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Das TROCKENE AUGE

Dr. med. Ilona Csoti
Mai 2017

Hautalterung bei Parkinson


Hautalterung ©Jürgen Fälchle - Fotolia

Meine Augen tränen ständig - Was tun?

Es mag zwar paradox klingen, doch die Ursache des ständigen Augentränens ist das sogenannte "trockene Auge". Der medizinische Fachbegriff lautet: Keratokonjunctivitis sicca, Sicca-Syndrom oder Sicca-Symptomatik, englisch: dry eye syndrome. Da auch langes Arbeiten am PC oder langes "Zocken" am PC zu trockenen Augen führen kann, werden synonym auch Begriffe wie "Gamer-Eye" oder "Office-Eye" verwendet.

Meine PSP-Patienten berichten oft über ständiges Augentränen oder auch ein reibendes, juckendes oder brennendes Gefühl in den Augen, "wie Sand in den Augen". Die Sonne blendet mehr, die Lichtempfindlichkeit nimmt zu und die Pat. tragen aus diesem Grund häufig eine verdunkelte Brille oder eine Sonnenbrille. Wenn ich Ihnen dann mitteile, dass sie unter einem "trockenen Auge" leiden, sind sie sehr erstaunt, manchmal sogar etwas skeptisch, da das Auge ja ständig träne und eben nicht trocken sei. Folgende Erklärung ist dann oft hilfreich:

Für das trockene Auge kommen viele Ursachen in Frage, bei PSP jedoch insbesondere die erheblich verminderte Blink- oder Blinzelrate. Schon Parkinson-Patienten haben eine verminderte Blinkrate und leiden ebenfalls häufig unter trockenen Augen, viel ausgeprägter ist dies jedoch bei PSP. Dieses seltene Blinzeln trägt mit zum typischen starren bzw. erstaunten Blick bei PSP bei. Man nimmt an, dass durch die Krankheit der "Taktgeber" für das Blinzeln beeinträchtigt ist. Durch das seltene Blinzeln trocknet der Tränenfilm, der das Auge überzieht, aus. Es ist anzunehmen, dass auch die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit nicht ganz optimal ist, ähnlich dem "zähen Speichel".

Symptome

Folgende Symptome können auftreten:

ständiges Augentränen, Verschwommensehen, erhöhte Lichtempfindlichkeit, Entzündungen der Augen oder der Augenlider, verklebte Augenlider, müde Augen, Druckgefühl auf den Augen, gerötete Augen, Augenbrennen, Fremdkörper- bzw. Sandkörnchengefühl in den Augen usw.

Was genau passiert?

Das Blinzeln hat zwei Funktionen, zum einen eine Pumpfunktion - die Tränenflüssigkeit wird dadurch auf die Augenoberfläche gepumpt, und zum anderen eine Scheibenwischerfunktion - die Tränenflüssigkeit wird über die gesamte Augenoberfläche gleichmäßig verteilt, damit man gut und deutlich sehen kann.

Der gesunde Mensch produziert etwa 1.5 Milliliter Tränenflüssigkeit pro Tag. Mit Hilfe dieser Flüssigkeit wird die Augenoberfläche glatt und geschmeidig gehalten, sie transportiert Sauerstoff und Nährstoffe, spült Staub und Fremdkörper aus dem Auge und wehrt Krankheitserreger ab. Im Schlaf durchläuft das Auge ein komplettes Reinigungsprogramm. Im Ergebnis findet man frühmorgens kleinen Sandkörnchen im Augenwinkel, welche täglich sorgfältig gereinigt werden müssen. Das gesunde Auge blinzelt in 10 Sekunden etwa 3mal.

Der aus der Tränenflüssigkeit entstehende Tränenfilm über dem Auge besteht aus Wasser, Fett und Schleim und hält die Augenoberfläche feucht. Direkt auf der Hornhaut liegt eine dünne Schleimschicht, die die Hornhaut benetzbar macht. Aufgelagert ist eine wässrige Schicht mit Nährstoffen, Salzen und keimtötenden Abwehrstoffen, welche das Auge vor Infektionen schützen. Um ein Verdunsten zu vermeiden, ist dies wässrige Schicht von einer dünnen Fettschicht überzogen. Diese Fettschicht verhindert, dass die Tränenflüssigkeit einfach aus dem Auge läuft. Im Normalfall fließt die Tränenflüssigkeit über die Tränenpünktchen am inneren Lidrand in die Tränenkanälchen, von dort in den Tränensack und zuletzt in die Nase.

Damit man gut und deutlich sehen kann, ist es wichtig, dass die Augen gleichmäßig und in ausreichender Menge befeuchtet werden. Kommt es nun durch eine verminderte Blinkrate zum Austrocknen der Fettschicht, kommt es paradoxerweise trotz einem trockenen Auge zum Herauslaufen der Tränenflüssigkeit über den Lidrand, dem typischen "Augentränen".

Wodurch nimmt die Augentrockenheit zu?

Langes Arbeiten am PC oder stundenlanges Fernsehen führen ebenfalls durch die dabei ebenfalls verminderten Blinkrate zu einem trockenen Auge. Auch Medikamente können zu einem Sicca-Syndrom führen bzw. ein bereits vorhandenes trockenes Auge verstärken: insbesondere Anticholinergika (einige Medikamente gegen Bluthochruck, Allergien, Depressionen, Parkinson, Inkontinenz, Bronchitis, Koliken), Neuroleptika, Beta-Blocker, Acetylsalisylsäure, Östrogene.

Untersuchung

Obgleich man das Trockene Auge schon allein anhand der Beschwerden des Patienten diagnostizieren kann, hat der Augenarzt verschiedene Möglichkeiten, diese Diagnose zu sichern. Mit verschiedenen Untersuchungen stellt er fest, ob der Tränenfilm intakt ist oder inwiefern die Tränenproduktion gestört ist. Bekannt ist der Schirmer-Test: ein Filterpapierstreifen wird einige Minuten in das Auge eingehängt und das Ausmaß der Befeuchtung wird gemessen. Mit Hilfe der Spaltlampe und dem Tearscope können Tränenfilm und der wichtige Ölanteil im Tränenfilm begutachtet werden.

Was kann man tun?

In den meisten Fällen kann mit einfachen Mitteln die Trockenheit der Augen gelindert und damit das Sehvermögen verbessert werden. Es gibt sehr viele Tränenersatzmittel, auch "künstliche Tränen" genannt. Neben einfachen Augengeltropfen und pflegenden Augensalben für die Nacht gibt es liposomale Augensprays und sogar winzigkleine Stöpselchen, Punctum Plugs genannt, womit in schweren Fällen die Tränenpünktchen verschlossen werden. Sie befinden sich am unteren Augenlid innen. Dadurch wird das Abfließen der Tränenflüssigkeit verhindert, so dass diese im Auge verbleibt und es länger feucht hält. In sehr schweren Fällen kommen auch Kortisontabletten oder Immunsuppressiva zum Einsatz. Diese Behandlung ist jedoch dem Augenarzt vorbehalten.

 

Beim Kauf der "künstlichen Tränen" sollte man darauf achten, dass sie keine Konservierungsstoffe enthalten, insbesondere kein Benzalkoniumchlorid.

Neben diesen medikamentösen Behandlung habe ich jedoch noch viele praktische Hinweise von meinen Patienten erhalten, welche ich hier gern weitergegen möchte:

 
  • 10mal hintereinander kräftig Blinzeln- fördert die Tränenproduktion und reduziert das Trockenheitsgefühl
  • Tragen einer Brille oder Sonnenbrille, in schweren Fällen mit Seitenschluss
  • Uhrglasverband in der Nacht
  • Verwenden von Luftbefeuchtern in trockenen Räumen (oder feuchte Tücher)
  • Gebläse im Auto nie direkt auf die Augen richten
  • Viel trinken
  • Aufenthalt in Raucherräumen meiden (nicht Rauchen, auch nicht passiv!)
  • Verzehr von Nahrung, die reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren ist (z.B. Ocuvite trockenes Auge 3 x täglich 1 Kps.)
  • regelmäßige Lidreinigung
  • für PC-Arbeiten gibt es sogar eine Blinzle-Software, sie ist jedoch mit Gebühren verbunden



Ich hoffe, Sie verstehen jetzt besser, warum Ihre Augen tränen und einige Hinweise sind für Sie hilfreich. Pflegen Sie Ihre Augen, sie werden es Ihnen danken.


Quelle:
a-wie-augenarzt.de, fachverband-trockenes-auge.eu, rheuma-online.de, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, wikipedia.org, aivimed.de


Dr. med. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen
Karl-Ferdinand-Broll-Str. 2-4
35638 Leun-Biskirchen