Die Giftstoffe verringern die Konzentration des Botenstoffes Dopamin. Das ist das Ergebnis einer Studie, bei der die Krankengeschichten von 143.000 Menschen ausgewertet wurden.Wer häufig Pestiziden ausgesetzt ist, hat ein höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der Harvard-Universität in Boston. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt "Annals of Neurology" veröffentlicht. Wie Alberto Ascherio und seine Kollegen berichten, hatten Personen mit Kontakt zu Pestiziden ein 70 Prozent höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Dazu gehörten auch Landwirte und Viehzüchter. Der Kontakt mit Asbest, Säuren, Lösungsmitteln oder Kohlestaub erhöhte hingegen nicht die Gefahr einer Parkinson-Erkrankung. Der Verdacht, dass die sogenannte Schüttellähmung durch Pestizide ausgelöst werden könnte, besteht schon seit den Achtzigerjahren. Damals hatten Drogenabhängige eine Designerdroge namens MPPP (1-Methyl-4-phenyl-4-propion-oxy-piperidin) herstellen wollen und dabei versehentlich MPTP (1-Methyl-4-phenyl-1,2,3,6-tetrahydropyridin) produziert. Als sie sich die Droge injizierten, lösten sie damit ein Parkinson-Syndrom aus. MPTP hat ähnliche Eigenschaften wie die Pestizide Rotenon und Paraquat, weshalb man bald einen Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung vermutete. Es zerstört Zellen im Gehirn, die Dopamin herstellen. Versuche an Mäusen und Ratten zeigten, dass Rotenon und auch das heute weltweit verbotene Dieldrin Parkinson auslösen können. Dieldrin, das den Versuchstieren in geringen Dosen verabreicht wurde, verstärkte den oxidativen Stress im Gehirn und senkte den Dopamin-Spiegel. Zahlreiche Fall-Kontroll-Studien, bei denen Parkinson-Kranke nach ihrem Kontakt mit Pestiziden gefragt wurden, deuteten ebenfalls auf einen Zusammenhang hin. Die Studie der Bostoner Wissenschaftler ist jedoch die erste, bei der Personen über Jahre hinweg beobachtet und befragt wurden, um eine Verbindung zwischen Parkinson und Pestiziden zu belegen.
Für Sie gelesen: Dr. Fornadi
Die Welt 01.12.2006