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Augensymptome bei Parkinson-Syndromen

Stand Dezember 2012 | Dr. Ferenc Fornadi – Gertrudis-Klinik Biskirchen

Untersuchung beim Augenarzt

Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS), also die Parkinson-Krankheit ist eine Krankheit, die in erster Linie die Motorik betrifft und dementsprechend weniger Augenbeschwerden verursacht. Anders sieht es bei einigen degenerativen Erkrankungen des Nervensystems, die auch Parkinson-Symptome verursachen, aus. Bei diesen Krankheitsbildern können gravierende Augensymptome auftreten, die besonders am Anfang dominierend sein können.

Die Parkinson-Krankheit tritt im Allgemeinen in einem Alter auf, in dem auch von der Parkinson-Krankheit unabhängige primäre Augenerkrankungen üblicherweise vorhanden sein können. Diese begleitenden Augenkrankheiten können durch einige Parkinson-Medikamente negativ beeinflusst werden, demzufolge ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt über diese Krankheiten informiert wird. Es ist auch notwendig, die durch diese Krankheiten verursachten Augenbeschwerden von den Augensymptomen der Parkinson-Krankheit zu differenzieren.

Andererseits können Parkinson-Medikamente auch solche Nebenwirkungen auslösen, die die Augen betreffen und im alltäglichen Leben, z.B. beim Lesen Probleme bereiten.

Augensymptome der idiopathischen Parkinson-Krankheit

Die am häufigsten geklagten Beschwerden der Patienten sind Probleme beim Lesen in Form von Verschwommensehen und Verdoppelung der Buchstaben (Doppeltsehen). Im Hintergrund dieser Beschwerden steht eine Konvergenz- und Akkommodationsschwäche der Augen. Beim Fixieren auf Objekte, die sich in der Nähe befinden, bewegen sich die Augen aufeinander zu. Bei Parkinson-Patienten lässt diese sogenannte Konvergenz schnell nach und Gegenstände oder Buchstaben verschwimmen oder verdoppeln sich sogar. Beim Lesen muss die Linse von der Ferne auf die Nähe eingestellt werden, was zunehmend schwerer fällt. Diese Phänomene verursachen in erster Linie den größten Teil der Leseprobleme.

Der so genannte Augentremor (Augenzittern) ist nach neusten Studien bei der Parkinson-Krankheit ein Frühsymptom, das sogar in der Frühdiagnostik eine Rolle spielen könnte. Dieser Tremor beeinträchtigt die Stabilität der Augen, während der Patient bewegte Gegenstände fixiert.

Die gestörten Blicksprünge (Sakkaden) von Parkinsonpatienten haben ein charakteristisches Muster. Die erste Sakkade ist zu klein, mit einigen Korrektur-Sakkaden wird das Ziel jedoch erreicht. Auch diese Störung ist Ursache der Leseschwierigkeiten.

Der seltene Lidschlag, der bei vielen Parkinson-Patienten zu beobachten ist, verursacht eine Augentrockenheit, weil die Augenlider das Auge nicht ausreichend mit Tränenflüssigkeit versorgen. Die Augentrockenheit kann zur Augenrötung, Augenbrennen, Jucken und auch Bindehautentzündung oder Lidrandentzündung führen. Sie kann auch einen kompensatorischen übermäßigen Tränenfluss auslösen.

Bei genaueren Untersuchungen haben die Forscher weitere Störungen des Sehvermögens festgestellt, die keine direkten Beschwerden verursachen, in einigen Fällen aber trotzdem wichtig sein können (z.B. bei der Fahrtauglichkeit, evtl. Beeinflussung der Gangsicherheit):

  • Störungen der visuell-räumlichen Verarbeitung,
  • der Tiefen- und Bewegungswahrnehmung,
  • Vermindertes Kontrastsehen,
  • gestörte Hell-Dunkel-Adaptation,
  • Farbsinnstörungen mit gestörter Unterscheidung der Farben (Blau-Gelb-Störung).

Diese genannten Störungen stehen mit dem Dopamin-Mangel in Zusammenhang, der bei der Parkinson-Krankheit nicht nur in der Schwarzen Substanz, sondern unter anderen auch in der Netzhaut (Retina) der Augen und auch in der zentralen Sehrinde im Gehirn eine Rolle spielt.

Augensymptome bei atypischen Parkinson-Syndromen

Die nicht idiopathischen Parkinson-Symptome zeigen auch andere Augensymptome.
Bei der heute selten gewordenen, nach einer Gehirnentzündung auftretenden Parkinson-Symptomatik (postenzephalitisches Parkinson-Syndrom) waren Blepharospasmus und okulogyre Krisen (Blickkrampf) häufig. Der Blepharospasmus ist das unwillkürliche Schließen der Augenlider, mit erschwerter Lidöffnung und häufigem Lidzwinkern. Sie tritt auch bei anderen atypischen Parkinson-Syndromen auf. Die okulogyre Krise ist die anfallsweise auftretende unwillkürliche Drehung der Augen nach oben oder auf die Seite, die Minuten, ausnahmsweise auch Stunden lang anhalten kann. Sie tritt neben dem postenzephalitischen Syndrom auch bei dem medikamentösen Parkinson-Syndrom als Nebenwirkung von Neuroleptika (Medikamente gegen Psychosen) auf.

Bei den atypischen Parkinson-Syndromen kann auch eine Lidöffnungsapraxie auftreten (Verzögerung der Lidöffnung).

Augensymptome zeigen sich bei der progressiven supranukleären Lähmung, genannt PSP oder Steele-Richardson-Olszewski-Krankheit. Diese Erkrankung, die von frühen Gleichgewichtsstörungen und Parkinson-Symptomen gekennzeichnet ist, verursacht besondere Augensymptome. Es tritt eine am Anfang nur senkrechte Verlangsamung und Lähmung der Augenbewegungen - zunächst im Allgemeinen nach oben - auf. Die Störung der Augenbewegungen führt dazu, dass der Patient nur durch vertikale Kopfbewegung nach oben schauen kann, später sind die Augenbewegungen gar nicht mehr möglich. Infolge des Rigors der Halsmuskulatur ist in späteren Stadien das Anschauen seitlich liegender Gegenstände nur mit Drehung des ganzen Körpers möglich. Die Patienten interpretieren die Augenbewegungsstörung als Sehstörung, häufig als Schwindel. Die Augen sind extrem lichtempfindlich. Der Blick ist infolge der Augenbewegungsstörung extrem starr.

Eine leichte Einschränkung des Blickes nach oben kann auch bei der idiopathischen Parkinson-Krankheit und bei älteren Menschen vorkommen.

Eine weitere Erkrankung mit Parkinson-Symptomen, die auch besondere Augensymptome zeigt, ist eine Kupferstoffwechselstörung, die Wilson-Krankheit.

Bei dieser Erkrankung findet sich mit der Spaltlampenuntersuchung ein typischer Kornealring (an der Hornhaut), der Kayser-Fleischer-Ring. Dieser Ring entsteht aus Kupferablagerungen und spielt eine Rolle bei der Abgrenzung gegenüber der Parkinson-Krankheit.

Augenbeschwerden und Symptome als Nebenwirkung der Medikamente

Die häufigsten Nebenwirkungen im Bereich der Augen verursachen die so genannten Anticholinergika. Diese Medikamente verursachen Sehstörungen, z.B. durch die Erweiterung der Pupille. Dadurch sind die normalen Pupillenreaktionen nicht möglich, die Augen sind infolge der fehlenden Einengung der Pupille beim Lichteinfall auch extrem lichtempfindlich. Anticholinerg wirksame Medikamente erhöhen auch den Augeninnendruck. Außerdem wird die Tränensekretion negativ beeinflusst.

Die Amantadin-Präparate (Glutamatantagonisten) können den Augeninnendruck erhöhen, Verschwommensehen, Lichtempfindlichkeit verursachen. Einzelfälle mit vorübergehenden Visusverlust sind beschrieben.

L-Dopa-Präparate können bestimmte Augensymptome, die auf den Dopamin-Mangel der Netzhaut zurückzuführen sind, eher verbessern. Nebenwirkungen, die die Augen betreffen, sind selten. Verschwommensehen, Doppeltsehen, Pupillenerweiterung mit Lichtempfindlichkeit werden manchmal beklagt. Extrem selten können Blepharospasmus und Blickkrämpfe auftreten. Eine Erhöhung des Augendruckes ist ebenfalls möglich.

Die Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer) können die genannten L-Dopa-bedingten Nebenwirkungen verstärken. Bei Rasagilin wurden zusätzlich Bindehautentzündungen beschrieben.

Auch die Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer (COMT-Hemmer) können die L-Dopa-Nebenwirkungen verstärken.

Die Dopamin-Agonisten haben ähnliche, bei den L-Dopa-Nebenwirkungen beschriebene unerwünschte Wirkungen auf die Augen. Bei den so genannten Ergot-Dopamin-Agonisten sind nicht näher spezifizierte Sehstörungen aufgeführt. Bei Pramipexol ist außerdem ein Nachlassen der Sehschärfe beschrieben. Bei Albino-Ratten hat man in der Pramipexol-Langzeitanwendung eine Netzhaut-Degeneration festgestellt, bei Menschen sind ähnliche Probleme bislang nicht gehäuft aufgetreten.

Die Augen betreffende Nebenwirkungen der begleitenden Medikation:

Medikamente die gegen Depression und Blasen-Beschwerden eingesetzt werden, haben häufig auch anticholinerge Wirkungen mit den entsprechenden Nebenwirkungen der Anticholinergika.

Primäre Augenerkrankungen und Parkinson

Wie schon am Anfang erwähnt, treten die meisten Parkinson-Erkrankungen in einem Alter auf, in dem zahlreiche primäre Augenkrankheiten üblich sind. Diese Erkrankungen müssen bei der Behandlung der Parkinson-Syndrome unbedingt berücksichtigt werden, weil die Parkinson-Therapie diese Augenleiden negativ beeinflussen kann. Andererseits ist die Beachtung dieser Augenerkrankungen auch darum wichtig, damit man die Symptome dieser Krankheiten nicht mit den Augensymptomen der Parkinson-Krankheit oder den Nebenwirkungen der Medikamente verwechselt und infolge dessen diese Krankheiten nicht rechtzeitig adäquat behandelt.

Der Grüne Star (Glaukom) ist bei der Parkinson-Therapie besonders zu berücksichtigen, weil die meisten Parkinson-Medikamente den Augeninnendruck erhöhen und dadurch diese Augenkrankheit verschlechtern können. Wenn ein Patient ein operativ nicht behandelbares Engwinkelglaukom hat, darf er viele Antiparkinsonmittel nicht einnehmen (absolute Kontraindikation). Bei dem Weitwinkelglaukom ist eine regelmäßige Überprüfung des Augendruckes und evtl. die Anpassung der Medikation notwendig. Diese Erkrankungen verursachen auch Gesichtsfeldausfälle, die bei der Augenkontrolle der Bewegungen zu Problemen führen können.

  • Der Graue Star (Katarakt) ist eine zunehmende Linsentrübung, die bei Über-Sechzigjährigen fast üblich ist. Diese Linsentrübung verursacht ein unscharfes Sehen evtl. mit einäugigen Doppelbildern. Die Sehleistung lässt bei ungenügenden Lichtverhältnissen deutlich nach.
  • Glaskörpertrübungen zeigen sich in Form von „fliegenden Mücken“ im Gesichtsfeld.
  • Die Makuladegeneration („Netzhautverkalkung“) führt zu zunehmender Einschränkung der Sehschärfe mit Gesichtsfeldausfällen.
  • Auch die Altersweitsichtigkeit ist Ursache zahlreicher Beschwerden in diesem Alter.

Die infolge der Zuckerkrankheit auftretende diabetische Retinopathie und die durch Blutdruckerhöhung verursachten Veränderungen können eine dringende augenärztliche Behandlung notwendig machen.

Erwähnenswert wäre noch, dass auch andere neurologische Erkrankungen Augensymptome verursachen können (z.B. Multiple Sklerose, Tumor, Aneurysma, Myasthenie usw.), die nicht mit den Parkinson-bedingten Augenstörungen verwechselt werden dürfen.

Stand Dezember 2012 | Dr. Ferenc Fornadi – Gertrudis-Klinik Biskirchen