höhe. In dem kleinen Erkerzimmer mit Korbsesseln, Heizöfchen und bei Kaffee, Tee und einem Schluck Whisky zum Desinfizieren, kommt Gemütlichkeit auf. Wir warten auf unser Essen. Doch indisch werden wir heute nichts bekommen. Es wird gestreikt in Darjeeling. Dafür gibt es chinesisches Essen; auch lecker. Danach denken wir nur noch daran, uns auszuruhen und zu schlafen.

Darjeeling Teeplantage

Am nächsten Morgen um 5.00 Uhr steht der Fahrer vor der Tür. Es geht zum Sonnenaufgang auf den Tiger Hill. Von hier aus sieht man an klaren Tagen die Gipfel des Himalaya: den Kanchenjunga 8.598 Meter, dritthöchster Berg oder den Mount Everest 8.846 Meter, höchster Berg der Welt. Aber eben nur an klaren Wintertagen – aber solch ein Tag war heute leider nicht. Was blieb, war die Vorstellung, dass da hinter der Nebelwand der Himalaja, das Dach der Welt liegt.

Nach Darjeeling zog es die Engländer. So konnten sie der Hitze der Täler entgehen. Noch heute kann man mit dem Toy Train fahren, der 1.500 Meter nach oben klettert. Seit 1840 gibt es hier die Teeplantagen der bekanntesten Teesorten der Welt. Das Klima ist subtropisch und in den Palmen und Mangroven tummeln sich bunte Vögel.

Hochzeitsfeierlichkeiten

Bemalung der Braut

Am 3.2.07
kommen wir am Nachmittag in Siliguri im Cindrella Hotel an. Die Hochzeitsfeierlichkeiten werden hier für die nächsten drei Tage stattfinden. Der Tag unserer Ankunft beginnt mit der traditionellen Henna-Bemalung der jungen Frauen an Händen und Armen.

Und die für uns extra angefertigten Saris werden anprobiert.

indische Hochzeit

Am 4.2.07
vormittags beginnen die Ehrungen seitens der Familie der Braut; Brautgeschenke für die Brautmutter liegen bereit. Indische Hochzeiten beginnen mit der „Mehendi“ der Braut, dem Schönmachen inmitten ihrer Familie. Am Nachmittag fährt die Hochzeitsgesellschaft der Braut, ca. 50 Personen, zur Familie des Bräutigams zum Sangeet-Abend. Das ist ein Tanz- und Musikabend, fast ausschließlich von den Frauen der Familie gestaltet.

Hochzeitspaar und Gäste

Eine imposante und völlig unvorhergesehene „Showeinlage“ wird der Flug von unzähligen Faltern. Angezogen vom Licht der starken Scheinwerfer, füllen sie für Minuten die Luft mit ihrem Schwirren, verdunkeln bedrohlich das Licht, um dann in den Scheinwerfern zu verglühen.

lebendes Nachtisch Buffet

Am 5.2.07 gehen die Feierlichkeiten im Hotel Cindrella weiter und erleben ihren Höhepunkt mit der Ankunft der Familie und den Gästen des Bräutigams. Der Bräutigam reitet auf einem Schimmel und die Braut wird von ihren besten Freunden in einer Sänfte getragen. Das große Finale für das Brautpaar ist der Rosenregen und das Umhängen der Blumenketten aus Jasmin. Dann folgt noch ein Defilee der Hochzeitsgäste beim Brautpaar.

Nun bin ich auch wirklich müde und bestimmt bei den Ersten, die schlafen gehen. Morbus Parkinson fordert seinen Tribut. Meine Tochter feiert noch mit dem Hochzeitspaar den Abschied von der Familie. Braut und Bräutigam werden zukünftig in Amerika leben.

Rundreise durch Rajasthan

Die anschließende Rundreise durch Rajasthan führt uns zu den Sehenswürdigkeiten aus der Mogulkaiser-Zeit:

Agra

Rotes Fort mit Mauern und Türmen aus rotem Sandstein war für drei Kaisergenerationen bis 1640 Regierungssitz Taj Mahal Das marmorweiße Mausoleum, das wohl berühmteste Bauwerk Indiens ließ Shah Jahan für seine Frau Mumtaz errichten, die bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war.

22 Jahre betrug die Bauzeit und am Ende war der Staatshaushalt ruiniert. Shah Jahan wurde von seinem Sohn zur Abdankung gezwungen und während seiner siebenjährigen Gefangenschaft konnte er nur noch auf sein geliebtes Taj Mahal sehen.

Jaipur

In der Umgangssprache heißt sie „Pink City“, die Stadt der Maharadschas und Hauptstadt von Rajasthan mit zwei Millionen Einwohnern. Hier pulsiert das Leben; schwer beladene Kamelkarren werden von laut hupenden Autos überholt. Auf den Verkehrsinseln liegen heilige Kühe. Händler und Bettler umkreisen uns. Ich werde müde von den vielen fremden Eindrücken und möchte mich nur noch zurückziehen. Dafür hat meine Tochter Verständnis. Sie unternimmt die abendlichen Ausgänge mit anderen Mitreisenden. Und am nächsten Tag geht das bunte Treiben weiter: Männer mit Turbanen hocken am Straßenrand und überall ergänzen Frauen in bunten Saris das Straßenbild.

Der Palast der Winde aus dem 18. Jahrhundert ist eine Fassadenkonstruktion, hinter der die Hofdamen unerkannt und ungesehen das Treiben außerhalb des Palastes verfolgen konnten.

Amber

Mahuts

Die alte Hauptstadt liegt zehn Kilometer außerhalb und beherbergt eine malerische Burg, zu der man auf Elefanten reiten kann. Der schwankende Ritt auf dem Elefanten macht mich starr und unsicher und die aufdringlichen Händler, die mir den Weg versperren, provozieren Gangunsicherheiten und Blockaden. Irgendwie ist jetzt der Punkt erreicht, wo ich froh bin, mich ins Hotel zurückziehen und ausruhen zu können.

indische Straße

Vor unserem Rückflug von Delhi blieb uns noch Zeit für eine Rundfahrt. Delhi wählten sich die Briten 1911 zur Hauptstadt. Sie ließen in dieser von Smog geplagten Stadt die breiten Alleen pflanzen, die bis heute für etwas frische Luft sorgen. Das Regierungsviertel erstreckt sich im Süden im kolonial-klassizistischen Stil. Ein paar hundert Meter weiter herrscht Chaos und allgemeines Durcheinander auf den Straßen.

Kamelreise

Auf den Straßen wird gelebt; von der Geburt bis zum Tod. Unverhohlener Reichtum, größte Not und Armut leben umschlungen und doch separiert nebeneinander her. Kontrastreiches Indien, unvorstellbarer Reichtum und größte Armut ließen mich im tiefsten Herzen erschauern. Ignoranz vor dem Leben, dem Leben eines jeden Menschen.

 

Haben Sie ebenfalls interessante Alltagserfahrungen mit Morbus Parkinson gemacht, über die Sie berichten möchten? Dann nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf.

September 2007 | Brigitte Kämpf (Text und Fotos)

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