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Kälte macht Parkinson-Patienten krank....

Dr. med. Ilona Csoti
Dezember 2016


In den Wintermonaten geht es Parkinson-Patienten oft schlechter. Sie vertragen Kälte nicht gut. Warum ist das wohl so und was kann man dagegen tun?

Damit es unserem Körper gut geht, benötigt er eine bestimmte Betriebstemperatur im Körperinneren, Körperkerntemperatur genannt. Sie sorgt dafür, dass alle lebenswichtigen inneren Organe reibungslos funktionieren und liegt zwischen 36,3 und 37,4 °C. Ein Ansteigen dieses Sollwertes nennt man Fieber, ein Absinken Unterkühlung (Hypothermie). In engen Grenzen schwankt die Körperkerntemperatur und zeigt einen Tag-Nacht-Rhythmus mit einem morgendlichen Minimum, einem Anstieg am Nachmittag, nachts sinkt sie ab. Im Falle einer Unterkühlung werden im Körper sofort alle Hebel in Gang gesetzt, um die inneren Organe zu schützen. Er legt sozusagen "Kohle aufs Feuer", damit es wärmer wird. Die Durchblutung der Haut und der Arme und Beine wird reduziert (Sparmaßnahme) und durch den Einsatz von "Schüttelfrost" (rhythmisches Zucken der Muskeln) wird zusätzliche Wärme produziert. Im Gegensatz dazu unternimmt der Körper bei Fieber alles, um die Körperkerntemperatur abzusenken, er "schüttet Wasser aufs Feuer", indem er die Durchblutung anregt und durch Schwitzen die Wärmeabgabe erhöht.

Hört sich kompliziert an? Ist es auch und damit natürlich störanfällig. Verantwortlich für die Aufrechterhaltung einer angenehmen Solltemperatur ist eine intakte Temperatur- oder Thermoregulation. Sie besteht aus den Temperatursensoren in der Haut und im Körperinneren, welche die Werte über Nervenbahnen ständig an ein Messzentrum im Gehirn, den Hypothalamus, weiterleiten, welcher wiederum durch Rückmeldung an Haut, Drüsen und Muskulatur alle notwendigen Hebel in Gang setzt, um eine physiologische Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.

Verantwortlich für eine gute Thermoregulation ist u.a. ein gut funktionierendes vegetatives Nervensystem mit seinen dazu gehörenden Neurohormonen. Dieses ist jedoch, wie wir bereits wissen, bei Parkinson-Patienten in seiner Funktion gestört. So nehmen Parkinson-Patienten Kälte als solche oft nicht korrekt wahr, da die Temperaturmessfühler der Haut nicht richtig arbeiten.

Abbildung 1: Temperaturregulation

Sie kleiden sich trotz extremer Kälte oft zu spärlich und unterstützen so das Auskühlen der Haut und der Muskulatur. Durch das Auskühlen verschlechtert sich jedoch die Durchblutung der Muskulatur und die Muskelsteifheit (Rigor) nimmt zu. Sofern sich Patienten nicht richtig kleiden, muss der Körper viel Energie aufbringen, um "gegen diese Auskühlung anzuheizen", dies kostete Kraft, die Pat. sind eher erschöpft und müde. Einige Patienten berichten auch über eine Zunahme des Tremors (Zittern) bei Kälte. Nimmt der Rigor zu, folgt die Bewegungsverlangsamung, alles wird langsamer und steifer.

Infolge der Zunahme der Steifheit und oft auch aufgrund widriger Wetterverhältnisse mit Schnee und Glatteis werden auch die täglich notwenigen Bewegungsübungen deutlich limitiert. Der tägliche übliche Spaziergang, der Gang mit den Nordic-Walking Stöcken oder die Rundfahrt mit dem Fahrrad entfallen. Weniger Bewegung bei Parkinson zieht ebenfalls eine Verschlechterung mit Zunahme der Steifheit und Unbeweglichkeit nach sich.

Durch das rasche Dunkelwerden kommt es in den Wintermonaten zudem auch zu einer Verschlechterung der Stimmungslage ("Winterblues") und zu einem Mangel am Sonnenhormon Vitamin D. Fehlen Sonne und Vitamin D, leidet das Immunsystem, welches im Winter eigentlich viel zu tun hat und auf Hochtouren laufen sollte, um Infekte abzuwehren.

Da viele Patienten das Medikament Amantadin einnehmen, sind sie vor Erkältungen ganz gut geschützt, denn Amantadin ist ja eigentlich ein Anti-Grippemittel! Wenn sie jedoch durch die falsche Wärme- und Kälteempfindung auch noch unter starkem Schwitzen leiden, auch ohne körperliche Anstrengung oder große Hitze, dann sind sie im Winter besonders anfällig für Infekte. Denn häufig ist das Schwitzen besonders in der Nacht sehr ausgeprägt, es kommt zu regelrechten Schweißausbrüchen, als hätte man Fieber. Bettwäsche und Nachtkleidung sind vollkommen durchnässt und müssen nicht selten gewechselt werden.

11 hilfreiche Hinweise gegen M Parkinson im Winter

Kurbeln Sie Ihre Durchblutung an
Gehen Sie täglich an die frische Luft, auch bei Kälte, Sauna und Kneipp-Wechselduschen, nach dem Duschen Trockenbürstenmassagen, härten Sie sich ab!

Bewegen Sie sich täglich
Sofern es zu kalt oder glatt ist, sollten die täglichen nötigen Bewegungsübungen in der Wohnung stattfinden. Morgengymnastik ist unabhängig vom Wetter, jedoch sollte die Zimmertemperatur angenehm warm sein. Üben Sie nicht in einem zu kalten Raum! Wer kein Heimfahrrad oder Stepper zur Verfügung hat, kann auch das Thera-Band zu Hilfe nehmen. Viele Übungen sind völlig unabhängig von externen Hilfsmitteln - nur "der innere Schweinehund" muss besiegt werden. Einige meiner Patienten schalten jeden Morgen das Bayrische Fernsehen ein, dort gibt es täglich Frühsport mit Tele-Gymnastik (Tele-Gym). Alternativen: Übungen auf YouTube: geben Sie die Stichworte "Parkinson" und "Gymnastik" ein oder mit der Nintendo Wii Sport Konsole. Hier sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Aufwärmen von innen
Trinken Sie heißen Tee oder genießen Sie eine heiße Suppe. Sie wirkt bei Kälte Wunder! Würzen Sie mit Chili oder Ingwer. Für unterwegs gibt es neben der traditionellen Thermoskanne bereits zahlreiche fantasievolle Isolierbehälter (Foodcontainer genannt!), hier können Sie von schwarz bis kunterbunt wählen. Der kleine Flachmann allerdings ist obsolet!

Warm anziehen
Ziehen Sie sich der Umgebungstemperatur angepasst an. Falls Sie verschiedenen Temperaturen ausgesetzt sind (Spazierengehen, Besuch eines Cafes...) nutzen Sie das Zwiebelschalenprinzip. Mehrere leichtere Kleidungsstücke übereinander sind besser als zwei dicke! Die Luftschicht zwischen der Kleidung isoliert zusätzlich und wenn es zu warm wird, kann man Schichten nach Bedarf abwerfen. Unterwäsche (Unterhemd, lange Unterhosen) hält besonders gut warm, auch wenn sie nicht so toll aussieht!

Vermeiden Sie Eisfüße
Tragen Sie warmes und nässedichtes Schuhwerk. Damit die Luft auch im Fußbereich zirkulieren kann, sollten die Schuhe nicht zu eng sein. Im Winter sollte man bequem dicke Socken tragen können. Wer unter kalten Füßen leidet, sollte Thermosohlen einlegen können. Falls sie Schnürschuhe tragen, binden Sie diese nicht zu fest, um die Blutzirkulation nicht zu hindern. Denken Sie daran:
"Den Kopf halt' kühl, die Füße warm, das macht den besten Doktor arm!"

Handschuhe tragen
Finger frieren schnell und einige Parkinson-Patienten bekommen bei Kälte schnell ganz weiße oder blaue Finger (M. Raynaud). Tragen Sie bereits ab Herbst Handschuhe, bei starker Kälte dicke Fausthandschuhe über leichten Fingerhandschuhen. Pulswärmer sind ebenfalls sehr effektiv. Patienten mit M. Raynaud sollten neben den Pulswärmern auch warme Stulpen über den Fußknöcheln tragen.

Nicht ins Schwitzen kommen
Beim Wandern oder Spazierengehen unbedingt Unterwäsche tragen, welche den Schweiß aufnimmt und schnell trocknet, es gibt dafür spezielle Funktionsunterwäsche im Fachgeschäft. Sie sollte eng anliegen. Die überliegenden Schichten sollten atmungsaktiv und leicht sein und ausreichend Wind- und Nässeschutz bieten.

Richtiges Atmen
Beim Einatmen kalter Luft muss diese auf dem Weg zur Lunge vom Körper erwärmt werden. Versuchen Sie deshalb, durch die Nase zu atmen, hier ist der Weg etwas länger und die Lunge bekommt keinen Schreck, wenn die kalte Luft ankommt. Ein Schal vor Mund und Nase ist ebenfalls hilfreich, da die Einatmungsluft bereits vorgewärmt wird.

Vermeiden Sie "Frostbeulen"
Wind und Wetter treffen direkt auf Ihr Gesicht. Die Haut sollte deshalb im Winter mit fetthaltiger Kälteschutzcreme gepflegt werden. Beim Wandern oder Skifahren in der glitzernden Wintersonne Kombipflege mit Kälte- und Sonnenschutz!. Pflegeprodukte mit hoher Feuchtigkeit sind eher für den Sommer geeignet, im Winter kann sich die Feuchtigkeit schnell in Eiskristalle verwandeln und Hautschäden verursachen. Und vergessen Sie die Sonnenbrille nicht - auch im Winter. Bei trockenen Augen ist bei Kälte und Wind eine Sonnenbrille mit Kantenschutz ein Segen.

Licht für die Seele
Sparen Sie nicht mit Licht in Ihrer Wohnung. Die Dunkelheit lockt die Depression hinter dem Ofen hervor. Also alle Schalter an und Lichter in den Fenstern für die verlorenen Seelen. Für Patienten mit Winterdepression gibt es mehrere Studien über eine Besserung durch Lichttherapie. Entsprechende Lichtduschen bzw. Tageslicht-Lampen sind im Fachhandel oder im www (Suchwort Lichttherapie) zu erschwinglichen Preisen zu erwerben.

Sorgen Sie für das Sonnenhormon
In den Wintermonaten fällt es schwer, genügend Sonne für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D (Fisch, Ei, Käse, Avocados, Champignons...) zu tanken, selbst gesunden jüngeren Menschen. Parkinson-Patienten leiden jedoch ohnehin oft an einem Vitamin-D-Mangel. Ernähren Sie sich deshalb bewusst Vitamin-D-reich und nehmen Sie über den Winter zusätzlich Vitamin D in Kapselform ein, es gibt Kapseln für die tägliche oder wöchentliche Einnahme, ganz nach Wunsch. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten!


Dr. med. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen
Karl-Ferdinand-Broll-Str. 2-4
35638 Leun-Biskirchen