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Reisevorbereitungen

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Eine Reihe von Koffern

Voraussetzung der gut gelungenen Reise eines Parkinsonpatienten ist die richtige Reiseplanung und Vorbereitung.

Wenn die Reisezeit fest steht, sollte rechtzeitig ein Besuch beim behandelnden Neurologen erfolgen. Er kann auch bezüglich des geplanten Reiseziels seine Meinung äußern und den Patienten auf Besonderheiten der geplanten Reise hinweisen.

Wenn neben der Parkinson-Krankheit auch andere z.B. internistische Krankheiten bestehen, sollten auch die anderen behandelnden Ärzte um Rat gefragt werden! Häufig ist nicht die Parkinson-Krankheit, sondern z.B. eine bestehende Herzerkrankung der einschränkende Faktor bei der Reise.

  • In einigen Ländern wird bei Einfuhr von Medikamenten an der Grenze eine ärztliche Bescheinigung verlangt. Die behandelnden Ärzte können solche Bescheinigungen (möglichst in englischer Sprache) ausstellen, mit den Diagnosen und mit der notwendigen Menge der Medikamente. Die Botschaften und die Reisebüros können Auskunft erteilen, ob der Reisende für das Reiseland eine solche Bescheinigung benötigt.
  • Für die ganze Dauer der Reise sollte man mehr als ausreichend Medikamente aus Deutschland mitnehmen. Es ist gar nicht sicher, dass man im Zielland die notwendigen Medikamente bekommen kann. Die Medikamente sollen lieber im Handgepäck verstaut sein, nicht im aufgegebenen Koffer. Wie oft landet das Gepäck sogar auf einem anderen Kontinent! Der Ausfall der Medikation kann in kürzester Zeit zu erheblichen gesundheitlichen Komplikationen führen, deswegen sollte man auch eine Notfallration separat mitführen.
  • Für den Fall, dass man im Reiseland doch Medikamente kaufen muss, kann der Apotheker Auskunft geben, auf welchen Namen Ihre Medikamente im Reiseland erhältlich sind. Häufig hilft auch der Wirkstoffname weiter. Auch der Wirkstoffgehalt in mg ist wichtig!
  • Mit dem Arzt sollte auch geklärt werden, was zu tun ist, wenn während der Reise gesundheitliche Probleme auftreten. Leider können wir nicht immer damit rechnen, dass die gesundheitliche Versorgung in jedem Land ähnlich ist wie zu Hause. Hinzu kommen häufig noch die Sprachschwierigkeiten. Zu klären ist auch, was neben den Parkinsonmitteln und anderen regelmäßig genommenen Medikamenten zusätzlich in die Reiseapotheke gehört. So z.B.: Was soll eingenommen werden, wenn einem übel wird? (Keine Metoclopramid-haltigen Medikamente sondern Domperidon, wegen Gefahr der akuten Verschlechterung der Parkinson-Symptome!), Was ist zu tun bei einem Reisedurchfall? (Kohle-Kompretten, Imodium, eventuell Antibiotikum, mindestens 3 Liter Flüssigkeit und daran denken, dass infolge des Durchfalls Austrocknung droht und auch die Wirkung der Antiparkinson-Mittel abgeschwächt ist!)
  • Besprechen sollte der Patient mit dem behandelnden Arzt auch den Fall, wenn sich aus irgendeinem Grund die Parkinson-Symptomatik verschlechtern sollte. Wie sollte die Medikation geändert werden, was sollte man eventuell zusätzlich nehmen.
  • Der Arzt kann auch darüber Auskunft geben, ob die notwendigen Medikamente im Reiseland zu stärkeren Nebenwirkungen führen können, z.B. Sonnenallergie, Wasseransammlung, verstärkte Austrocknung usw.
  • Für die Reise sollte der Parkinson-Ausweis, der Narkose-Anhänger, die Narkose-Broschüre der dPV und ein Zettel mit den wichtigsten Krankheiten, möglichst mit den lateinischen Namen der Krankheiten, mitgenommen werden.
  • Eine Information über deutsch sprechende Ärzte und medizinische Einrichtungen im Reiseland ist oft hilfreich. Auch die Reiseunternehmen haben solche Informationen.
  • Bei Bahn- oder Flugreisen gibt es häufig besondere Hilfen für kranke Menschen. Der Reiseveranstalter oder das Reisebüro kann solche Hilfen organisieren.
  • Wichtig ist auch die Mitnahme geeigneter Kleidung. Für das warme, feuchte Klima ist durchlässige, leichte Kleidung geeignet, möglichst ohne Kunststofffaser. Kopfbedeckung und Sonnenschutz sind unbedingt notwendig! Wegen der starken Schweißbildung ist noch häufigerer Wechsel der Kleidung notwendig als zu Hause! Für kältere Klimazonen ist ausreichend warme, mehrschichtige Kleidung erforderlich. Die Wärmeempfindung von Parkinson-Patienten ist häufig gestört, infolge dessen droht Erkältungsgefahr!
  • Die Planung der Reiseroute sollte sorgfältig geschehen, ohne Zeitnot, mit Ruhetagen.
  • Insbesondere bei starker Zeitverschiebung sollte nach der Ankunft am Reiseziel aber auch nach der Rückreise genügend Zeit (1-2 Tage) für die Akkommodation eingeplant werden. Es ist zweckmäßig, sich nach der Ankunft an der Ortszeit zu orientieren.

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen