zur Startseite

Gestörte Wärmeregulation bei Parkinson

Dr. med. Ilona Csoti
Januar 2017

Gestörte Wärmeregulation bei Parkinson


Parkinson-Patient mit Asymmetrie im Wärmebild beider Hände
Quelle: Antonio-Rubio et al. 2015


Erst kürzlich habe ich im Zusammenhang mit Kälte über eine gestörte Temperaturregulation bei Parkinson-Patienten berichtet. Sie zählt zu den autonomen Störungen und ist auf eine Fehlfunktion der Haut-Gefäß-Nerven-Reaktion auf Kälte oder Wärme (Vasomotorenreflex) zurückzuführen. In mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen ist man dieser Störung nachgegangen. Eine davon möchte ich Ihnen hier vorstellen:

In dieser Untersuchung wurden 15 Parkinson-Patienten und 20 gesunde Kontrollen einem Eiswassertest unterzogen. Dabei wurden die Hände in eiskaltes Wasser getaucht und die Reaktion des Körpers auf diese Kälteprovokation wurde mit einer Wärmebildkamera (Infrarot-Thermographie) erfasst. Die Patienten mit PS zeigten bereits vor dem Test eine signifikant geringere Hauttemperatur im Vergleich zu den Kontrollen. Sechs Minuten nach dem Test kam es bei den gesunden Kontrollen wie erwartet zu einer reaktiven Durchblutungssteigerung durch Weitstellung der Gefäße, diese Wärme-Reaktion fiel bei den PS Patienten deutlich geringer aus.
Die Autoren schlussfolgern, das mit Hilfe der einfach durchzuführenden Thermographie das Ausmaß einer autonomen Störung der Wärmeregulation bei PS bewertet werden kann.

Erläuterung der Thermographie

Mit Hilfe der Thermographie wird Wärme von Objekten aufgezeichnet. Sicher hat jeder schon das Wärmekamera-Bild eines Wohnhauses gesehen, es dient dem Aufdecken von energetischen Schwachstellen, welche man anhand der unterschiedlichen Oberflächentemperatur darstellen kann.

Zahlreiche Erkrankungen im Körper führen ebenfalls zu einer Veränderungen der Hauttemperatur über der betroffenen Körperstelle. Entzündungen strahlen z.B. Wärme aus. Diese Wärme wird über das Gefäßsystem der Haut nach außen abgegeben, um die Körperkerntemperatur stabil zu halten.

Infrarot-Thermographie

Eine in der Medizin mögliche Methode, das Wärmebild der Haut zu erfassen, ist die Infrarot-Thermographie. Sie beruht auf der Tatsache, dass jeder Körper Energie in Form von elektromagnetischen Wellen (Infrarotstrahlen) abgibt. Infrarotstrahlen liegen im elektromagnetischen Spektrum zwischen sichtbaren Licht und Mikrowellen, sie sind für uns nicht sichtbar, wir nehmen sie jedoch über die Nerven unserer Haut als Wärme war. Menschen strahlen ebenfalls, am stärksten in der Körpermitte (37 °C). Diese Strahlung kann durch Messung der Hautoberflächentemperatur erfasst werden. Mit Hilfe einer Wärmekamera wird das Infrarotlicht aufgenommen, die Signale werden von einem Prozessor berechnet und über einen Computer-Bildschirm sichtbar gemacht. Auf diese Art entsteht ein zweidimensionales Wärmebild, wobei warme Körperbereich hell (gelb, orange, rot) und kühlere Bereich dunkel dargestellt werden (dunkelgrün, dunkelblau, lila, schwarz).
Mit der Infrarot-Thermographie kann die Temperatur an jeder beliebigen Stelle des Körpers gemessen werden.
Voraussetzung für einen Normalbefund ist ein perfektes Zusammenspiel zwischen dem Nervensystem, der Haut und den Gefäßen. Die sogenannte neurovaskuläre Kontrolle der Haut wird über das sympathische Nervensystem sichergestellt. Kleine Gefäßnerven sorgen über verschiedene Spannungszustände der glatten Gefäßmuskulatur für eine Erweiterung oder Verengung der Blutgefäße und regulieren darüber u.a. die Wärmeabgabe.
Die Thermographie findet derzeit in der Krebsvorsorge, in der Rheumatologie, der Orthopädie, in der inneren Medizin und in der Gerichtsmedizin Anwendung.


Quelle:
Antonio-Rubio I1, Madrid-Navarro CJ2, Salazar-López E3, Pérez-Navarro MJ4, Sáez-Zea C5, Gómez-Milán E6, Mínguez-Castellanos A7, Escamilla-Sevilla F8. Abnormal thermography in Parkinson's disease. Parkinsonism Relat Disord. 2015 Aug;21(8):852-7. doi: 10.1016/j.parkreldis.2015.05.006. Epub 2015 May 14.


Dr. med. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen
Karl-Ferdinand-Broll-Str. 2-4
35638 Leun-Biskirchen