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Sommerhitze und Parkinson

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi

Ein ernst zu nehmendes Problem kann die Sommerhitze für Parkinson-Patienten bedeuten. Die durch die hohen Außentemperaturen ausgelösten Komplikationen der Krankheit sind insbesondere bei Reisen in Tropenländer von großer Bedeutung, die Temperaturen im Sommer über 30 Grad können aber auch hierzulande eine Gefährdung darstellen. Die diesjährige Hitzeperiode gibt diesem Thema eine besondere Aktualität.

Wärmeregulationsstörungen - Schwitzen - Austrocknung

Viele Parkinson-Patienten haben eine gestörte Wärmeregulation und eine falsche Wärme- oder Kälteempfindung. Sie gehen auch bei extremer Kälte spärlich bekleidet auf die Straße. Andererseits leiden sie unter starkem Schwitzen, auch ohne körperliche Anstrengung oder große Hitze. Das Schwitzen ist besonders in der Nacht sehr ausgeprägt, die Patienten haben regelrechte Schweißausbrüche, sie wechseln in der Nacht den Schlafanzug oder die Bettwäsche.

Infolge der gestörten Wärmeregulierung und des übermäßigen Schwitzens sind die Patienten bei Hitze extrem gefährdet. Wenn die Flüssigkeitsaufnahme nicht ausreichend ist, kann schnell eine Austrocknung des Körpers (Exsiccose) auftreten. Dies kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen (akinetische Krise) und psychischen Entgleisungen (Verwirrtheit, Halluzinationen) führen.

Parkinsonpatientin trinkt ein Glas Wasser

Die Notwendigkeit des ausreichenden Trinkens kann man nicht oft genug betonen! Zahlreiche Parkinson-Patienten werden in den Sommermonaten mit erheblicher Verschlechterung der körperlichen Symptome oder mit Verwirrtheit ins Krankenhaus eingewiesen. Zum Glück kann der Zustand der Patienten mit Flüssigkeitsinfusionen im Allgemeinen rasch normalisiert werden.

Eine Flüssigkeitsmenge von ca. 3 Litern, alles zusammengerechnet - wenn andere Erkrankungen das Trinken nicht begrenzen - sind anzuraten, bei extremer Hitze sogar mehr. Diese Menge zu erreichen, ist bei vielen, überwiegend älteren Patienten, die ein reduziertes Durstgefühl haben, schwierig. Alkohol- und Koffeinhaltige Getränke sind bei Hitze zu vermeiden. Eiskalte Getränke verstärken das Schwitzen.

Bei extremen Außentemperaturen sollten die Patienten die Wohnung nicht verlassen. Die Spaziergänge kann man in die Abendstunden verlagern, wenn die Temperaturen erträglicher sind. Wenn man tagsüber doch außer Haus geht, sollte man eine entsprechende luftdurchlässige Kopfbedeckung tragen und eine Trinkflasche mit ausreichender Flüssigkeit bei sich haben. Auf keinen Fall soll der Patient bei glühender Hitze in der Sonne schwere körperliche Tätigkeiten oder sogar Sport ausüben. Auch auf eine angepasste Kleidung ist zu achten (siehe gestörte Wärmeempfindung!).

Ein Aufenthalt in sehr heißer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit sollte vermieden werden.

Gegen Schwitzen können Medikamente eine Linderung mit sich bringen. Diese so genannten Anticholinergika können aber durch Hemmung der Schweißsekretion bei großer Hitze auch Gefahren bereiten: das Schwitzen führt normalerweise zur Abkühlung des Körpers, das reduzierte Schwitzen verhindert dies. Dadurch kann es zu einer verminderten Wärmeabgabe und so zum Hitzestau oder sogar zum Hitzschlag kommen. Ähnlich ist es bei einigen Antidepressiva und Neuroleptika. Harntreibende Mittel können die Gefahr der Austrocknung erhöhen.

Einige Parkinson-verwandte Krankheitsbilder, z.B. die Multisystematrophie (MSA) führt häufig zu fehlendem oder vermindertem Schwitzen. Diese Patienten sind bei Hitze durch Austrocknung besonders gefährdet. Hitzegefährdet sind auch die Demenz-Patienten durch fehlende Eigenkontrolle des Trinkens.

Hitzeerschöpfung, Hitzschlag

Die Hitzeerschöpfung tritt in erster Linie bei älteren Patienten auf, die Symptome sind Schwäche, Schwindel, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen. Wegen des niedrigen Blutdrucks ist auch ein Kollaps möglich. Sie ist die Folge von Erweiterung der Blutgefäße, des starken Schwitzens und der unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme bei hohen Außentemperaturen. Glücklicherweise normalisiert sich der Zustand nach rascher Einleitung der notwendigen Maßnahmen (Flüssigkeitszufuhr).

Der Hitzschlag ist als ärztlicher Notfall zu betrachten und zu behandeln. Er wird durch länger anhaltende hohe Temperaturen bei gleichzeitiger eingeschränkter Wärmeabgabe ausgelöst. Symptome sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Bewusstseinseinschränkungen, Koma (bei Hirnödem). Die Körpertemperaturen sind erhöht (bis 40 Grad), Fieberkrämpfe sind möglich. Der Zustand ist lebensbedrohlich, akute Komplikationen bis zum Nierenversagen können auftreten. Die Symptome sollten nicht verwechselt werden mit einer akuten Infektion.

Pflegebedürftige Patienten bei Hitze

Bei pflegebedürftigen Patienten sind die oben genannten Gefahren noch ausgeprägter. Sie sind bei Bettlägerigkeit, eingeschränkter Mobilität, Schluckstörungen, Demenz, Verwirrtheit, Sprachstörungen besonders gefährdet. Hier übernehmen die pflegenden Angehörigen eine große Verantwortung. Sie müssen in erster Linie auf die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme achten. Es hat sich bewährt, dass man die Tagesration der Getränke in nummerierten Flaschen vorbereitet. Auch ein Trinkplan mit aufgezeichneter Trinkmenge ist hilfreich. Die Patienten müssen ständig zum ausreichenden Trinken animiert werden. Geeignete Trinkgefäße sollten ständig nachgefüllt und in Reichweite des Patienten gehalten werden. Auch geeignete Hilfsmittel zum Trinken sind notwendig.

Das Raumklima ist ebenfalls wichtig, man kann die Räume früh morgens, noch bei niedrigeren Außentemperaturen gut durchlüften und tagsüber die Fenster schließen und die Rollläden herunterlassen.

Bezüglich eventueller hitzebedingter Änderung der Medikation ist mit dem behandelnden Arzt Kontakt aufzunehmen.

Ernährung bei Hitze

Die Ernährung sollte bei extremer Hitze angepasst werden. Bei Schwitzen ist der Salzverlust extrem, deswegen sollten salzhaltige Speisen, Hühnerbrühe, Gemüsebrühe, Salzstangen gereicht werden. Leichte, schnell verdauliche Gerichte sind bei hohen Außentemperaturen günstiger.

Lagerung der Medikamente bei Hitze

Arzneimittel dürfen nicht in der Sonne liegen oder bei sehr hohen Temperaturen gelagert werden. Sie können sich verändern und die Wirksamkeit verlieren. Empfehlungen für die Aufbewahrung sind im Beipackzettel bzw. auf der Schachtel zu finden. Bei extremer Hitze kann auch schon die Zimmertemperatur zu hoch sein! In einem in der Sonne stehenden Auto entstehen Temperaturen bis zu 60 bzw.70 Grad! Zu kühlende Medikamente sind entsprechend gekennzeichnet (Kühlschrank, bei Reisen Kühltasche).

Stand August 2012 | Dr. Ferenc Fornadi