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Parkinson – der Weg zur Diagnose

Stand Januar 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Ärztin mit Patientin

Das typische, vollentwickelte Krankheitsbild der Parkinson-Krankheit zu erkennen, ist heutzutage – infolge des immer besser werdenden Informationsstandes der Bevölkerung – auch für medizinisch Nichtgebildete - einfach, oft eine „Blickdiagnose“. Manchmal äußern die Patienten selbst oder ihre Angehörigen den Erstverdacht auf Parkinson. Es kommt auch vor, dass der noch nichts ahnende Patient auf der Straße angesprochen wird.

Weil die ersten Symptome aber oft unklar sind, müssen einige Patienten einen langen Weg gehen, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Häufige, nicht motorische Anfangssymptome, wie z.B. therapieresistente Schulter- oder Rückenschmerzen oder eine Depression können dazu führen, dass die Diagnosestellung verzögert, manchmal erst nach Jahren erfolgen kann.

Die neueren Forschungsergebnisse zeigen, dass die Parkinson-Krankheit nicht mit Veränderungen der Schwarzen Substanz, also nicht mit motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsstörungen beginnt. Infolge der Erstbeteiligung anderer Gehirnstrukturen können nichtmotorische Symptome als erstes Zeichen einer sich langsam entwickelnden Parkinson-Krankheit auftreten. Diese sind in erster Linie die Riechstörung, eine Störung des Nachtschlafes (REM-Schlaf-assoziierte Verhaltensstörung) und die Veränderung der Darmtätigkeit in Form einer chronischen Obstipation.

Die eingeschränkte oder fehlende Riechfähigkeit kann sich Jahre vor dem Auftreten der motorischen Symptome zeigen. Das bedeutet aber nicht, dass jede Riechstörung Parkinson-bedingt ist, es kann z.B. auch eine chronische Entzündung die Ursache sein. Viele Patienten merken diese Riechstörung nicht, in solchen Fällen kann der Arzt die Störung mit dem Riech-Test oft nachweisen (Stadium 1 nach Braak).

Im Stadium 2 kann die so genannte REM-Schlaf-assoziierte Verhaltensstörung auftreten. Diese wird auch als Schenck-Syndrom bezeichnet. Sie ist die Folge des Wegfalls der normalerweise während der REM-Phasen bestehenden schlaffen Lähmung der Muskulatur (REM-Schlaf: Schlafphase mit schnellen Augenbewegungen). Dadurch kommt es zum Ausleben der Träume: Die Patienten führen ruckartige, oft heftige Bewegungen aus.

Auch das Auftreten einer chronischen Obstipation nach einer bislang normalen Darmentleerung kann ein nichtmotorisches Frühsymptom sein.

Wie schon erwähnt, können diese Symptome - aber müssen nicht - Zeichen einer beginnenden Parkinson-Krankheit sein. Bei Verdacht auf die Erkrankung können diese Symptome die Vermutung unterstützen.

Vorgeschichte, Befragung der Angehörigen

Besondere Wichtigkeit erlangt die ausführliche Vorgeschichte des Patienten. Neben den oben genannten nichtmotorischen Frühsymptomen können weitere wie therapieresistente Schmerzen und Depressionen, Leistungsabfall, allgemeine Verlangsamung, verzögerte Erholung nach einer anderen Erkrankung den Arzt in die richtige Richtung weisen. Auch die Erfahrungen der Angehörigen sind von großer Bedeutung. Veränderungen der Lebensgewohnheiten, des Gesichtausdrucks, der Körperhaltung, der Stimme fallen oft zuerst den Angehörigen auf.

Klinische Diagnose

Bei Verdacht auf Parkinson ist die klinische Diagnose ausschlaggebend. Bei der neurologischen Untersuchung sucht man zunächst nach den motorischen Grundsymptomen. Wenn von den 4 Grundsymptomen

  • Brady- oder Akinese (= Verlangsamung und Verarmung der Bewegungen)
  • Ruhetremor (Ruhezittern)
  • Rigor (Steifheit der Muskulatur)
  • Störung der das Gleichgewicht aufrechterhaltenden Reflexe

neben der Akinese mindestens 1 weiteres Symptom vorhanden ist, ist die Diagnose eines Parkinson-Syndroms sehr wahrscheinlich.

Wenn keine atypischen Symptome, wie frühzeitige schwere Stürze, frühe schwere vegetative Symptome, frühzeitige Demenz vorhanden sind, die auf eine andere Erkrankung hinweisen können, fehlt zur Bestätigung der Diagnose nur das gute Ansprechen auf L-Dopa- oder auf Dopaminagonisten.
 
Diese Bestätigung kann durch den L-Dopa-Test oder den Apomorphin-Test erfolgen. Bei typischen Krankheitsbildern kann man auf diese Tests aber verzichten. Auch eine so genannte Anbehandlung mit L-Dopa oder Dopaminagonisten kann bei kontrolliert guter Wirkung die Diagnose sichern.

Die Riechstörung, die halbseitige Anfangssymptomatik können die Diagnose des primären, idiopathischen Parkinson-Syndroms weiter untermauern.

Die sekundären Parkinson-Syndrome können meistens durch die ausführliche gezielte Anamese ausgeschlossen werden.

Es wird empfohlen, bei der Erstdiagnose eines Parkinson-Syndroms immer auch eine Computertomographie des Gehirns durchführen zu lassen. Mit Hilfe dieser Untersuchung kann man solche Krankheiten ausschließen, die Parkinson-ähnliche Symptome verursachen, aber einer ganz anderen Behandlung bedürfen, z. B. eine Störung der Zirkulation der Gehirnflüssigkeit oder einen Gehirntumor. Bei jüngeren Patienten wird auch eine Kupfer-Stoffwechselstörung mit dem so genannten Coeruloplasmin-Test ausgeschlossen (Wilson-Krankheit).

Zur Diagnosesicherung ist das geschilderte Vorgehen in den meisten Fällen völlig ausreichend.

Weiterführende Diagnostik

Die Zusatzuntersuchungen sind nur in Zweifelsfällen, beim Nichtansprechen auf die Medikation oder beim Vorhandensein von atypischen Symptomen notwendig.

Ein nicht belastendes diagnostisches Verfahren, die Ultraschalluntersuchung des Gehirns, steht auch für die Differenzialdiagnostik zur Verfügung. Durch den dünnen Schläfenknochen kann die Schwarze Substanz mit Ultraschall untersucht werden. Bei über 90% der Patienten mit Morbus Parkinson, jedoch nicht bei Patienten mit atypischen Parkinson-Syndromen, lässt sich ein erhöhtes Signal in der Schwarzen Substanz, nachweisen.

Wenn in Ausnahmefällen die Diagnose nicht eindeutig zu stellen ist, können wir mit Hilfe der DATSCAN-Untersuchung den im Hintergrund der Parkinson-Krankheit stehenden Dopamin-Mangel bestätigen oder ausschließen. Bei dieser Untersuchung werden mit radioaktiven Isotopen und mit Hilfe einer SPECT-Kamera die Dopamin-Transporter dargestellt. Die Dopamin-Transporter sind im Gehirn der Parkinson-Patienten ebenso verringert wie das Dopamin.

Für die Abgrenzung von anderen atypischen Parkinson-Symptomen stehen weitere Isotop-Untersuchungen (IBZM-SPECT, MIBG-SPECT) zur Verfügung.

Wie schon erwähnt, sind die genannten Zusatzuntersuchungen in erster Linie für die Differenzialdiagnostik notwendig.

Für die Diagnosesicherung des primären, idiopathischen Parkinson-Syndroms reicht die klinische Diagnose und das Ansprechen auf die Medikation völlig aus.

Stand Januar 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen