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Erfahrungsbericht: Eine Reise in die USA und nach Acapulco (12.9. — 6.10.2005)

Angela Giertz-Birkholtz, Fotos: Horst Birkholtz

Einleitung

Sonnenuntergang

Wie kann ein Parkinsonpatient, der nach 15 Jahren mit Parkinson alle bekannten Symptome von totaler Steifheit mit bösen Verkrampfungen bis hin zu unerträglichem Gezappel hat, sich auf so ein Abenteuer einlassen?

Ich habe vor Freude geweint, als dann feststand, dass ich noch einmal in die Staaten fliegen werde. Nie hätte ich gedacht, dass ich mit dieser Erkrankung noch einmal dorthin käme. Mein Mann hat mir zugeredet und Mut gemacht: ""Komm mit, das schaffst du, ich helfe dir."

 

Warum eigentlich Acapulco? Keine Ahnung. Vielleicht, weil Acapulco nicht so weit entfernt liegt von El Paso. Wir fliegen morgens um 6.45 Uhr aus El Paso weg. Das war das letzte Mal, dass ich so früh würde aufstehen müssen. Frühaufstehen ist eine Qual, weil mein Körper noch steif ist. Wir sitzen in einer kleinen Embraer 145. Die Sicht ist gut. Wir fliegen entlang der mexikanischen Golfküste, dann über Mexiko Stadt. Dann endlich nähern wir uns Acapulco. Wir sind überwältigt von der sensationellen Sicht aus dem Flugzeug auf die Pazifikküste Mexikos.

Reiseantritt

Unter dem Motto: "Irgendwie geht es immer", ging es dann auch tatsächlich immer irgendwie. Genau 25 Tage waren wir unterwegs. Den entsprechenden Medikamentenvorrat hatte ich dabei. Alle Medikamente legte ich ins Handgepäck, es hätte ja sein können, dass mein Koffer einen "Umweg" macht und ich dann nicht an meine Tabletten rankommen könnte. Mit zwei schweren Koffern und zweimal Handgepäck und zwei Gehstöcken, einer als Reserve, ging es um 8.00 Uhr los mit dem ICE 3, der uns in 38 Minuten von Siegburg nach Frankfurt Flughafen brachte. Der Frankfurter Flughafen hat es in sich, denn es sind weite Wege zu laufen. Die schaffe ich nicht. Geschafft habe ich es zum Skytrain, der uns zum Terminal 2 brachte, wo wir bei Delta Airlines einchecken konnten. Auch mit dem Bus-Shuttle kommt man zum Terminal 2, doch den haben wir nicht gefunden. Man kann sich auch einen Rollstuhl bestellen, der 23,00 Euro kostet. Die Fluggesellschaften bieten nämlich kostenlos einen Rollstuhl erst ab Schalter an, nicht jedoch ab Bahnhof. Nachdem wir die Koffer aufgegeben hatten, wartete der bei der Airline bestellte Rollstuhl auf mich und ich wurde vom Schalter durch Passkontrolle und Sicherheitscheck bis zum Gate gefahren und war recht entspannt.

Im Flugzeug konnte ich meine Beine ausstrecken, überschlagen und anwinkeln und habe den neunstündigen Flug nach Atlanta gut überstanden. Meine Thrombosestrümpfe erfüllten ihre Funktion. Mein linker Fuß hatte ununterbrochen gekribbelt, das war sehr unangenehm. Mit Hilfe des Gehstocks konnte ich das Flugzeug verlassen und die paar Meter bis zu dem vorbestellten Rollstuhl gehen. Erneut mussten wir einchecken, denn wir wollten weiter nach El Paso. Beim Sicherheitscheck musste man seine Schuhe ausziehen. Auch Atlanta hat einen Zug, der die Terminals verbindet. Bis zum Gate 33 wurde ich im Rollstuhl sitzend gebracht. Der Flughafen verfügt über Elektroautos für ca. 6 Passagiere. Diesen Dienst muss man anfordern. Es ist 23:15 Uhr, 5:15 pm local time. Die Maschine nach El Paso wird aufgerufen.

Nach dreieinviertel Stunden erreichten wir um 3:00 Uhr morgens, local time 19.00 Uhr El Paso. Warmer Wind und warme Luft empfingen uns, 90° Fahrenheit, 32° Celsius. El Paso liegt im westlichen Zipfel von Texas an der Grenze zu Mexiko, fast in der Wüste. Wir wurden abgeholt und ins Hotel gebracht. Wir verabredeten uns für 8:30 Uhr zum Frühstück und freuten uns auf ca. 10 Stunden Schlaf.

Atlanta — El Paso — Pensacola — Savannah — Acapulco

Acapulco aus dem Flugzeug

7.00 Uhr morgens — ich komme nicht hoch, bin stocksteif. Um 8:02 Uhr schleppe ich mich ins Badezimmer, dusche, schaffe es, mich anzuziehen, greife meinen Stock und wir gehen — wie verabredet — zum Frühstück. In Deutschland ist es bereits 16:00 Uhr.

In El Paso frühstücken wir im Village Inn: Spiegeleier, Speck und Pfannkuchen mit Sirup. El Paso ist eine geteilte Stadt. Der Rio Grande bildet die Grenze zu Mexiko. Am anderen Ufer liegt die Stadt Juarez. Es ist unser letzter Tag in El Paso, wir fahren auf einen nahe liegenden Berg und genießen die Aussicht auf die Stadt und auf Juarez. Unsere Gedanken eilen voraus nach Mexiko.

 

Ankunft in Acapulco

Acapulco

Pünktlich um 1:20 Uhr pm landet die Maschine in Acapulco. Die Sonne blendet und die Hitze haut uns um. Erst mal tief durchatmen! Um die 40° C hatte der Flugkapitän gesagt. Mit einem Bus werden die Passagiere zum Flughafengebäude gebracht. Das Gepäck ist vollständig und die Einreise problemlos. Es war gar nicht so leicht gewesen, ein Hotel zu finden, weil gerade an unserem Ankunftstag, dem 16.9., der mexikanische Nationalfeiertag war. So hatte unser Hotel zwar einen sehr schönen Namen — El Mirador —, es lag aber nicht an der Bucht mit den Stränden, sondern in Quebrada, dem alten Zentrum von Acapulco. Demzufolge waren wir so ziemlich die einzigen Ausländer in dem Hotel. Weil das Baden im Pazifik an dieser Stelle viel zu gefährlich ist, hat man ein Schwimmbecken gebaut, an dessen Mauern sich die Wucht der Wellen bricht und das Wasser des pazifischen Ozeans entweder über die Mauern ins Becken schwappt oder durch Hohlräume in den Mauern in das Becken strömt. Doch der Wellengang war in dem kleinen Becken immer noch so wuchtig, dass ich keinen Mut hatte, ins Wasser zu gehen.

 

Wir haben ein Zimmer mit Balkon und Blick auf den Pazifik. Jeden Abend können wir von hier aus den schönen Sonnenuntergang unter Palmen sehen. Das Schauspiel ist kurz, da die Dämmerung sehr kurz ist. Wir befinden uns in etwa in Höhe des fünfzehnten Breitengrades, sozusagen fast schon am Äquator.

Acapulco: laut und heiß aber interessant

Acapulco ist eine Millionenstadt und eine laute Stadt. Der Lärm der Autos übertönt den der Brandung. Es wird gehupt und aus allen Lokalen dröhnt laute Musik. Ohne laute Musik geht es nicht. Auch auf einer Bootsfahrt durch die Bucht von Acapulco und bis hin zu der Bucht, wo unser Hotel liegt, müssen unsere Ohren hochtourig laufen. Die Menschen sind freundlich, lachen zurück. Sie mögen laute Musik.

Auf einem Markt geschieht das, womit ich immer Schwierigkeiten habe: Die Verkäufer preisen ihre Ware an, Gürtel, Ledertaschen, Souvenirs, wunderschönen mexikanischen Schmuck etc. Sie reden auf mich ein, gehen immer weiter runter mit dem Preis, ich fühle mich eingeengt, spüre, wie mein Körper reagiert und ich nur noch mit Hilfe des Stocks vorankomme. Das ist Stress pur hoch 10. So bedrängt kann ich nicht einkaufen. Ich kaufe auch nichts ein, obwohl ich gern eine Tasche gehabt hätte.

Das Klima ist ein Härtetest. Heiß, feucht und warmer Regen. Wir schwitzen wie in der Sauna. Wir trinken eimerweise, Diet Coke, Wasser, irgendwelche Säfte. Wir fahren oft mit dem Taxi. Es gibt Hunderte von ihnen in Acapulco. Die meisten von ihnen sind VW-Käfer, weiß und die Kotflügel sind blau. Sieht an sich sehr elegant aus. Doch der Zahn der Zeit nagt an ihnen: Bei einigen schließen die Türen nicht mehr, die Scheiben haben Sprünge, der Motor schafft gerade noch die Steigung zu unserem Hotel. Die Taxifahrer sprechen in der Regel kaum Englisch, wir dafür kaum Spanisch. Wir kommen trotzdem überall an.

Acapulco Felsen

Drei interessante Tage in Acapulco gehen zu Ende. Wir sitzen mal wieder im Flugzeug in Richtung Atlanta, Georgia. Unter uns zieht sich der lange schmale Streifen der mexikanischen Golfküste entlang. Noch eine Stunde bis Houston. Heute ist der Flug sehr lang, ich friere und meine Beine schmerzen. In Houston umsteigen und unsere Maschine landet um 22:00 Uhr in Atlanta, von wo wir unsere Reise mit einem Mietwagen fortsetzen wollen. Wir verstauen unser Gepäck und fahren die Interstate Nr. 285 West an Atlanta vorbei nach Marietta, wo wir noch von Deutschland aus im Hampton Inn ein Zimmer reserviert hatten. Gegen Mitternacht erreichen wir das Hotel und sind zufrieden und glücklich. Wir freuen uns auf die nächsten 14 Tage, in denen wir mit dem Auto durch die Südstaaten der USA fahren wollen.

 

Rundfahrt durch einige Südstaaten der USA

Heute ist Mittwoch, der 21. September 2005. Wir haben sehr gut geschlafen. Diesmal hatten wir ein King-Size-Bett. Ich will nur noch in King-Size-Betten schlafen. Denn die sind so breit, dass ich mich mit dem Schwung der Arme und Beine im Bett umdrehen kann, ohne vorher sehr mühsam und unter äußerster Kraftanstrengung die Lage meines steifen Körpers um ca. 15- 20 cm zu einer Seite des Bettes hin verändern muss.

Wir überlegen, welche Route wir fahren sollen. Unseren ursprünglichen Plan, bis nach New Orleans, Louisiana runterzufahren, haben wir aufgegeben. Bekanntlich hat der Hurrikan Katrina dort große Schäden angerichtet. 5 Tage liegen vor uns, die wir nach Lust und Laune gestalten können. Dieses Land ist unendlich groß und man kann sich sehr leicht mit den Entfernungen verschätzen. Ca. 300 Meilen von Atlanta nach Savannah, denkt man, das ist doch nichts. Doch die Geschwindigkeitsbegrenzung von maximal 70 Meilen auf den Interstates (Autobahnen) heißt, dass wir uns nicht so viele Meilen pro Tag vornehmen sollten, sonst sitzen wir nur im Auto!

Unsere Rundreise ging von Atlanta über Savannah, Tallahassee, Pensacola, Montgomery und Birmingham. Wir sind in den verbleibenden 15 Tagen insgesamt 2.800 Meilen (4500 km) gefahren. Also los gehts.

Erste Station: Atlanta

Atlanta, Hauptstadt des Staates Georgia, Millionen-, Olympia-, Fernseh(CNN)- und Coca- Cola-Stadt. Und die Atlanta Hawks. Wir sind etwas schlapp ... und kommen daher im Coca-Cola-Museum erst kurz vor Ende der Besichtigungszeit an. Leise hört man Stimmen: Italien, das Italienische müsst ihr probieren. Wir erreichen einen Raum, in dem wir Coca-Cola-Produkte aus mehreren Ländern probieren können und verstehen, was mit Italien gemeint war. Die italienische Herstellung benutzt Campari. Das schmeckt ja ganz bitter! Südafrika und Mozambique überzeugen mich: Da ist Ingwer drin, das schmeckt klasse.

Wir verlassen Atlanta und fahren in Richtung Macon nach Süden. Wir kommen nach Macon und schnuppern zum ersten Mal den Charme der Südstaaten. Macon hat noch einige Häuser aus der Jahrhundertwende (1899/1900). Sie sind Schmuckstücke und wir sind begeistert. Wir nähern uns Savannah, Ostküste, und sind gespannt. Dieser Stadt eilt der Ruf voraus, die schönste amerikanische Stadt zu sein. Neben Charleston in South Carolina, soll Savannah die am europäischsten wirkende Stadt in den USA sein. Es ist sehr warm in Savannah, obwohl bereits Nacht. Die Stadt ist voller Menschen, die am Flussufer die Lokale bevölkern. Es herrscht eine Betriebsamkeit, wie wir sie später in anderen Städten nicht mehr wahrgenommen haben. Die Stadt ist so voll, dass wir kein Zimmer mehr im Hampton Inn bekommen und einige Meilen südlich nach Richmond Hill ausweichen müssen. Gerade an diesem Wochenende findet ein Jazz-Festival statt.

Zweite Station: Savannah

Park in Savannah

Savannah ist wirklich eine tolle Stadt. Der Engländer Oglethorpe hatte 1733 von der englischen Krone den Auftrag erhalten, in Mündungsnähe des Savannah River eine englische Kolonie zu gründen. Er plante die Stadt sehr übersichtlich und kommunikativ: In den nur senkrecht und waagerecht verlaufenden Straßen ließ er 24 Parks anlegen. Auch heute noch sind diese Parks Treffpunkte zur Kommunikation.

 

Savannah ist überschaubar, sodass viele Touristen eine Stadtbesichtigung zu Fuß unternehmen. Das konnte ich nun nicht und wir gingen mit einem der offenen Trolley-Busse auf Erkundungstour. Für 26 Dollar konnte man einen ganzen Tag durch die Stadt fahren, an bestimmten Haltepunkten ein- oder aussteigen oder auch wieder einsteigen, um die Fahrt fortzusetzen. Vorbei an den Parks und den restaurierten Prachtvillen. Ich sag Euch, unter den Läden gefielen mir am besten die Candy Shops. Süßigkeiten in allen erdenklichen Farben. Optisch ein wahrer Genuss, geschmacklich wohl nicht jedermanns Sache!

Auf dem Weg in unser Hotel nach Richmond Hill haben wir noch einen Abstecher an den Strand gemacht. Das Wasser des Atlantiks war warm, es war Wochenende und einige Badefreaks tummelten sich in der seichten Brandung. Ich habe mir vorgestellt, wie hier 1996 die olympischen Segelwettbewerbe ausgeführt worden sind.

Dritte Station: Charleston

Spanisches Moos

Der nächste Tag führt uns in das ca. 100 Meilen nördlich von Savannah bereits im Staat South Carolina liegende Charleston. Spanier, dann Franzosen und zuletzt Engländer gründeten die Stadt. Auf unserer Stadtrundfahrt gewinnen wir einen Eindruck von Charleston und stellen fest, dass die Stadt zwar auch herrschaftliche und schön restaurierte Villen hat, uns aber nicht so beeindruckt wie Savannah. Es mag daran liegen, dass es Sonntag ist und die Menschen in den Kirchen sind.

Wir fahren noch einmal durch Charleston und vergewissern uns, dass es hier wirklich kaum so genanntes Spanisches Moos gibt, das aussieht wie lange Barthaare und an den Bäumen hängt. Zuerst aufgefallen war uns diese Luftpflanze vereinzelt in Macon, dann überall in Savannah. Hier in Charleston hatte vor acht Jahren ein starker Sturm das Gewächs von den Bäumen gerissen. Schade. In Savannah gibt dieses spanische Moos, das da an fast allen Bäumen hängt, der Stadt ein Aussehen von morbider Schönheit.

 

Abstecher nach Tallahassee

Heute haben wir uns eine lange Fahrtstrecke vorgenommen: fast 500 Meilen. Wir fahren zunächst die Interstate Nr. 95 parallel zur Ostküste in Richtung Süden. In Florida wechseln wir auf die Interstate 10 und fahren westwärts. Kurz vor Tallahassee, der Hauptstadt Floridas, holt mich James Parkinson ein: Ich sitze am Steuer, es fängt an zu regnen, ich weiß nicht genau, welche Knöpfe ich bedienen muss, die Scheiben beschlagen, ich sehe nicht mehr viel, höre das Motorengeräusch der neben uns fahrenden Brummis, an dem zu erkennen ist, dass auch sie die Geschwindigkeit drosseln. Inzwischen halte ich mich völlig verkrampft unter äußerster Muskelanspannung am Lenkrad fest. Mein Fuß ist nicht mehr in der Lage, dosiert das Gaspedal zu betätigen. Bei nächster Gelegenheit machen wir Fahrerwechsel. Ich bin schweißgebadet.

Zum Glück komme ich beim Autofahren nicht so oft in oben geschilderte Situation. Dennoch, sie kommt gelegentlich vor. Sollte ich daraus Konsequenzen ziehen und nicht mehr Auto fahren? In so einem zappeligen Zustand — das ist mir klar — könnte ich leicht einen Unfall verursachen und — abgesehen von meiner Person — vor allen Dingen anderen Verkehrsteilnehmern großen Schaden zufügen. Eigentlich gibt es nur eine vernünftige Entscheidung: Nicht mehr Auto zu fahren. Schwierig.

Weiter nach Pensacola

Wir fahren weiter auf der Interstate 10 in Richtung Westen bis nach Pensacola. Dort gibt es eine Überraschung für uns. Weil es in dem Gästehaus auf dem Stützpunkt der amerikanischen Marineflieger keinen Fahrstuhl gibt, wird unsere Zimmerreservierung kurz umgebucht. Wir erhalten ein Apartment im Erdgeschoss, das ich auch in schlechtem Zustand noch erreichen kann. Es war uns schon vorher aufgefallen, dass die Amerikaner behinderten Menschen gegenüber sehr zuvorkommend sind. Hier erfahren wir ihre Hilfsbereitschaft nun selbst: Als ich in leicht desolatem Zustand, überbeweglich und zappelnd, mich mühsam mit Hilfe des Gehstocks fortbewegend, die Lobby betrat, reichte das für die Dame an der Rezeption aus, um für uns ein anderes Zimmer zu finden. Das konnte ich mit weniger Mühe erreichen. Diese zuvorkommende Art haben wir immer wieder erlebt: im Museum z.B. wurde ich sofort gefragt, ob ich nicht lieber einen Rollstuhl wünschte. In den großen Einkaufszentren stehen oft Rollstühle für Behinderte bereit. Sehr gern habe ich mich in den Museen in einen Rollstuhl gesetzt, war doch der Museumsbesuch auf diese Weise weniger anstrengend.

In Pensacola war Baden angesagt. So oft es ging fuhren wir nach Pensacola Beach und genossen das warme, angenehm salzhaltige Wasser im Golf von Mexiko. Als wir die Insel erkunden, stehen wir vor von Sandverwehungen zugewehten und kaum mehr passierbaren Kreuzungen. Wanderdünen sind das nicht. Vielmehr hat der Hurrikan Katrina diesen Sand in die Straßen gefegt. Wir sehen Häuser, die fast im Sand versunken sind.

Wir entdecken in der näheren Umgebung von Pensacola noch andere schöne Strände, z.B. Perdido Beach. Wegen der starken Sonnenintensität können wir nie lange am Strand bleiben. Rein ins Wasser, abkühlen, raus, in der Sonne trocknen lassen und ab in den Schatten. Doch wir haben unseren Rückflugtermin nicht vergessen und machen uns nach fünf Tagen Pensacola auf in Richtung Norden nach Montgomery, Alabama.

Auf dem Rückweg: Montgomery und Birmingham

Birmingham

Montgomery, Hauptstadt von Alabama, wirkt ruhig an diesem Sonnabendnachmittag. 150 Jahre zuvor wurde in dieser Stadt das erste "Weiße Haus" errichtet. Mit Montgomery verbunden ist die Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Bevölkerung der Südstaaten. Erst 1964 und 1965 waren die farbigen Amerikaner zumindest auf dem Papier gleichberechtigt. Zehn Jahre früher, 1955, begann diese Bewegung mit einem — damals ungeheuerlichen — Verhalten einer farbigen Frau, die in einem Bus saß: Rosa Parks weigerte sich, ihren Sitzplatz für einen Weißen zu räumen. Dafür wurde sie ins Gefängnis gesperrt. Martin Luther King, einer der bekanntesten Bürgerrechtler aus Montgomery organisierte 1963 einen Marsch auf Washington D.C., wo er seine berühmte Rede "I have a dream" hielt. Er wurde 1968 in Memphis, Tennessee, ermordet.

 

Wir erreichen Birmingham. Man geht auf einem Rundpfad an Skulpturen vorbei, die bedeutende Ereignisse der Bürgerrechtsbewegung darstellen. Es ist 12.00 Uhr und wir überlegen, ob wir noch eine Stunde bis zur Öffnung des Civil-Rights-Institute warten oder gleich weiter fahren sollen. Nach dem Motto: Wenn schon, denn schon, vertrödeln wir die eine Stunde. Wir bereuen unseren Besuch im Museum der Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung keinen Augenblick. Wir werden umfassend und sehr anschaulich über die geschichtlichen Ereignisse informiert.

Am Sonntagabend fahren wir bis tief in die Dunkelheit noch weiter in Richtung Osten, übernachten unterwegs noch einmal und erreichen unseren Ausgangspunkt Marietta, nordwestlich von Atlanta. Ein ganzer Tag verbleibt uns, um abzuspannen. Wir gucken uns Marietta an, gehen ins Museum "Gone with the Wind", in dem alles, was irgendwie mit dem Buch und dem Film "Vom Winde verweht" in Zusammenhang steht, ausgestellt ist.

Mittwoch wird dann nur noch gepackt. Um 16.00 Uhr startet die Maschine ...
Bye bye America. We shall come back ...
Dreieinhalb sehr interessante Wochen liegen hinter uns. Wir freuen uns auf Zuhause. Was für eine tolle Reise!

Haben Sie ebenfalls interessante Alltagserfahrungen mit Morbus Parkinson gemacht, über die Sie berichten möchten? Dann nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf.

Angela Giertz-Birkholtz, Fotos: Horst Birkholtz

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