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Diagnostisches Vorgehen

Juli 2010 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Anamnese und körperliche Untersuchungen

Mann vor CT
  • Ausführliche Anamnese, einschließlich Familienanamnese (Vererbung?), Fahndung nach Ursachen eines sekundären Parkinson-Syndroms
  • Komplette neurologische Untersuchung, bei Verdacht Demenz-Diagnostik
  • Laboruntersuchungen (z.B. Kupfer, Coeruloplasmin bei Krankheitsbeginn unter 50 Jahren, um die Wilson-Krankheit (Kupferspeicher-Krankheit) auszuschließen)
  • Computertomographie des Gehirns (besser Kernspintomographie), um Gehirntumoren, einen Normaldruckhydrocephalus oder Durchblutungsstörungen auszuschließen
  • Quantifizierung des aktuellen Zustands (Hoehn-Yahr-Stadieneinteilung, UPDRS-Score zur Erhebung der Beeinträchtigung der Motorik, der geistigen Fähigkeiten und der Aktivitäten des täglichen Lebens)
 

Kernspintomographie

Kernspintomographie

Bei Verdacht auf atypische Parkinson-Syndrome kann die Kernspintomographie weitere Hinweise liefern.

Für die Multisystematrophie (MSA) typische Zeichen des Gehirns in der Kernspintomographie sind:

  • Signalabschwächung im so genannten Putamen
  • Gut sichtbares Band an der Grenze zwischen Putamen und äußerer Kapsel
  • Kreuzungszeichen, „Semmel-Zeichen“
  • Kleinhirnschrumpfung
  • Veränderungen im so genannten Linsenkern

Typische Zeichen für die progressive supranukleäre Blickparese (PSP) in der Kernspintomographie sind:

  • Verschmächtigung der Mittelhirnschenkel („Mickey-Mouse“-Zeichen)
  • Verminderter Durchmesser des Mittelhirns

Für die Kortikobasale Degeneration (CBD oder CBGD) ist typisch im Kernspintomogramm:

  • Umschriebene, am Anfang halbseitige Schrumpfung des Scheitellappens

L-Dopa-Test / Apomorphin-Test

PET

Das Ansprechen auf L-Dopa (oder Apomorphin) ist eines der Kriterien der Diagnose eines idiopathischen Parkinson-Syndroms. Dies kann z.B. durch eine so genannte Anbehandlung (optimale Einstellung auf L-Dopa in wenigen Tagen) oder durch die genannten Tests erfolgen. Ein positiver Test beweist aber nur das Ansprechen einiger Symptome auf L-Dopa und nicht die Diagnose eines idiopathischen Parkinson-Syndroms. Das Zittern spricht häufig nicht gut auf den L-Dopa-Test an. Trotz eines negativen Tests kann aber der Patient in der L-Dopa-Langzeittherapie positiv reagieren.

 

Funktionelle bildgebende Verfahren

Eher in Ausnahmefällen werden heute bei fraglicher Diagnose die so genannten funktionellen bildgebenden Verfahren eingesetzt, obwohl sie schon in der Frühphase der Krankheit die notwendige Differenzierung ermöglichen.

Die L-Dopa-PET-Untersuchung stellt mit Hilfe von radioaktivem L-Dopa und der Positronen-Emissions-Tomographie das Dopamin im Streifenkörper dar. Der Dopamin-Mangel in diesem Teil des Gehirns weist auf die Störung der Dopamin-Synthese in der schwarzen Substanz hin. Die Untersuchung ist sehr teuer und wegen der Kurzlebigkeit des verwendeten radioaktiven Stoffes auch sehr umständlich. Diese Untersuchung wird deswegen in erster Linie für Forschungszwecke verwendet.

Die DaTScan-Untersuchung kann mit Hilfe der SPECT-Technik (FP-CIT) die Dopamin-Transporter darstellen. Die Dopamin-Transporter-Darstellung ist infolge des Dopamin-Mangels vermindert, so dass der Einsatz von DaTScan mit der o.g. PET- Untersuchung praktisch gleichbedeutend ist. Die Untersuchung ist deutlich preiswerter.

Die IBZM-SPECT-Untersuchung bildet die Dopamin-Rezeptoren im Streifenkörper ab. Die Zahl der Dopamin-Rezeptoren ist bei den oben geschilderten atypischen Parkinson-Syndromen verringert, so dass hier eine gute Differenzierung möglich ist.

Die MIBG-Szintigraphie der Herzmuskulatur dient der Differenzierung des idiopathischen Parkinson-Syndroms von den MSA-Erkrankungen. Bei der idiopathischen Parkinson-Krankheit ist der MIBG-Befund krankhaft, bei der MSA normal.

Zusatzuntersuchungen

  • Der Riechtest wird jetzt vermehrt in der Frühdiagnostik eingesetzt, seit es bekannt geworden ist, dass bei der idiopathischen Parkinson-Krankheit die Störung des Riechvermögens noch vor dem Auftreten der motorischen Symptome auftreten kann.
  • Mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Hirnstammes können typische Veränderungen nachgewiesen werden.
  • Die Tremoranalyse kann zwischen den verschiedenen Tremorformen differenzieren. Auch hier ist es wichtig zu betonen, dass Zittern nicht gleichbedeutend mit der Diagnose Parkinson ist.
  • Die Kipptischuntersuchung kann neben dem routinemäßig durchgeführten Schellong-Test die Ausprägung der Blutdruckregulationsstörung zeigen (orthostatische Hypotonie = schwerer Blutdruckabfall beim Aufstehen).
  • Die Aktometrie (= Aufzeichnung der motorischen Aktivität des Tages) kann die Akinese und die Fluktuationen nachweisen bzw. als Verlaufskontrolle dienen.
  • Die Blink-Reflex-Untersuchung und die „long-latency“-Reflexe der Handmuskeln können die Diagnose untermauern
  • Die Untersuchung der sympathischen Hautantwort, der Herzfrequenz-Variabilität,ie Elektromyographie der Schließmuskulatur (EMG) der Blase und des Mastdarmes bzw. die Urodynamometriewerden in der Diagnostik der MSA und der PSP eingesetzt.
  • Im Schlaflabor können die Schlaf-Apnoe und die REM-Schlaf-assoziierten Verhaltensstörungen objektiviert werden.

Juli 2010 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

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