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Ambroxol gegen Parkinson?

Bereits seit Jahrtausenden werden die Blätter des Adhatoda-vasica Strauches (indisches Lungenkraut) in der indischen Heilkunst Ayurveda (“Wissenschaft vom Leben”) in der Therapie von Husten mit Schleimbildung eingesetzt. Die moderne Wissenschaft konnte als Wirkstoff der Pflanze das Vasicin isolieren und noch verbessern: Ambroxol. Das Medikament wurde 1979 unter dem Handelsnamen Mucosolvan® in Deutschland auf den Markt gebracht und ist zugelassen zur Therapie von Husten mit Verschleimung.

Eine mögliche Rolle von Ambroxol in der Parkinsontherapie wurde angeregt durch eine Arbeit von Professor Paul Dietl, Leiter des Institutes für Allgemeine Physiologie an der Uniklinik Ulm. Er untersuchte mit seiner Arbeitsgruppe den Wirkmechanismus von Ambroxol und fand heraus, dass dieser Arzneistoff mithilfe des Botenstoffs Kalzium die Ausschleusung von „Abfallprodukten“ aus der Zelle anregt, die sogenannte „zelluläre Müllabfuhr“. Der Abtransport von nervenschädigenden Ablagerungen gilt als möglicher neuer Therapieansatz für neurodegenerative Krankheiten, bei denen dieser gestört ist, u.a. gehört dazu auch der Morbus Parkinson.

Nähere Erklärung:
Zur Säuberung von Zellen verschmelzen kleine Zellbestandteile, die Lysosomen, mit dem Schutzüberzug der Zelle (Plasmamembran) und leitet auf diesem Weg die Ausschleusung von Zellabfall durch die Zellwand an. Zuvor bauen die Lysosomen, eine Art Magen der Zelle, mithilfe von Säuren und Enzymen zelluläre Abfallstoffe, wie z.B. fehlgefaltetes Alpha-Synuclein, ab. Über einen Vorgang, der Exozytose nennt, wird der Müll dann durch die Zellwand hindurch aus der Zelle heraus befördert. Ambroxol setzt Kalzium frei und regt über dadurch geförderte chemische Reaktionen die Tätigkeit der Lysosomen und damit die zelluläre Müllabfuhr an.

Quelle:
Giorgio Fois, Nina Hobi, Edward Felder, Andreas Ziegler, Pika Miklavc, Paul Walther, Peter Radermacher, Thomas Haller, Paul Dietl. A new role for an old drug: Ambroxol triggers lysosomal exocytosis via pH-dependent Ca2+ release from acidic Ca2+ stores. Cell Calcium 2015, Volume 58, Issue 6, Pages 628-637
dx.doi.org/10.1016/j.ceca.2015.10.002


Unter der Flagge der Michael J. Fox Stiftung wurde bereits 2011 eine Studie zu diesem Thema gefördert:
„Testing of Ambroxol in the Thy1-Alpha-Synuclein Preclinical Model of Parkinson’s disease. Therapeutics Development Initiative 2011, Robert F. Johnston, MBA, New Jersey, United States und Marie-Francoise Chesselet, MD, PhD, Los Angeles, California.
Quelle:
https://www.michaeljfox.org/foundation/grant-detail.php?grant_id=1004


Weitere Studien

Ambroxol improves lysosomal biochemistry in glucocerebrosidase mutation-linked Parkinson disease cells
Alisdair McNeill, Joana Magalhaes, Chengguo Shen, Kai-Yin Chau, Derralyn Hughes, Atul Mehta, Tom Foltynie, J. Mark Cooper, Andrey Y. Abramov, Matthew Gegg, Anthony H.V. Schapira
Brain. 2014 May; 137(5): 1481–1495. Published online 2014 February 25. doi: 10.1093/brain/awu020

Ambroxol as a pharmacological chaperone for mutant glucocerebrosidase
Inna Bendikov-Bar, Gali Maor, Mirella Filocamo, Mia Horowitz
Blood Cells Mol Dis. 2013 February; 50(2): 141–145.
doi: 10.1016/j.bcmd.2012.10.007