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Badezimmer

Stand April 2013 | Dipl.-Ing. Frank Opper (Architekt, Kaarst)

Worauf Sie beim barrierefreien Umbau Ihrer Wohnung achten sollten - Badezimmer

Das barrierefreie Badezimmer

WC

Sehr wichtig im WC-Bereich sind ausreichende Bewegungsflächen.

Grundsätzlich ist immer alles möglich. Es stellt sich aber die Frage, ob ein barrierefreier Umbau im Bestand auch die beste Versorgungslösung für den betroffenen Bauherrn oder Mieter bedeutet. Hier sind neben den finanziellen Kriterien auch die individuellen Ansprüche zu beachten. Eine vernünftige Bestandsaufnahme sollte somit die Basis aller barrierefreien Umbauten sein. Hier ist die Unterstützung und Erfahrung eines versierten Architekten und/oder Bauingenieurs gefragt. Diese sollten insbesondere viel Erfahrung im Bereich des barrierefreien Planens und Bauens haben und mit dem Umgang von Sozial- und Versicherungsträgern vertraut sein. Nur dann können individuelle, barrierefreie Lösungen argumentiert, gefördert und sinnvoll umgesetzt werden.

 

Folgende Punkte sollten vor jeder barrierefreien Planung überprüft werden:

  • Die Feststellung der individuellen baulichen Bedürfnisse bezüglich der Behinderung des Betroffenen.
  • Eine Prüfung der baukonstruktiven und physikalischen Gegebenheiten durch einen Fachexperten.
  • Eine Kostenschätzung und Gegenüberstellung in Bezug auf Umbau- und Neubaumaßnahmen.
  • Die Berücksichtigung der Zukunftspläne und Entwicklung des Betroffenen in gesundheitlicher, beruflicher und familiärer Hinsicht.
  • Die Überprüfung der gesicherten Finanzierung sowie die Zuständigkeitsprüfung von Kostenträgern für eine Bauförderung.

In der Umsetzung sollten barrierefreie Lösungen möglichst integriert und universell sein, vielen dienen und niemanden erneut auf andere Weise behindern. Ein barrierefreier Umbau bedeutet die Beseitigung von Hindernissen, die manche Menschen erst zu Behinderten werden lässt und stellt somit ein allen zugute kommendes Anliegen dar.

In der Umsetzung sollten barrierefreie Lösungen möglichst integriert und universell sein, vielen dienen und niemanden erneut auf andere Weise behindern. Ein barrierefreier Umbau bedeutet die Beseitigung von Hindernissen, die manche Menschen erst zu Behinderten werden lässt und stellt somit ein allen zugute kommendes Anliegen dar.

Die Planungsgrundlagen für eine barrierefreie Baumaßnahme werden in Deutschland in den Industrienormen 18024 und 18025 vorgegeben. Dabei beschreibt die DIN 18024 die Planungsgrundlagen für Straßen, Plätze und Wege sowie die öffentlichen Zugänge von Gebäuden. Die DIN 18025 beinhaltet die Planungsgrundlagen des Wohnungsbaus für mobil eingeschränkte oder blinde Menschen. Im privaten Bereich müssen die Ausführungen den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten angepasst werden. Da die vorgegebenen Normen bezüglich des barrierefreien Bauens für alle Behinderungen und überwiegend für den öffentlichen Bereich entwickelt wurden, sollten diese für den privaten Bereich überprüft werden. Hier sind individuelle Lösungen gefragt, die von der DIN abweichen können. Der Mensch kann nun mal nicht durch eine Norm definiert werden. Selbst Menschen mit gleicher Behinderung können unterschiedliche Fähigkeiten besitzen.

Aber Achtung: Sollten Kostenträger am Umbau beteiligt sein, müssen Abweichungen von den Industrienormen unbedingt mit den Kostenträgern abgesprochen und von diesen genehmigt werden. Eine Streichung der Kostenübernahme könnte sonst die Folge sein.

Die größten Anforderungen einer barrierefreien Umgebung im privaten Bereich werden bei der Planung an ein barrierefreies, rollstuhlgerechtes Badezimmer gestellt.

Es bestehen unterschiedliche Anforderungen an die einzelnen Funktionsbereiche, die individuell auf die Bedürfnisse des Betroffenen und dessen Behinderung abgestimmt werden müssen. Dies gilt auch für die Bedürfnisse von Menschen, die an Parkinson erkrankt sind.
Insbesondere bei einem barrierefreien Badezimmerumbau sollte man bei der Umsetzung auf die Erfahrung eines Planungsbüros mit fundierten Kenntnissen im Bereich des barrierefreien Planens im Bestand zurückgreifen.
Neben einer ausreichenden Wärmeversorgung, einem rutschsicheren Bodenbelag, technischen Hilfsmitteln und den ausreichend großen Bewegungsflächen und Montagehöhen, gibt es viele weitere Merkmale eines barrierefreien Badezimmers.
Dabei sollte auch eine moderne Gestaltung zu Ausführung kommen, bei der die Bequemlichkeit im Vordergrund steht und nicht als Luxus, sondern als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Für solch eine Gestaltung, die Mobilität ermöglicht und Dynamik ausstrahlt, sind glücklicher Weise viele neue, moderne und anpassungsfähige Produkte entwickelt worden.

Bezugnehmend auf die einzelnen Funktionsbereiche eines modernen Bades beschreibt die folgende Checkliste die wichtigsten barrierefreien Merkmale, die individuell an die einzelnen Ansprüche anzupassen sind.

Checkliste barrierefreies Badezimmer:

Sitzgelegenheit vor Waschbecken

Eine Sitzgelegenheit im Bad ist nicht nur für Behinderte nützlich.

 

Funktionsbereich Waschtisch:

  • Ist für eine Pflegeperson seitlicher Bewegungsraum nötig?
  • Ist die frontale Benutzung des Waschtisches gewährleistet?
  • Ist der Waschtisch unterfahrbar? (Rollstuhltauglich)?
  • Sind genügend Ablageflächen im Greifbereich?
  • Werden Haltegriffe benötigt?
  • Sind die Armaturen funktionsgerecht.
  • Wird eine herausziehbare Handbrause benötigt?
  • Ist eine Thermostatarmatur notwendig? (Verbrühungsschutz)
  • Muss der Siphon zurückversetzt werden? (Unterfahrbarkeit)
  • Kann der Spiegel auch in sitzender Position benutzt werden?
  • Ist der Waschplatz ausreichend beleuchtet?
  • Wird eine Sitzgelegenheit benötigt?

Funktionsbereich WC:

  • Wird ein zusätzlicher Bewegungsraum (links/rechts) neben dem WC benötigt? (Rollstuhlfahrer 95 cm)
  • Sind ausreichende Bewegungsflächen vor dem WC vorhanden?
  • Ist ein WC mit größerer Einbautiefe (70 cm) erforderlich?
  • Ist die Montagehöhe des WC individuell angepasst?
  • Wird das WC mit einem Toilettenrollstuhl benutzt? (Einbautiefe/- höhe anpassen)
  • Kann die Spülung problemlos bedient werden? (auch aus der Sitzposition)
  • Ist der WC-Papierhalter problemlos erreichbar? (auch aus der Sitzposition)
  • Werden Halte-/Klappgriffe benötigt? (Montageabstand beachten)
  • Ist eine integrierte Spülbedienung oder Papierhalter im Klappgriff notwendig?
  • Wird eine Rückenstütze zur höheren Sicherheit benötigt?
  • Sind automatische WC-Systeme sinnvoll? (höhenverstellbar/ Unterdusche)

Funktionsbereich Duschplatz:

  • Ist ein ebenerdiger Duschplatz erforderlich? (Rollstuhlfahrer 1,50 m x 1,50 m)
  • Müssen Haltegriffe vorgesehen werden?
  • Ist ein rutschsicherer Bodenbelag eingebaut worden?
  • Wird ein Duschsitz benötigt? (Sitzplatzabmauerung, Klappsitz, Hocker, Einhängesitz)
  • Werden ergänzende Armlehnen benötigt?
  • Sind zugängliche Ablagemöglichkeiten vorhanden?
  • Sind die Armaturen funktionsgerecht? (behinderungsbedingt)
  • Ist eine Höhenverstellbarkeit der Handbrause gegeben?
  • Ist eine zusätzliche Kopfbrause notwendig?
  • Ist eine Thermostatarmatur notwendig? (Verbrühungsschutz)
  • Wird ein Spritzschutz für Pflegepersonal benötigt?
  • Ist die Duschabtrennung barrierefrei zu nutzen und nach außen zu öffnen?
  • Sind die Glasflächen kontrastreich gekennzeichnet und bruchsicher?

Funktionsbereich Badewanne:

  • Sind ausreichende Bewegungsflächen vor der Badewanne vorhanden?
  • Ist die Einbauhöhe den individuellen Bedürfnissen angepasst?
  • Ist ein rutschsicherer Zugang gegeben?
  • Wird eine Sitzfläche vor oder seitlich der Wanne benötigt?Kann die Armatur problemlos bedient werden? (auch aus der Badewanne)
  • Ist eine Thermostatarmatur notwendig? (Verbrühungsschutz)
  • Ist der Wannenablauf auch außerhalb der Wanne zu bedienen?
  • Wird eine zusätzliche Handbrause benötigt und ist diese problemlos zu erreichen?
  • Werden Halte- oder Klappgriffe benötigt? (in oder seitlich der Wanne)
  • Wird ein Badewannen-Lifter oder Hubanlage benötigt?
  • Werden sonstige Einstieghilfen benötigt?
  • Wird eine rutschsichere Einlegematte benötigt?
  • Wird ein Wannensitz benötigt?

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Villeroy & Boch AG

Stand April 2013 | Dipl.-Ing. Frank Opper (Architekt, Kaarst)