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Lebenserwartung bei dem idiopathischen Parkinson-Syndrom (Parkinson-Krankheit)

Stand April 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen

Älteres Ehepaar im Park

Wenn bei einem Patienten die Parkinson-Krankheit diagnostiziert wird, tauchen sofort zahlreiche Fragen auf. Eine der ersten Fragen betrifft die Zukunft, die voraussichtliche Lebenserwartung.

In älteren Gesundheitsbüchern, aber vor der Einführung der modernen Parkinson-Therapie auch in der Fachliteratur, lesen wir, dass die Krankheit in ein paar Jahren zur vollständigen Pflegebedürftigkeit, Bettlägerigkeit und dann zum Tode führt. In den medizinischen Artikeln dieser Zeit wurde die verbleibende durchschnittliche Lebenserwartung auf höchstens 10 Jahre taxiert. Einige Abhandlungen sprechen über eine fast dreimal höhere Sterblichkeit gegenüber der gleichaltrigen Bevölkerung.

 

Die Einführung der L-Dopa-Therapie vor mehr als 40 Jahren hat diese negative Prognose grundlegend verändert. Neben der deutlichen Verbesserung der Symptomatik und dadurch der Lebensqualität kam es zur fast vollständigen Normalisierung der Lebenserwartung, das heißt, dass die statistische Lebenserwartung der optimal behandelten, aktiven Patienten kaum kürzer ist, als die zu erwartende Lebensspanne der gleichaltrigen Menschen. Ähnliches zeigen nachträgliche (retrospektive) Auswertungen von Arzneimittelstudien bezüglich der Sterblichkeit. Diese Studien zeigen außerdem, dass sich die Todesursache der meisten Parkinson-Patienten von der Todesursache der gleichen Altersgruppe nicht grundlegend unterscheidet: Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall, Krebs.

Durch die heutige, ständig angepasste Kombinationstherapie können auch die Symptome der Krankheit in hohem Maße unterdrückt werden, die für das frühzeitige Sterben der Patienten verantwortlich waren, in erster Linie die Akinese, die bei Bettlägerigkeit und Schluckstörungen häufig zur Entstehung von wiederkehrenden Lungenentzündungen führte. Dieser befürchtete Endzustand droht heute nur bei einem sehr geringen Teil der Patienten; die medikamentöse Therapie, die Pumpenbehandlungen und die Tiefe Hirnstimulation können auch bei den fortgeschrittenen Fällen helfen und das Leben verlängern.

Bei den meisten Patienten, die keine schweren Zusatzerkrankungen haben, kann die Therapie die Symptome für lange Zeit zufriedenstellend unterdrücken, bei vielen sogar lebenslang.

Viele jüngere Patienten sind mir bekannt, die sogar ihren Beruf oder eine andere neue Beschäftigung für 10 oder manche sogar für 20 Jahre ausüben konnten. Zahlreiche Patienten sind auch nach Aufgabe des Berufes aktiv geblieben und entwickelten neue Hobbys und künstlerische Fähigkeiten oder ließen alte aufleben.

Einige Patienten sind seit 30 Jahren in Behandlung und blieben aktiv mit zufriedenstellender Lebensqualität.

Die positive Prognose gilt nur für die idiopathische Parkinson-Krankheit. Atypische, auf die L-Dopa-Therapie nicht reagierende Parkinson-Syndrome haben eine deutlich verkürzte Lebenserwartung.

Einige Faktoren können die Lebenserwartung der Parkinson-Patienten außerdem negativ beeinflussen. Fehlende oder nicht optimale Therapie, schwere internistische Zusatzerkrankungen zählen dazu sowie die Entwicklung einer zusätzlichen Demenz.

Die ständige Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten, die Erforschung von Medikamenten, die den Verlauf verlangsamen oder sogar aufhalten, werden dazu führen, dass die Lebensqualität während der ganzen gesteigerten Lebenserwartung erhalten bleibt.

Stand April 2013 | Dr. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen