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Reiseziele

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Füße baumeln von einer Palme über dem Meer

Das Reiseziel wird einerseits durch die individuellen Vorlieben und Wünsche, andererseits durch die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit bestimmt. Das Wiederholen früherer Reisen und Erholungsaufenthalte ist sicherlich vorteilhaft, wobei allerdings nicht vergessen werden darf, dass die damalige körperliche Leistung krankheitsbedingt nicht mehr erreicht werden kann. Aufenthalte für mehrere Tage an dem selben Ort bieten gute Erholung und bedeuten weniger Stress. Ebenso sind Schiffsreisen (bei gutem Wetter!) eher stressfrei und geben durch die Erholungstage auf See zwischen den Landausflügen ausreichend Gelegenheit für die körperliche Regenerierung. Auch Flussreisen (Donau, Rhein) werden von Parkinson-Patienten als angenehm empfunden, Reisebüros bieten sogar medizinisch begleitete Schifffahrten zwischen Passau und dem Eisernen Tor auf der Donau an. Auch geführte Busreisen im klimatisierten Reisebus ohne Hektik (keine „Deutschland in 3 Tagen“- Reise) sind empfehlenswert.

 

Fernere Reiseziele können nur per Flugzeug erreicht werden, aber auch innerhalb Europas kann ein 2-stündiger Flug weniger belastend sein als eine 12-stündige Bahn- oder Autofahrt. Bei längerer Anreise mit dem eigenen Auto, wenn der Patient in der Lage ist, selbst zu fahren, ist die richtige Routenplanung mit kürzeren Fahrtstrecken und längeren Ruhepausen von großer Bedeutung. Ein Auto mit Klimaanlage erleichtert die Anreise, besonders in den heißen Sommermonaten.

Auch die Jahreszeit spielt bei der Auswahl der Reiseziele eine wichtige Rolle. Tropische Klimazonen sollten nicht in der wärmsten Jahreszeit aufgesucht werden, andererseits ist eine Reise ins wohlige Klima der spanischen Inseln, wenn bei uns winterliche Verhältnisse herrschen, erholsam.

Je fortgeschrittener die Krankheit wird und je stärker die körperlichen Symptome werden, desto weniger wird man exotische Ziele mit großem Zeitunterschied und drastischer klimatischer Umstellung wählen. Die Zunahme der Symptomatik schließt aber nicht aus, dass Patienten, die auf Gehhilfen oder auf einen Rollstuhl angewiesen sind, nicht verreisen dürfen. In diesem Falle ist aber zu empfehlen, nicht ohne Begleitung zu reisen.

Besonders zu erwähnen ist das so genannte Reizklima am Meer oder im Hochgebirge. Ältere Lehrbücher schreiben bezüglich der Parkinson-Krankheit, dass das Reizklima für Parkinson-Patienten ungünstig sei. Diese Empfehlung stammt aus einer Zeit nach dem ersten Weltkrieg, in der die meisten Parkinson-Patienten eine besondere Form der Erkrankung hatten. Diese Krankheit mit schweren vegetativen Symptomen war Folge einer Gehirnentzündung, der so genannten „spanischen Epidemie“. Mindestens seit der Eröffnung einer Parkinson-Abteilung im Hochseeklima auf Helgoland wissen wir aber, dass diese Einschränkung für die meisten Parkinson-Patienten nicht gilt.

Bei Reisen von Parkinson-Patienten, die eine fortgeschrittene dementielle Entwicklung haben und zur Verwirrtheit neigen, ist Vorsicht geboten. Diese Patienten dürfen selbstverständlich nie alleine, ohne gut bekannte Bezugspersonen reisen, aber auch die Auswahl der Reiseziele ist besonders wichtig. Neben der sehr eingeschränkten körperlichen und psychischen Belastbarkeit ist auch die Tatsache zu berücksichtigen, dass schon der reisebedingte Stress aber insbesondere der Milieuwechsel eine akute Verschlechterung des psychischen Zustandes mit sich bringen kann. Für solche Patienten kommt eine Reise in eine von früher gut bekannte Umgebung mit wenig Stress in Frage.

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen